Diese Events dürft ihr im Dezember nicht verpassen

Die erste Kerze brennt (bei allen, die rechtzeitig daran gedacht haben, einen Adventskranz zu kaufen), die ersten Türchen dürfen geöffnet werden (bei allen, die rechtzeitig daran gedacht haben, einen Adventskalender zu kaufen) und die Klarna-Rechnung vom Black Friday schwebt als dunkles Damoklesschwert über den sich stapelnden noch unausgepackten Paketen neben der Tür, kurzum: Der kapitalistischste ähhh… besinnlichste Monat des Jahres hat begonnen. Ganz besonders freut sich die Stadt Dortmund über die Adventszeit, denn endlich kann sie wie jedes Jahr mit dem größten Weihnachtsbaum der Welt (der zwar eigentlich aus über tausend Weihnachtsbäumen besteht, aber egal) irgendetwas Anderes kompensieren.

Damit ihr nicht jeden Abend am Glühweinstand versackt und schon nach einer Woche am liebsten „Last Christmas“ verbieten wollen würdet, habe ich ein kleines kulturelles Alternativprogramm zusammengestellt, ganz nach dem Motto „last but not least“, schließlich ist es die letzte Kolumne des Jahres 2025 (hier Feuerwerk dazu denken, ist auch ökologischer, wenn es nur im Kopf passiert).

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Jonas (Hildebrandt) kommt ursprünglich aus Essen, wirkt mittlerweile in Dortmund. Lebt nach den Kategorien lustig / nicht lustig und würde letzteres gerne aus der Welt verbannen. War mal länger in Toulouse, vor allem für das kosmopolitische Lebensgefühl. Und ist für die monatlichen Eventtipps von STROBO verantwortlich.

Kontaktfeld Sessions im Goethebunker in Essen am 5.12.

Das Kontaktfeld-Kollektiv scheint den Hals nicht voll zu kriegen (was großartig ist) und veranstaltet nach dem Festival im November nun auch noch die ersten Kontaktfeld Sessions mit drei Live-Acts und Aftershow-Party. Im legendären Goethebunker könnt ihr der alten deutschen Tradition des in den „Nikolaus-Tag-Hinein Tanzens“ nachkommen. Ihr wisst schon, weil der St. Nikolaus doch damals vorm Club seinen Mantel geteilt hat, um die Raucher warmzuhalten, damit sie nicht nach Hause gehen, sondern nach der Kippe weitertanzen können. Oder irgendwie so ähnlich war es ja gewesen, nagelt mich nicht fest. Tickets und Infos zum Tanz in den Nikolaus a.k.a. den Kontaktfeld Sessions gibt es hier.

Games Zone im FZW in Dortmund am 7.12.

Wer kennt noch Lan-Partys? Dieses wunderbare Gefühl mit fünf bis zehn anderen stinkenden Teenagern auf etwa zwanzig Quadratmetern zusammen zu hocken, nur über Headset zu kommunizieren, und alle 30 Minuten einen Energy-Drink zu öffnen, der diesen besonderen Duft im Raum noch einmal auf seine ganz eigene Art und Weise bereichert. Ach ja, Lan-Partys, die sollte man echt wieder größer machen. Den ersten Schritt dahin macht das FZW, indem es zur Games Zone einlädt. Die verspricht Virtual Reality, Live-Streaming, Games aller Art und digitale Kultur. Das Einzige, was waschechte Gamer abschrecken dürfte, ist die Uhrzeit: Warum denn von 12 bis 18 Uhr zocken, wenn man es auch von 23 bis 5 Uhr aufgeputscht von einer ungesunden Menge Koffein aus kleinen bunten Dosen machen könnte? Da fehlt dem FZW noch etwas das Feingefühl für eine echte Lan-Party. Alle Infos zur Games Zone findet ihr hier.

Ob Hoch- oder Subkultur: STROBO-Kolumnist Jonas weiß, was im Pott geht. Foto: Lennart Neuhaus.

ProJazz Festival im domicil in Dortmund am 12.12.

