Der Herbst ist da. Also die Jahreszeit, die so oft romantisch verklärt wird als eine, in der die Herbstsonne einem ins Gesicht scheint, man zwar mit Schal und Übergangsjacke (dem deutschesten aller Kleidungsstücke), aber dennoch draußen, ein Stück Kuchen verdrückt und in seinem Ingwertee rührt, während langsam erste bunte Blätter auf den Boden fallen. Dieser Zustand existiert meiner Erfahrung nach etwa einen Tag im Jahr. Ansonsten bedeutet Herbst vor allem Regen, eiskalten Wind, kurzum: brutalsten Überlebenskampf. Ich hasse es (obwohl dies eine Kolumne ist, würde ich das gerne noch einmal gesondert als Meinung kennzeichnen, da dies eins der am heißesten diskutierten Themen unserer Zeit ist).
Und dennoch: Auch wenn die Blätter fallen, die Tage kürzer werden und meine Laune sich mit dem Himmel verdunkelt, gibt es immer noch Dinge, die Herzen, Gesichter und ganz vielleicht auch die Herbstsonne wieder zum Strahlen bringen können: Die schönsten Events im Oktober.
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Jonas (Hildebrandt) kommt ursprünglich aus Essen, wirkt mittlerweile in Dortmund. Lebt nach den Kategorien lustig / nicht lustig und würde letzteres gerne aus der Welt verbannen. War mal länger in Toulouse, vor allem für das kosmopolitische Lebensgefühl. Und ist für die monatlichen Eventtipps von STROBO verantwortlich.
Beyond Gravity Festival im Theater im Depot in Dortmund vom 1.10. bis zum 5.10.
Das Theater im Depot (nicht dem Einrichtungsladen) eröffnet die Saison mit dem Beyond Gravity Festival. Das ist nicht verwandt oder verschwägert mit Beyond Meat, sondern ein Festival für Digitale Künste, Tanz und Performance, welches dieses Jahr unter dem Motto Dekolonisierung des Digitalen steht. Das Programm wurde gemeinsam von Künstler:innen aus dem globalen Süden und aus der Region entwickelt. Alle Infos und Tickets bekommt ihr hier.
rockin‘ 16 years – die große FZW Geburtstagsparty in Dortmund am 2.10.
Partys zum 16. Geburtstag sind oft besondere, man ist schließlich in einem Alter, in dem man noch viel zu lernen hat. Und sie sind der perfekte Ort, um zu lernen. Zum Beispiel kann man lernen, dass den Freund*innen von Freund*innen von Freund*innen, die man natürlich noch eingeladen hat, gar nicht so viel am Erhalt von Vatters teurem Parkett liegt, dass eine Wohnung sich doch nicht in einer halben Stunde wieder vollständig aufräumen lässt oder dass ein Tattoo durchaus am nächsten Tag auf der Haut bleibt, selbst wenn man sich nicht mehr dran erinnert, wer es wie und wann gestochen hat. Nun kommt das FZW in dieses herrlich besondere Alter, indem man endlich mit Muttizettel in den Club gehen darf. Zum Glück ist das FZW selbst ein Club und muss deshalb für die große Sause nicht in den alten Partykeller des Großonkels ausweichen, sondern bietet drei Floors und Bier und Shots für je 1,60€. Sehr erwachsen für den 16. Geburtstag, naja. Alle Infos und Tickets gibt’s hier.
Essen Light Festival in der Essener Innenstadt vom 2.10. bis zum 12.10.
Zehn Abende lang leuchtet die Essener Innenstadt und zwar über die üblichen, wenig künstlerisch anmutenden Leuchtreklamen der Modehausketten und Schnellrestaurants hinweg. Insgesamt 17 Lichtkunstwerke reichen, um sich als zweitgrößtes Lichtkunstfestival Deutschlands brüsten zu können. Am 2. Oktober gehen alle Lampen an, nicht nur an den Installationen, sondern sicherlich auch bei Teilen des Publikums der großen Eröffnungsfeier mit DJ Moguai auf dem Kennedyplatz. Alle Infos zum Festival findet ihr hier.
Teuterekordz im Junkyard in Dortmund am 7.10.
Das ist ein sehr persönlicher Tipp. Vor ein paar Jahren war ich in Dortmund, damals im FZW, auf einem Konzert der Rap-Crew Teuterekordz. Ich kannte damals keinen einzigen Song, war nie ein großer Hip-Hop-Fan und habe dieses Konzert dennoch als eines der tollsten in meinem Leben in Erinnerung. Und ich weigere mich zu glauben, dass dies nur am zugegebenermaßen durchaus als exzessiv einzustufenden Alkoholkonsums an jenem Abend lag (von dem ich, obwohl es zu Vibe und Energie des Konzerts und der Musik sehr gut passt, zwecks meiner journalistischen Verantwortung natürlich klar abraten möchte). Doch auch ganz nüchtern bleibe ich dabei: Ein Teuterekordz Konzert lohnt sich. Tickets dafür gibt’s hier.
lit.ruhr im gesamten Ruhrgebiet vom 7.10. bis zum 12.10.
