„Ein Festival von vielen Freund*innen für viele Freund*innen“

Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit: KONTAKTFELD. KONTAKTFELD hat keinen redaktionellen Einfluss auf die Rezension.

Am Samstag findet in der Rotunde zum ersten Mal das KONTAKTFELD Festival statt. Dafür hat das KONTAKTFELD Kollektiv FLINTA*-Musiker*innen aus ganz Europa eingeladen. Kurz vor dem Festival hat STROBO-Autor Johannes Wernich mit den Organisatoren gesprochen.

Lesedauer: 4 Minuten

Das Veranstaltungskollektiv “KONTAKTFELD”, das sind Maximilian Finke, Michael Leniart und Robert Schulz. Zusammen veranstalten sie nischige Clubkonzerte im Ruhrgebiet. Dabei haben sie immer den Anspruch, ihren Gäst*innen ein diverses Programm zu fairen Eintrittspreisen zu bieten. Das versuchen die drei dieses Wochenende ein weiteres Mal mit ihrem ersten eigenen Festival.

STROBO: Ihr habt die letzten Jahre Clubnächte und kleinere Konzerte veranstaltet. Jetzt gibt es zum ersten Mal ein ganzes Festival. Wie ist es dazu gekommen?

Robert: Den Traum gab es schon seit der Gründung von KONTAKTFELD. Der konkrete Anstoß kam 2024 bei einem Treffen von Hochkulturinstitutionen und subkulturellen Akteur*innen im Essener Grillo-Theater unter anderem vom RVR. Danach sind wir mit STROBO ins Gespräch gekommen und dachten: Wäre doch cool, ein eigenes Festival zu machen. Aber das ist natürlich nochmal eine andere Hausnummer als vielleicht ein Clubabend mit einem Konzert.

Das Kollektiv: Robert Schulz (v.l.), Michael Leniart und Maximilian Finke. Foto: Lennart Neuhaus.

STROBO: An welchen Punkten ist euch das besonders klar geworden oder war es doch nochmal ganz anders als bei den Clubkonzerten?

Maximilian: Als wir wirklich die ersten Förderanträge eingereicht haben, war immer wieder die Frage: Was ist denn der Kern von KONTAKTFELD? Was ist denn das Konzept unseres eigenen Festivals? Bis dahin haben wir uns diese Frage immer nur nebensächlich stellen können, weil wir mehr in dieser Dienstleister-Rolle waren: Club und Band gebucht, Grafiken organisiert, Hotels gebucht und uns um Catering gekümmert. Und mit dem Punkt, das eigene Festival ins Leben zu rufen, war ganz klar, wir wollen da ein Konzept erstellen, was mehr als nur eine Band und eine Location ist: Sondern viele Bands, viele Stile, die ineinandergreifen, nicht unbedingt aus einem Genre, sondern ein Puzzle-Bild zu kreieren aus vielen Teilen, die am Ende ein wunderschönes Bild ergeben.

STROBO: Und wie sieht das fertige Konzept jetzt aus?

Maximilian: Wir sind relativ schnell auf ein paar Werte gekommen, die wir leben wollen: Das ist ganz klar der Diversitätsfaktor, weil wir gemerkt haben, dass unser Programm doch immer wieder recht männlich geprägt war. Da haben wir eigentlich einen anderen Anspruch. Deswegen haben wir dann beschlossen: Gut, dann machen wir es uns jetzt zur Aufgabe, auf dieses Festival FLINTA*- und Mixed-Gender-Acts zu positionieren. Und wir wollen es möglichst nachhaltig denken, was den ökologischen und den sozialen Aspekt angeht. Deswegen spenden wir auch 1€ pro Gäst*in an das Projekt “Renaturierung von Moorlebensräumen auf der Bergischen Heideterasse” in NRW.

STROBO: Neben den Musikacts wird es beim KONTAKTFELD Festival auch eine Lesung und einen Polit-Talk geben, warum?

Maximilian: Gerade macht es uns sehr viel Spaß, noch mehr unsere Ideen und Werte in einen selbstkuratierten Abend stecken zu können und künstlerisch spartenübergreifend zu arbeiten.