Die beste Livemusik-Spielstätte Deutschlands liegt im Ruhrgebiet, mitten in der Dortmunder Innenstadt. Das domicil wurde ganz frisch bei den APPLAUS-Awards mit dem Hauptpreis für das „Beste Livemusikprogramm“ ausgezeichnet. Also allein, um sagen zu können, ihr seid mal da gewesen, lohnt es sich schon zum ProJazz Festival zu gehen. Da bekommt ihr in Form von fünf Bands die gesamte Vielfalt der lokalen Jazz-Szene zu sehen und zu hören, wobei letzteres das Entscheidende sein dürfte, es sei denn ihr seid extrem ContraJazz (es ist meine journalistische Pflicht immer Pro und Contra zu erwähnen). Alles Wichtige zum ProJazz Festival findet ihr hier.

Bochum Soundz in der Trompete in Bochum am 12.12.

Die Konzertreihe Bochum Soundz (das Z steht für irgendwas zwischen Coolness und Jugendlichkeit, denke ich) bringt am 12.12. drei lokale Live-Acts auf die Bühne und funktioniert nach dem Konzept „Pay What You Can“, also dem bösen Zwillingsbruder von „All you can eat“. Ich bin mir sehr sicher, dass das Wort „Can“ bei diesen beiden Mottos recht gegensätzlich ausgelegt wird. Wenn ihr ein bisschen was zahlen könntet, wäre es trotzdem schön, schließlich soll das Event die lokale Musikszene unterstützen. Alles Weitere erfahrt ihr hier.

Walking on Rivers im Junkyard in Dortmund am 13.12.

Laufen auf Flüssen, das bedeutet der Bandname im Deutschen, was zur Weihnachtszeit natürlich schnell an Jesus denken lässt. Dem sagt man ja schließlich nach, über Wasser gelaufen zu sein. Und auch er war ja bekannt für epische Live-Auftritte, auch wenn seine Hardcore-Fanbase zu Lebzeiten ja nur aus zwölf Leuten bestand. Krass, dass er das hauptberuflich machen konnte, aber klar, in Zeiten vor Spotify und TikTok haben die Menschen ja noch echte Tonträger gekauft. Nun ja, weg von der Bibel, hin zu weiterer Science Fiction, beziehungsweise zu „Bright Screen, Red Eyes, Science Fiction“. So heißt nämlich die aktuelle EP von „Walking on Rivers“, die sie am 13.12. auf Dortmunds schönsten Schrottplatz performen werden. Tickets dafür gibt es hier.

Trotz „Last Christmas“: Jonas Glühweintasse ist diesen Dezember halbvoll. Foto: Lennart Neuhaus.

Design Gipfel und „Kunst und Punsch“ im Depot in Dortmund vom 13.12. bis zum 14.12.

Hier erfolgt nun die obligatorische Erinnerung daran, dass ihr so langsam mal wirklich Weihnachtsgeschenke besorgen solltet, auch wenn sich eure Liebsten natürlich am meisten über einen am Heiligmorgen auf Papier gekritzelten Gutschein für gemeinsame Zeit mit euch freuen. Falls es jedoch in diesem Jahr ausnahmsweise mal etwas Materielles sein soll, dann findet ihr vielleicht etwas auf dem Design Gipfel im Depot, der Hand in Hand mit dem Event „Kunst und Punsch“ geht. Das heißt nach meinem Verständnis einfach nur, dass ihr während ihr durch die handgemachten Kunst- und Design-Unikate stöbert, auch herzlich dazu eingeladen seid, zu saufen. Passt nur auf, dass ihr keine neuen Kunstwerke à la „roter Glühweinfleck auf weißem Shirt (One-Take)“ kreiert. Alle Infos findet ihr hier.

DOTA im Druckluft in Oberhausen am 18.12.

Dota Kehr hat schon von performativen Männern auf Rennrädern gesungen, bevor das überhaupt im Trend war. Sie ist schon so lange Indie-Songwriterin, dass man im aller positivsten Sinne noch von einer Liedermacherin sprechen könnte – ganz klassisch mit viel Akustikgitarre, aber dafür mit Texten, die über die obligatorischen Rotweinflecken in Altbauwohnungen hinausgehen. Und sie hat auch schon lange vor möchtegern-tiefgründigen Indie-Boybands das Kunststück vollbracht, eine Band nach ihrem eigenen Vornamen zu benennen. Dota Kehr und ihre Band DOTA könnt ihr in Oberhausen live sehen, wenn ihr euch hier ein Ticket besorgt.

