Kino anders gedacht – Diese 5 Highlights dürft ihr beim Dortmunder Tresen Filmfestival nicht verpassen

Wir alle erinnern uns an unseren letzten Kinobesuch – Tickets für 15 Euro, Cola für fünf Euro und eine erstaunlich kleine “Große Tüte Popcorn” für einen Zehner. Wer Glück hat, kann sich Letzteres immerhin kostenlos aus den Ritzen des Kinosessels pulen. Die benötigte Akrobatik hilft vielleicht auch gegen vorprogrammierte Verspannungen auf den nicht gerade ergonomischen Sitzen. Wie so viele Sachen ist Kino auch nicht mehr das, was es mal war – es gilt Kapitalismus statt Kultur.

Doch keine Sorge: Zumindest für fünf Tage könnt ihr ein ganz anderes Kino-Gefühl erleben: Beim 14. Dortmunder Tresen Filmfestival wird aus Kino wieder Kultur. Anstatt großen Hollywood-Produktionen werden hier kostenlos nischige Kurzfilme gezeigt. Das Besondere: Zum Schauen geht es nicht ins UCI oder Cineplexx, sondern an Orte, die bis auf den Anfangsbuchstaben wenig mit Kinos gemein haben – kultige Kneipen Dortmunds. Also freut euch auf fünf Abende mit künstlerischen Filmen in kultigen Bars für kostenlosen Eintritt. Hier fünf Empfehlungen aus der STROBO-Redaktion.

Lesedauer: 4 Minuten

Tipp 1: If You Don’t Like It, Look Away

Der Sommer begann und Dortmund war der schönste Ort der Welt. Bei 30 Grad in den Kanal springen, sich auf der Wiese sonnen oder einfach in seinem Wohlfühl-Outfit das Wetter genießen. So geht es auch Joelle und ihren Freundinnen im Film “If You Don’t Like It, Look Away.” Anstelle des Dortmunder Kanals treffen sich die drei Frauen am Strand von Marseille, um zu schnacken, zu schwimmen und zu chillen. Die drei Freundinnen sind bereits in Rente – und können sich so jeden Tag am Strand treffen. Geschnackt wird dabei über alles andere als klassische Rentnerinnen-Themen: Liebe, Sex und alternde Körper stehen auf der Agenda.

Die drei Damen haben dabei in ihrem Leben schon genug erlebt, um sich von Unsicherheiten treiben zu lassen. Deswegen schauen sie mit einer erleichternden Gelassenheit auf all diese Themen, die insbesondere Frauen immer wieder beschäftigen. Ideal auch als kleiner Boost fürs Selbstbewusstsein. Wer sich gerade in seinem Körper nicht so wohl fühlt, schöpft hier vielleicht etwas Kraft. Und dafür bleibt einiges an Zeit. Mit 29 Minuten gehört der Dokumentarfilm zu den längsten des Festivals. Sehen könnt ihr “If You Don’t Like It, Look Away” am Montag auf dem Partyboot Herr Walter am Hafen. Der Film ist allerdings ganz auf Französisch, also reaktiviert ihr entweder alte Kenntnisse aus der Schulzeit oder lest ganz entspannt in den Untertiteln mit!

Das Dortmunder Tresen Filmfestival macht aus dem Missin' Link ein Kino. Die Leinwand hängt über der Tür. Die Besucher*innen sitzen wie gewohnt an der Bar und den Tischen mit Couches.
Das Missin‘ Link war letztes Jahr auch schon Kino für fünf Tage. Foto: Dortmunder Tresen Filmfestival.

Tipp 2: Poong

Poong ist das absolute Alternativprogramm zu dem 29-minütigen Dokumentarfilm. Nur zwei Minuten dauert diese Filmproduktion, die Geschichte ist animiert und statt tiefsinniger Gespräche macht es – Poong. Die Komödie begleitet die Abenteuer eines auf Abwegen gekommenen Tischtennisball. Viel mehr bleibt auch nicht zu sagen. Poong ist ein lustig-absurder Auffrischer zwischen ernsteren Filmen. Hier könnt ihr eure Duolingo-App ruhig geschlossen lassen, der Film kommt ohne Sprache aus. Für Poong müsst ihr am Dienstagabend ins Subrosa, zur Alten Gasse oder ins Luups.

Tipp 3: Shut up and Suffer

Der knapp zwanzigminütige Spielfilm “Shut up and Suffer” ist unerwartet tiefgründig für einen Alien-Film. Die deutsche Produktion handelt von zwei Außerirdischen, Ryk und Nono, die einen Schwangerschaftsabbruch in Deutschland durchführen wollen. Die beiden Aliens rechnen mit einer einfachen Behandlung, werden aber stattdessen mit büronkratische Hürden und Verhaltensregeln erschlagen. Ob sie die Abtreibung tatsächlich durchführen können, verraten wir hier nicht. Am Ende bleibt nochmal deutlich hängen, was vielen auch schon vorher unterschwellig bewusst war: Die Bürokratie hinter Abtreibungen in Deutschland ist nicht nur für Außerirdische irsinnig und unverständlich. Der Spielfilm läuft am Donnerstagabend im Balke, The Londoner oder im Miner’s.

Tipp 4: Spiegelberg – ein deutsches Dorf

Das baden-württembergische Dorf Spiegelberg wird seine Seele verlieren – der Dorfladen schließt. Anhand dieses, fürs Dorfleben sehr einschneidenden, Ereignisses beschäftigt sich der Dokumentarfilm mit Spiegelberg. Fünf Personen aus dem Ort erzählen von ihrem Zuhause und sprechen dabei gleichzeitig über so viel mehr. Bei der Landtagswahl im März wurde die AfD hier mit 37% stärkste Kraft. Der Film befasst sich mit einem “Wandel, der die Gesellschaft spaltet.” Spiegelberg steht hierbei symbolisch für viele Dörfer in Deutschland. Die Produzenten erzählen eine Geschichte “zwischen Nostalgie und Niedergang.” Wer sich bereits im Vorhinein einen Eindruck verschaffen möchte, kann sich einen tagesschau-Beitrag von vor acht Jahren anschauen. Wer wissen möchte, was sich seitdem verändert hat, muss am Freitag im Domicil vorbeischauen – zumindest für den 30-minütigen Film, der als vorletztes gezeigt wird.

Tipp 5: Die Locations

Auch wenn ihr keinen Letterboxd-Account besitzt und nicht auf jeder Party in einen zehnminütigen Monolog über die Grandiosität von Inception verfallt, ist das Dortmunder Tresen Filmfestival etwas für euch. Nehmt die Filme einfach als Add-On und erfreut euch an der Kneipen-Kultur. Ein besonderes Highlight ist das Partyboot “Herr Walter” am Hafen. Direkt am Montag könnt ihr euch den Start der Woche mit dem Start des Filmfestivals versüßen. Aber natürlich bietet die Woche auch einen Anlass, mal in Kneipen vorbeizuschauen, in denen man sonst nicht so häufig ist. Die gesamte Liste aller zehn Locations findet ihr auf der Seite des Dortmunder Tresen Filmfestivals.

Kultur gibt es beim Dortmunder Tresen Filmfestival also für alle – manche finden sie in den künstlerischen Kurzfilmen, andere in den kernigen Kneipen. Wenn wir eure Lust geweckt haben, schaut doch in der nächsten Woche vorbei. Das Programm startet immer um 20:30, der Einlass variiert je nach Veranstaltungsort.

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