Die Juni-Hitze, die es natürlich schon immer so gegeben hat, na klar Dietmar, und über die wir uns früher in den 60ern vor der Greta-Thunberg-Gehirnwäsche noch gefreut haben, ist erstmal überstanden und der Juli beginnt. An dieser Stelle erstmal Hydration Break. Gluck gluck. Ich spar mir die Werbung. Zahlt ja doch keiner. Weiter geht’s, es läuft das große Turnier der Männlichkeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Welches Team seid ihr, wen findet ihr geiler, Ronaldo oder Messi, Infantino oder Trump? Wer erinnert sich noch dunkel an die Boykott Diskussionen, irgendwas war da doch, oder? Ach, es ging wohl irgendwie im Hupen der Autokorsos unter. Das dient hier übrigens alles nur der Unterhaltung, ich boykottiere ja auch nicht. Außer an den Tagen, an denen ich stattdessen ein tolles Kulturevent besuchen kann. Davon gibt’s auch im Juli zum Glück einige und wer wäre ich, sie euch vorzuenthalten?
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Jonas (Hildebrandt) kommt ursprünglich aus Essen, wirkt mittlerweile in Dortmund. Lebt nach den Kategorien lustig / nicht lustig und würde letzteres gerne aus der Welt verbannen. War mal länger in Toulouse, vor allem für das kosmopolitische Lebensgefühl. Und ist für die monatlichen Eventtipps von STROBO verantwortlich.
Bochum Total vom 2.7. bis zum 5.7.
Ein Jahr lang musste gewartet werden: Nun bringt die Punkband ZSK endlich wieder die Fußgängerampel zurück, die sie im vergangenen Jahr versehentlich abgerissen hatte. Ein großer Tag für den Bochumer Straßenverkehr. Und nebenbei feiert das Umsonst und draußen (diese Formulierung klingt so unsexy, warum nicht freier Eintritt und Himmel oder so) Festival Bochum Total 40-jähriges Jubiläum. Mit dabei sind kultige Nachwuchsbands wie Jupiter Jones, der selbsternannte Rudi Völler des Deutschraps (obwohl ich immer dachte, es gebe nur einen) Yung Saint Paul und lokale Legenden von Altersklasse Yola bis Altersklasse Mischalala. Alle Infos zum Bochum Total findet ihr hier.

Shifting Grounds – IN COMMON Sommerfestival auf der Halde der Zeche Zollverein in Essen vom 3.7. bis zum 5.7.
Ein Name, der jetzt nicht wirklich durch seine Griffigkeit oder den Selbsterklärungswert glänzt, ziert das künstlerische Sommerfestival von PACT Zollverein auf der Halde eben jener ikonischen Zeche. Zum Glück gibt es diesen vor Information triefenden Paragraphen, der die ganze Geschichte einordnet. Drei Tage lang gibt es auf der Halde ein breit gefächertes Programm mit Installationen, Performances, Klangkunst und Workshops. Bei all dem soll dazu eingeladen werden, sich Fragen nach Gemeinschaft, Verantwortung und Zukunft zu stellen. Das gesamte Programm findet ihr hier.
Eröffnungsfeier des Social Pop-Up Clubs am Essener Hbf am 10.7.
Der Essener Hauptbahnhof ist eher ein Ort, den man schnell verlassen will, als dass er zum Verweilen einlädt. Und die Wörter Kunst und Kultur im Zusammenhang mit ihm zu verwenden, bereitet mir nahezu körperliche Schmerzen. Und trotzdem muss es hier getan werden. Denn das Next Economy Lab wagt den mutigen Schritt, Kunst und Kultur an genau diesen trostlosen Bahnhof zu bringen. Der Social Pop Up Club soll in den kommenden neun Monaten (nun gut, in der Zeit kann man auch einen Menschen erschaffen, warum dann nicht auch Kunst am Essener Hbf?) zu einem Ort der Begegnung werden, der mit einem vielfältigen Kulturprogramm lockt. Das Projekt wird bei der Eröffnung vorgestellt, alle weiteren Infos findet ihr hier.
Nordstadt together 2026 – Das Hafenfest im Dortmunder Hafenquartier am 11.7.
Die Hafenstadt Dortmund zelebriert ihren wichtigsten Schifffahrts-Knotenpunkt, zu dessen berühmtesten Anlegern das Rundfahrtschiff Santa Monika (die Dortmunder AIDA) zählt. Auch beim Fest kann man sich von ihr durch die Gegend schippern lassen, daneben gibt’s einen Markt der Möglichkeiten, Mitmachaktionen, ein buntes Kulturprogramm und Live-Musik unter anderem von Walking on Rivers und NIDOO. Alle Infos findet ihr hier.
Summer Open Air an der Zeche Zollverein in Essen am 11.7.
Na, habt ihr auch ein kleines Deja Vu? PACT Zollverein kommt im Juli aus der Feierei gar nicht mehr raus. Eine Woche nach dem Sommerfestival mit dem sperrigen Namen kommt das Summer Open Air mit dem generischen Namen. Letzteres ist eher ein Musikfestival. Es gibt Live-Konzerte von Bands wie Karmakind und Erregung Öffentlicher Erregung, danach Karaoke und DJ-Sets. Alle Infos findet ihr hier.
