Diese Events dürft ihr im April nicht verpassen

Der April macht, was er will, solange er die Freiheitsrechte von anderen dabei nicht einschränkt, hoffe ich doch. Ansonsten würde ich da mal den Verfassungsschutz einschalten. Nur ein Scherz, und damit beginnt nicht nur dieser Text, sondern wer noch? Genau, der April.

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Und dann steigt da ja noch das Fest, bei dem wir es Jahr für Jahr als völlig normal und gegeben hinnehmen, dass ein Hase für uns bunt bemalte Eier versteckt, weil irgendein Dude vor etwa – nagelt mich nicht fest (oh, Spoiler) – 2000 Jahren, von den Toten auferstanden ist – nachdem er ans Kreuz…..ach ihr wisst schon, das würde sich jetzt doppeln. Nicht falsch verstehen, ich mag Ostern, aber ich mag halt auch absurde Geschichten. Eigentlich soll es hier aber jetzt darum gehen was ihr vor allem an den 29 Tagen ohne Tanzverbot (nicht der Youtuber, sondern die Regelung religiösen Ursprungs in unserem säkularen Land) Schönes machen könnt.

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Jonas (Hildebrandt) kommt ursprünglich aus Essen, wirkt mittlerweile in Dortmund. Lebt nach den Kategorien lustig / nicht lustig und würde letzteres gerne aus der Welt verbannen. War mal länger in Toulouse, vor allem für das kosmopolitische Lebensgefühl. Und ist für die monatlichen Eventtipps von STROBO verantwortlich.

Nova Twins in der Zeche Carl in Essen am 1.4.

Die Nova Twins sind weder Zwillinge noch ist ihr Album Supernova eine Sternenexplosion, sondern viel mehr ein offensichtlich rumliegendes Wortspiel. Trotzdem dürfte hier die Kunstfreiheit einschreiten und sie vor dem Titel der Mogelpackung des Jahres bewahren. Viel ernster im Rennen waren sie schon bei deutlich hochkarätigeren Preisen wie den BRIT Awards oder den NME Awards. Echte Punk-Prominenz also, die da am Tag des Aprilscherzes nach Essen kommt. Tickets gibt’s hier.

„Die Sauna“ im Goethebunker in Essen am 9.4.

Der Goethebunker dürfte an einem durchschnittlichen Partyabend dem Schweißaufkommen in einer herkömmlichen Sauna in nichts nachstehen. Dennoch meint „Die Sauna“ im Goethebunker etwas anderes, was in diesem Fall durch die Gänsefüßchen (die man trotz EU-Verordnungen wohl hoffentlich noch so nennen darf, obwohl kein Stück Gans enthalten ist) hervorgehoben werden soll. „Die Sauna“ ist eine Band aus Bayern, deren Sound sich wohl am ehesten mit New Wave beschreiben lässt, sich aber gerne über klassische Genre- und Songstruktur-Vorstellungen hinwegsetzt. Tickets für das Konzert bekommt ihr hier.

Livemusikfilm „Carl“ im Kammerkonzertsaal Bottrop am 11.4.

Das Konzept des Livemusikfilms ist ungefähr so, wie wenn ihr ein TikTok schaut, indem jemand im oberen Bildschirmbereich munter vermeintliche Lebensweisheiten in ein Mikrofon plaudert während in der unteren Hälfte die knalligen Farben von Subway Surfers für Reizüberflutung sorgen. Was ich damit sagen will: Auch beim Livemusikfilm passieren zwei Sachen gleichzeitig. Sonst ist eigentlich auch alles ganz anders als in dieser unpassenden Analogie. Die Livemusik von sieben Musiker*innen steht im Zusammenspiel mit dem Film. Der heißt „Carl“ und handelt von einer Zukunft, in der künstliche Intelligenz bereits zum selbstverständlichen Teil des Alltags geworden ist, wobei man das Wort Zukunft in diesem Zusammenhang sicherlich in Frage stellen darf (mitleidige Grüße gehen raus an das heute journal). Infos und Tickets findet ihr hier.

Das wissen die wenigsten: April steht im Volksmund für Bier trinken (oder so). Foto: Lennart Neuhaus.

New Music Friday in der Großmarktschänke in Dortmund am 17.4.

Der New Music Friday in der Großmarktschänke ist weder verwandt noch verschwägert mit der gleichnamigen Spotify Playlist. Im Gegenteil zu dieser bietet er nämlich jungen aufstrebenden Künstler:innen eine Bühne. Dazu zählen Kes, Leo Karter, Classic Quartet, Mon&Mavey – und falls ihr diese Namen noch nie gehört habt, lest sie euch einmal laut vor und sperrt die Lauscher auf, dann wäre das Problem gelöst. Tickets für den New Music Friday gibt’s hier.

Patina Records Release Show in der Hirsch Q in Dortmund am 17.4.

Immer wenn ich von Rap-Kollektiven höre, die auf Records enden, wächst in mir die Sehnsucht danach, dass sich eines Tages eine kleine Gruppe irischer Bierbrauer auf einer launigen Personalversammlung ihres weltbekannten Unternehmens dazu entschließt, von nun an unter dem Namen Guinness World Records dem Sprechgesang zu frönen. Nun aber zu Patina Records: Dortmunds lokale Rapkoryphäen, die längst über die Stadtgrenzen hinaus durchstarten, wollen das Erscheinen ihrer Playboy*innen EP mit einem Releasekonzert gebührend feiern. Tickets dafür gibt’s hier.