Robert: Im Austausch mit Freundinnen über das, was wir gerade lesen, kam “Wenn wir lächeln” von Mascha Unterlehberg auf. Was für uns sehr spannend war, dass Mascha Unterlehberg aus Mülheim an der Ruhr kommt und der Roman da situiert ist. Er behandelt, Freundinnenschaft und wie es ist als junge Frau, als weiblich gelesene Person im Ruhrgebiet sozialisiert zu werden. Das passt inhaltlich gut zu unserem Konzept.

Robert: Wenn man den Begriff “KONTAKTFELD” noch in seiner Bildhaftigkeit versteht, ist es unser Anliegen, einen sozialen Raum zu eröffnen. Und soziale Räume sind per se politische Räume. Deswegen auch der Talk mit CORRECTIV und Salon 5. Man guckt sich um und man hört die Nachrichten und ich meine, man kann verzweifeln oder man versucht, Gegenöffentlichkeiten irgendwie zu initiieren, gemeinsam ein Gegenpol dazu zu sein. Das war auch noch ein Bestreben. Da hat es sich angeboten, mit Correctiv ein Medienhaus aus dem Ruhrgebiet reinzunehmen, das super wichtige Arbeit leistet.

Maximilian: KONTAKTFELD ist jetzt auch seit einem Jahr festes Bündnismitglied von „Essen stellt sich quer„, dem linken Essener Bürger*innenbündnis. Wir haben hier das ganze Jahr auch viele antifaschistische Demonstrationen mit Musikprogramm und Veranstaltungstechnik supportet, dahingehend war ganz klar, wir wollen auch beim Festival einen linken Redebeitrag haben.

STROBO: Ihr wollt gendergerechte Clubkultur und Livemusik bezahlbar halten. Wie könnt ihr das für ein ganzes Festival umsetzen?

Maximilian: Wir haben es ganz gut geschafft, uns mit der Größe des Lineups und des Ladens nicht zu übernehmen. Einfach ist es aber nicht. Fördermittel zu bekommen ist einfach sehr zeitaufwendig. Gleichzeitig sind wir der Meinung, dass genau dafür öffentliche Förderung auch gemeint sein soll und nicht nur für Hochkultur – das ist es ja zum Glück auch. Für das KONTAKTFELD Festival haben wir nicht alle Fördermittel in vollem Umfang bekommen und sind unterfinanziert. Glücklicherweise liefen ein paar Veranstaltungen dieses Jahr sehr gut – so können wir uns quer finanzieren: Vielleicht 50% aus öffentlichen Mitteln, 25% aus Eintrittsgeldern und 25% von eigenen Veranstaltungen.

So sahen vergangene Veranstaltungen von KONTAKTFELD aus. Foto: Johanna Kastner.

STROBO: Am Samstag geht das KONTAKTFELD Festival los. Wie ist eure Stimmung? Habt ihr Bock?

Maximilian: Ich hatte fast das Gefühl, dass die letzten Worte auch zu einer ansteigenden Qual geworden sind, weil es immer noch nicht greifbar war. Jetzt freue ich mich massiv drauf, in die letzten Vorbereitungen zu gehen und wir schon eine Vision davon haben, was am Samstag passiert.

Robert: Ich freue mich schon auf das hoffentlich positive Feedback und das dafür, also zumindest aus meiner Motivation dafür mache ich das, dass Leute eine gute Zeit haben und an Kultur einfach partizipieren können und genau das ist das, worauf ich mich freue. Und ich freue mich natürlich auch auf die Acts. Also das sind natürlich auch Bands, die wir gebooked haben und Lesungen und Talks, auf die wir selbst große Lust haben.

Maximilian: Also für uns sind Veranstaltungen immer dann erfolgreich, wenn alle Gruppen, die wir zusammenbringen, eine glückliche, inspirierende Zeit haben. Und dahingehend ist es auch irgendwie ein Festival von vielen Freund*innen für viele Freund*innen, an Orten, die wir mögen, mit Bands, die wir feiern.

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