Youth:topia – Das Festival der Jugendzentren vor dem TREFF° in Witten am 17.7.
Das Jugendfestival ist zweigeteilt in Day Vibes und Night Vibes, die jugendsprachliche Übersetzung von tagsüber und abends. Im ersten Teil gibt es kreative Mitmach-Stände und ein Billard-Turnier, im zweiten wird dann die „Bühne zum Beben“ gebracht (und plötzlich klingt es gar nicht mehr so sehr nach Jugendsprache). Live-Musik kommt von den lokalen Newcomern Aphorya, Saif, Marliy und Basement Education. Alle Infos gibt’s hier.

Pott sei Dank Festival am Ringlokschuppen in Mülheim am 18.7.
Den von mir vergebenen und ebenfalls von mir in dieser Sekunde erfundenen Award für den besten Festivalnamen hat das Pott sei Dank Festival schonmal sicher. Leider ist er nicht dotiert. Glücklicherweise konnte sich das Festival aber durch eine gelungene Crowdfunding Kampagne finanzieren, weshalb dem Pott und vor allem dessen Einwohner*innen wahrhaftig Dank gebührt. Pottz Blitz! Viel mehr lässt sich zu dem Festival nicht sagen, da das Line Up noch nicht veröffentlicht ist und ihr wisst ja: Pottes Wege sind unergründlich. Alle Infos, also quasi Pottes Wort, findet ihr hier.
Buntspecht im Junkyard in Dortmund am 23.7.
Aufgepasst! Nicht, dass der freche Flattermann mit seinem Spitzhacken-Schnabel ein fettes Loch ins Bühnenbild donnert. Ansonsten steht einem fantastischen Auftritt der gleichnamigen österreichischen Band nicht viel im Wege. Der Promo-Text verspricht übrigens, dass sich jedes Konzert wie ein gemeinsamer Moment anfühlt, was ich für recht niedrigschwellig halte, da es ja de facto immer genau das ist. Was euch sonst so erwartet und wie ihr an Tickets kommt, erfahrt ihr hier.
Jubiläumsparty: 30 Jahre HMKV auf der Sommer am U Bühne in Dortmund am 24.7.
Das ist er, der letzte Geburtstag, der noch einmal als Ausrede durchgeht, sich so enthemmt zu benehmen wie als Jugendlicher (nur mit mehr Geld), bevor man schließlich um 5 Uhr morgens in Tränen ausbricht, weil man der Realität des eigenen Alterns und der damit verbundenen Vergänglichkeit nicht ins Auge sehen kann. Das ist jetzt so meine Vorstellung zumindest, ich bin noch nicht 30. Es kann natürlich auch etwas sehr Positives sein (Kopf hoch, ihr älteren Leser*innen!). So ist es zum Beispiel beim Hartware Medien Kunst Verein, der sein 30-jähriges Bestehen mit einem Konzert von Grenzkontrolle und der Band Die Jugend von Gestern (und das passt ja mal fantastisch zum 30 werden) beim Sommer am U feiert. Alle Infos gibt’s hier.
Juicy Beats im Dortmunder Westfalenpark am 25.7.
Totgeglaubte leben länger und in der Stadt des Phönixsees liegt das sich-aus-der-Asche-Erheben sowieso nochmal näher. Kurz gesagt: Nachdem es mit viel Tam Tam schon fast beerdigt wurde, ist das Juicy Beats, wie der Protagonist in einem schlechten Polizeithriller doch noch wiederauferstanden. Aber es ist zum Eintagesfestival geschrumpft. Das Line-Up kann sich dennoch sehen lassen: Stars wie Ikkimel, Filow und Alexander Marcus sind am Start. Alle weiteren Acts und Tickets findet ihr hier.
Oberhausener Musiksommernacht am 31.7. und 1.8.
Ich zeige mich kulant, obwohl ich zur Kenntnis nehme, dass Events wie dieses mutwillig so terminiert werden, um uns kleine bodenständige monatsbasierte Eventauflistungs-Ersteller*innen zu terrorisieren. Am letzten Juli- und ersten August-Abend ist es Zeit für das größte Event in der Oberhausener Innenstadt. Ich dachte immer, das wäre der Ausflug der Klassen 3a und 3b der Nikolaus-Groß-Grundschule aus Bottrop-Batenbrock ins Sealife (ja, die Schule gibt es, der Rest ist jedoch frei erfunden). Tatsächlich handelt es sich aber um die Musik-Sommer-Nacht, bei der es Live-Musik an 6 Standorten in der Oberhausener Innenstadt gibt. Alle Infos findet ihr hier.
Nun ist die Juli-Kolumne fast vorbei und ich habe es verpasst, einen Witz über die Band Juli zu machen, wie ärgerlich. Nicht mein perfektester Tag. Ich hoffe, ihr habt trotzdem eine geile Zeit. Habt einen schönen Juli.
Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Zwischen Talent und Leidenschaft: das junge orchester NRW im Porträt