Vicky im FZW in Dortmund am 24.4.

Vicky hat ihre Karriere begonnen, indem sie einen Ikkimel Song gehört hat, gedacht hat: „Das kann ich auch“ und es dann tatsächlich auch konnte. Das finde ich sehr beeindruckend, vor allem als jemand, der bei sehr vielen Dingen sagt „Das kann ich auch“, um es dann in 90 Prozent der Fälle gar nicht erst zu machen und es in 100 Prozent der Fälle auch bei weitem nicht zu können (a.k.a. ein Mann). Vicky hat inzwischen jedenfalls längst bewiesen, dass sie nicht nur einen Song machen, sondern sich auch eine ganze Karriere als Musikerin aufbauen kann. Ihre Tour nennt sie: „Vicky, wann Welttournee?“ und warum sollte sie das nicht bald auch können, wenn sie jetzt schon am Nabel der Welt, im Ruhrgebiet, auftritt. Tickets für das Konzert bekommt ihr hier.

WirrVarieté beim kleinen Freitag im Dortmunder U am 23.4.

WirrVarieté – so könnte man ja auch den deutschen Bundestag nennen (hier einen kleinen Tusch und eingespielte Lacher vorstellen und es wird zum astreinen politischen Kabarett). Das WirrVarieté besteht aus neun Personen, ist ursprünglich als Lesebühne gestartet, bildet aber inzwischen alle denkbaren Formen der kleinen und großen Bühnenkunst ab. Alle Infos findet ihr hier.

Engin in der Zeche Carl in Essen am 24.4.

Es wird eng in der Zeche Carl, wenn sich das Publikum beim Auftritt von Engin vor der Bühne versammelt. Die Band macht deutsch-türkischen Indie, ein recht unterrepräsentiertes Konzept auf dem Markt, vor allem im Vergleich zu den rein deutschen Indie-Bands, die mit einer Geschwindigkeit aus dem Boden schießen, als hätte man einen schwerwiegenden Düngerunfall gebaut (oder so ähnlich, kenne mich nicht aus mit Pflanzen). Und dennoch kommt Engin nicht nur über diesen – Achtung LinkedIn-Sprache! – USP (Unique Selling Point oder auch ein Paketlieferant mit Buchstabendreher), sondern auch einfach über die Stärke ihrer Musik und Live-Performance. Tickets gibt es hier.

Der April macht ja bekanntlich was er will: Vielleicht gutes Wetter zum nächsten Tipp. Foto: Lennart Neuhaus.

Bollwerk Open Frühlingsfest im Bollwerk 107 in Moers am 25.4.

Eines der emotionalsten Events für alle Deutschen neben dem Angrillen und dem Beginn der Spargelsaison ereignet sich im Bollwerk in Moers: Die Biergartenöffnung. Und nicht nur das, zum 17. Geburtstag gibt es obendrauf noch Live-Musik, Jam-Sessions, Workshops und vieles mehr. Alle Infos findet ihr hier.

Sorin bei Songs & Cakes im Depot in Dortmund am 26.4.

Kaffee, Kuchen und Acoustic-Livemusik – was will man auf einen Sonntagnachmittag mehr, außer jetzt zum Beispiel Weltfrieden, Lottogewinn und dass der Kater von selbst verschwindet. Außerdem bietet diese Veranstaltung den perfekten Freifahrtschein für alle, die sich zwar gerne mal mit Freunden oder Familie auf Kaffee und Kuchen treffen wollen, ohne dabei aber super viel mit ihnen reden zu müssen. Stattdessen kann man bequem dem atmosphärischen Indie-Folk des Singer-Songwriters Sorin lauschen. Alle Infos gibt es hier.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen vom 28.4. bis zum 3.5.

Die Oberhausener Kurzfilmtage sind das älteste Kurzfilmfestival der Welt – und zählen daher auch zu den bedeutendsten. Für die Branche spielen sie also eine ähnliche Rolle wie das Centro für die Shopping-Welt des Ruhrgebiets oder das Gasometer für die Ausstellungen-in-ehemaligen-Scheibenglasbehältern-Fangemeinde weltweit, um in Oberhausener Bildern zu bleiben. Das Schöne an einem Kurzfilmfestival ist, dass aufgrund der Kürze der Filme ein enorm breites Programm geboten wird, das Paradoxe ist, dass es dadurch extrem schwer in KÜRZE dazustellen ist. Drum schaut doch hier mal rein, was alles Spannendes dabei ist.

Und jetzt sind diese Kurzfilmtage auch noch unpassenderweise zu lang, um innerhalb der Monatsgrenzen zu bleiben, was mich nicht davon abhalten soll, euch natürlich daran zu erinnern, dass ihr zum Ende des Monats vielerorts in den Mai tanzen könnt. Bedenkt im Gegensatz zu meinem 2025-Ich dabei nur, dass ja auch der erste Mai traditionell häufig mit einem vollen Programm bedacht ist – ob nun politischer oder feierwütiger Natur – und sich eine gewisse Energieersparnis durchaus auszahlen könnte. Bis dahin, habt einen schönen April.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Punk, Krach und DIY: Das sind die Zinnober-Gründer

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