Einmal Pommes Schranke und Techno, bitte! – ein Erfahrungsbericht zum Pottfest

Es gibt diese Samstage im Ruhrgebiet, an denen sich Event neben Event tummelt und man gar nicht weiß, wofür man sich entscheiden soll. Der letzte Samstag im August war einer dieser Tage. Für STROBO-Autorin Anna Klinge ging es dieses Mal zur Zeche Carl, zum Pottfest.

Lesedauer: 4 Minuten

Am Eingang des ehemaligen Bergwerks liegt gegen 14 Uhr schon ein Hauch Festival-Feeling in der Luft. Vom noch bewölkten Himmel treffen vereinzelte Sonnenstrahlen auf die Industriekulisse. Schon aus der Ferne sind die ersten House-Beats zu hören und auf dem Gelände kommen stetig neue Menschen an. Kurz wird meine Tasche kontrolliert, bezahlen muss ich heute nicht. Das ist den Veranstaltern Robin und Leon besonders wichtig, sie wollen mit dem Pottfest „einen Raum der Begegnung schaffen“, zeigen, dass auch der Essener Norden etwas zu bieten habe. Der Erfolg dieser Idee, lässt sich über den Tag erkennen: Neben den klassischen Techno-Fans finden hier alte, wie auch ganz junge Menschen zusammen.

Gerade abends wird es auf dem Gelände der Zeche Carl richtig voll. Foto: Levi Camatta.

Das zweitägige Event wird von Robin und Leon, den Machern der Meme-Seite „Essen diese“ zusammen mit dem Essener Stadtmarketing umgesetzt. Der Samstag steht dabei im Zeichen der Kunst und Technomusik. Verschiedene Ruhrgebietskollektive und Clubs wie zum Beispiel der Tresor.West oder das Delirium sind dafür zusammengekommen.

Zwischen Maloche und Schrebergarten

Das Gelände um die Zeche Carl ist weitläufig. Zunächst treffe ich auf die Bühne „Pommes Schranke“ – neben ihr befinden sich Essens- und Trinkstände. Eine kleine Auswahl aus Bier und Currywurst, Kaffee und Döner, bei der über den Tag alle fündig werden. In einem abgetrennten Bereich gibt es einen kleinen Kunst- und Kulturmarkt. Dort stöbere ich zunächst durch Drucke, Sticker und Tattoo Flashes. Nebenbei schaue ich den Künstler:innen beim Malen zu. Die Besucher*innen können aber nicht nur fertige Kunst kaufen, sondern auch selber kreativ werden.

Überall auf dem Festivalgelände sind Teile des Kinderprojekts Future City zu sehen. Foto: Timo Förster.

Beim Graffiti-Workshop am Nachmittag darf sich jede*r mal im Sprayen ausprobieren. Vor einem in Plane gewickelten Zaun stehen Kinder und Jugendliche und warten darauf, dass sie eine Sprühdose bekommen. Auch ich versuche es mal, viel mehr als ein schöner Buchstabe kommt dabei aber nicht heraus. Meine Dose gebe ich dann doch lieber an die kleinen Jungs neben mir ab. Erstmal geht es weiter über das grüne Gelände, „Auf Maloche“. Vor der großen Bühne ist noch viel Platz zu tanzen.

Sonnenschein und Sicherheit

Selbst das Wetter spielt nochmal mit: Für die unerwarteten Sonnenstrahlen bekomme ich beim Awareness-Stand direkt Sonnencreme. Daneben liegen noch Hygieneartikel, Traubenzucker, Obst und Wasser aus. Das Team in den lilafarbenen Westen gibt aber auch darüber hinaus ein sicheres Gefühl.

Einmal bekomme ich mit, wie jemand wegen seiner T-Shirt-Aufschrift von der Tanzfläche geholt wird. Ein Festival ohne Hass und Hetze braucht eben Regeln, und diese setzen die Awareness-Personen hier ruhig, aber bestimmt durch. Viel Anlass für Eingriffe scheint es in meinen Augen jedoch nicht zu geben. Auch vor der dritten Bühne, dem „Schrebergarten“, geht es entspannt zu. Während es sich das Publikum mittags einfach auf dem Gras gemütlich macht, bewegen sich in den Abendstunden hunderte Menschen vor den Bühnen zu der Techno-Musik.

Beim Pottfest ist viel Platz zum Tanzen und auch immer wieder Platz zum Pause machen. Fotos: Levi Camatta.

Festival-Feeling statt schlechtem Ruf

Von den sieben bis achttausend Besucher:innen, die sich über den Tag hinweg an der Zeche Carl versammeln, komme ich mit Einzelnen ins Gespräch. So wie das im Ruhrgebiet eben ist: Wenn man zusammenkommt, dann schnackt man auch. Der Plan der Veranstalter scheint zu funktionieren – mit niedrigschwelligem Eintritt und diversen Kulturschaffenden eine gute Zeit für viele zu ermöglichen. Zeigen, „dass das Ruhrgebiet cool sein kann und dass man nicht in die anderen großen Städte fahren muss, wenn man was erleben will“.

Der schlechte Ruf des Essener Nordens scheint an diesem Tag ganz fern. Auf dem Gelände der Zeche Carl gibt es Spätsommer-Festival-Feeling vom Feinsten. Das Pottfest demonstriert, was Kulturschaffende mit der richtigen Finanzierung ermöglichen können. Ich finde, davon braucht es mehr im Ruhrgebiet – zugängliche Angebote, gerade dort, wo niemand damit rechnet. Solche Kulissen kann man schließlich nicht nachbauen, und die Atmosphäre noch viel weniger.

An der „Pommes Schranke“ gibt es nichts für den Magen – aber für die Ohren. Foto: Timo Förster.

Wer jetzt Lust hat, auch mal ein Event von „Essen diese“ zu besuchen, kann sich neben den regelmäßigen Partys schon auf den nächsten Sommer freuen. Im Juni findet wieder das „Projekt Rüttenscheid“ statt. Und im Spätsommer steht dann die eigentlich für dieses Jahr geplante „Pott Parade“ an – ein laufender Umzug mit Trucks durch Essen.

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