Badchieff im FZW in Dortmund am 20.12.

Eigentlich sollte Badchieff schon viel früher nach Dortmund kommen, doch die Tour musste auf den Winter verschoben werden, da das Album nicht rechtzeitig fertig wurde. Jeder, der schonmal eine Klausur geschoben hat, dürfte das verstehen. Jetzt ist das Album „Heute oder Gestern“ (das ja eben nicht heute oder gestern fertig war, sondern eher morgen) aber da und die zugehörige Tour auch. Tickets und Infos gibt es hier.

STROBO-Kolumnist Jonas denkt schon an fantastische Veranstaltungen im Januar. Foto: Lennart Neuhaus.

Urbanatix im RuhrCongress Bochum vom 25.12. bis zum 31.12.

Wenn ihr gerne Leuten dabei zuschaut, wie sie Dinge tun, bei denen ihr euch selbst alle Knochen brechen würdet, dann seid ihr bei Urbanatix genau richtig. Das ist so ein bisschen wie Zirkus ohne Clowns und Tierquälerei, dafür aber in modern und cool, das Zauberwort urban verrät es schon. Ihr seht auf jeden Fall Menschen mit unfassbaren artistischen Talenten, die euren gerade gefassten Neujahrsvorsatz, auch mal wieder mehr Sport zu machen, fast schon peinlich erscheinen lassen. Aber hey, schaut nicht neidisch zu, sondern fühlt euch inspiriert. Nur nicht dazu, es nachzumachen, ich übernehme keine Krankenhausrechnungen. Tickets für Urbanatix bekommt ihr hier.

Studio 44: Dammnation & friends im domicil in Dortmund

Hierzu muss ich erstmal Hut ab für die Erklärung des Titels sagen. Die lautet wie folgt: „Das domicil wird zum Studio 54. Nur halt in Dortmund. Sozusagen Studio 44 – haha“. Ein absolut konstruierter und reichlich gezwungen klingender Wortwitz in Anspielung auf den legendären Manhattaner Nachtclub Studio 54 kombiniert mit der Dortmunder Postleitzahl – könnte von mir sein, toll! Aber nicht nur dafür ist das Event eine Empfehlung wert, sondern auch weil die Dortmunder Band Dammnation, die selbst schon fantastisch ist, noch einige hochkarätige Gäste eingeladen hat. Und natürlich, weil das domicil im Gegenteil zum echten Studio 54 ja kürzlich den APPLAUS-Award gewonnen hat. Wenn diese Info euch jetzt überrumpelt, dann seht es als kleinen Test, ob ihr auch wirklich den ganzen Text gelesen habt (falls nicht, schämt euch). Infos zum Studio 44 findet ihr hier.

Silvesterparty im Schauspielhaus Bochum am (Na, wann wohl?)

Tja, Jahr ist rum, wieder nix geschafft, aber Hauptsache feiern, so lautet bekanntlich das Motto von Silvester. Und lasst mich raten, ihr habt es auch wieder nicht rechtzeitig geschafft, die nette Almhütte („die auch gar nicht so teuer ist, wenn wir zu zehnt fahren!“) zu buchen, in der ihr mit euren Freunden den Jahreswechsel feiern wolltet, genauso wie ihr es in den letzten fünf Jahren auch schon geplant und nicht getan habt. Also bleibt entweder das spaßige Feuerwerkskörpern-Ausweichen-Spiel auf den Straßen oder eine Silvesterparty, wie sie in jeder Veranstaltungsstätte des Ruhrgebiets an diesem Tag stattfindet. Eine besondere möchte ich euch dennoch empfehlen: Im Bochumer Schauspielhaus könnt ihr mit DJ und in Theaterambiente ins neue Jahr starten und freudig den Vorsatz mehr ins Theater zu gehen schon am ersten Tag von der Liste streichen (auch wenn das natürlich etwas geschummelt ist). Alle Infos dazu gibt’s hier.

Egal wo oder ob ihr feiert, ich hoffe, ihr rutscht so gut ins neue Jahr, als wärt ihr auf der Gewinner-Rutsche des legendären und systemrelevanten Galileo-Rutschentests. Und bis dahin, habt einen schönen Dezember.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: „Cinema for the Community“ – die queere Filmnacht „slow*screens“

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