Zum internationalen Literaturfest lit.ruhr kommt die gesamte A- bis C-Prominenz ins Ruhrgebiet, um vorzulesen, vorzuführen oder vorzutragen. Wer Literaturfan ist, sollte auf jeden Fall bei dem ein oder anderen Event vorbeischauen. Aber auch für andere Zielgruppen ist was dabei. Fußballfans können endlich ihren Partner*innen eine gewissen Intellektualität vortäuschen und sie zu Christoph Kramers Lesung seines Debüt-Romans schleppen, nur um klammheimlich auf ein Autogramm des Weltmeisters zu hoffen (Widmung nennt man das wohl in diesem Kontext). Und auch Männer, die grundlos erfolgreiche junge Frauen hassen, kommen auf ihre Kosten: Sie können sich darüber aufregen, dass Caroline Wahl und ihrem Roman „Die Assistentin“, indem sich die Autorin anmaßt, eine fiktive Geschichte zu erzählen, die sie nicht selbst erlebt hat, eine Bühne geboten wird. Aber bitte still und leise für sich zuhause. Vielleicht mal mit der Faust gegen die Wand hauen oder so. Alle Events und Tickets im Rahmen der lit.ruhr findet ihr hier.
Kurzstummfilmfestival in der Zeche Carl in Essen am 10.10. und 11.10.
Das Thema des Kurzstummfilmfestivals lautet in diesem Jahr: „kurz“. Zum Glück wird das noch einmal extra erwähnt. Ich würde fürs nächste Mal die thematischen Schwerpunkte „stumm“, „Film“ oder „Festival“ vorschlagen, nur so als Idee. Vielleicht gab es die Themen aber auch schonmal, denn das Festival findet bereits zum zehnten Mal statt. Zum Jubiläum werden am Freitag die besten Kurzstummfilme der vergangenen Jahre gezeigt, am Samstag gibt es dann 20 neue Filme. Der Eintritt ist frei, alle Infos gibt es hier.
Indie-Night im FZW in Dortmund am 14.10.
Die FZW-Indie-Night ist eine sichere Bank für alle, die für einen schmalen Taler Live-Musik von Newcomer-Bands erleben wollen – und ehrlich gesagt auch für alle, die Kolumnen schreiben, in denen Kulturevents empfohlen werden. Diesmal gibt es Rock aus Frankreich von Mossai Mossai und Punk aus der Slowakei von Christina Mantis für nur 12 Euro. Die Tickets gibt’s hier.
Luisa Neubauer „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ in der Weststadthalle in Essen am 15.10.
Nicht zu verwechseln mit dem frischgebackenen Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer (Glückwunsch an der Stelle!), kämpft Luisa Neubauer ihre ganz eigenen Kämpfe – vorrangig den gegen die Klimakrise, den gegen ignorante Politiker*innen und den gegen die Hoffnungslosigkeit. Darüber hat sie den Essay „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ geschrieben, den sie auf ihrer Tour gemeinsam mit weiteren Daten, Zahlen und Perspektiven zur Klimakrise präsentiert. Alle Infos und Tickets für 29,80 Euro gibt es hier.
Zehn Jahre Missin‘ Link in Dortmund am 18.10.
Die Bilder und zugehörigen Bildunterschriften in dieser Kolumne suggerieren ja immer, ich würde mich durch die Kneipen des Ruhrgebiets schlagen und fieberhaft in Gesprächen und Flyern nach Events suchen. Leider muss ich diese Illusion zerstören, auch ich bediene mich manchmal der Innovation namens Internet. In diesem Fall ist aber ausnahmsweise tatsächlich einmal Schein auch Sein. Denn ich saß neulich im Missin Link‘ und wurde beim Bezahlen darauf aufmerksam gemacht, dass die Kneipe am 18.10. ihren zehnten Geburtstag feiert – mit Livemusik und DJ. Die Einladung der Wirtin möchte ich hiermit an euch weiterleiten. Alle Infos findet ihr komprimiert nochmal hier.


Smash on Tour: Stand Up Comedy von Females, Flinta* und Queers im Stapeltor in Duisburg am 30.10.
Ist es nicht etwas anmaßend, als Strobo-Spinner und Möchtegern-Journalist zu versuchen, Witze zu reißen, wenn man über ein Stand Up Comedy Event berichtet? Drum hier nur ganz kurz die hard facts: Im Stapeltor gibt’s am 30.10. Comedy ausschließlich von FLINTA* und Queers. Wenn ihr lachen wollt, legt den Text weg und geht ausnahmsweise statt in den Keller dort hin. Der Eintritt ist frei.
Halloween Rave im Junkyard in Dortmund am 31.10.
Der große alljährliche weirde Mix aus Volksfest und aus den USA importiertem Konsumevent, der darin mündet, dass sich alle je nach Auffassung gruselig oder auch einfach nur so verkleiden und ihre Kürbisse verunstalten, ist wieder da, Halloween, juhu. Für mich persönlich gibt es wenig, was gruseliger ist als Techno-Mukke. Und dennoch war ich schon auf einem Rave im Junkyard bei dem ich großen Spaß hatte. Aus diesen beiden Prämissen hergeleitet, empfehle ich euch den Halloween Rave im Junkyard. Infos und Tickets findet ihr hier.
Und dann wird sich rausgegruselt aus dem Oktober, nur um festzustellen, dass das gruseligste noch vor einem liegt: der Winter kommt. Für die 99,9% unter euch, die es sich leider so grade eben nicht leisten können, in südlichen Gefilden zu überwintern, werde ich natürlich auch in dieser oft tristen Zeit weiterhin ein paar eventtechnische Lichtblicke aufbereiten. Bis dahin, habt einen schönen Oktober.
Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Ästhetik trifft auf Grotesk – Musikvideo Regisseurin Stella Neuner im Porträt

