Es war kein Konzert, es war eine Show – DJ BOBO beim Zeltfestival Ruhr

Der aktuell trendigste Artist mag DJ BOBO zwar nicht sein, jedoch umgibt seine Musik einen speziellen Vibe, der allein durch 90er-Partys nie richtig aus dem Bewusstsein unseres Autors Max Ortmann verschwand. Und sowieso geht das Gerücht herum, die Shows von DJ BOBO wären krass. Ein Konzertbericht gibt Antworten.

DJ BOBO ist ein Künstler, den:die jede:r kennt. Vielleicht durch seine zahlreichen Auftritte bei der Ultimativen Chartshow (RTL), vielleicht eben durch die zahlreichen 90er-Partys, die jedes Wochenende in ganz Deutschland stattfinden. Aber kann jemand überhaupt einen DJ BOBO-Song mitsingen? fragte ich mich, weswegen ich mich vergangenen Samstag auf der Couch von STROBO-Redakteur John in Bochum wiederfand und mich dieser “Aha-Moment” begleitete. 

DJ BOBO – alias René Peter Baumann – ist ein Schweizer Exportschlager, der in der Schweiz und Europa von Anfang der 90er bis in die 2000er Jahre hinein beachtliche Erfolge erzielte. Eurodance war damals der bestimmende Sound, etwas wie der damalige Techno-Hype für das breite Publikum. Eurodance, das sind schnelle 4/4-Elektro-Beats, energetische Synthesizer-Melodien und Rap-Parts über Peace, Love und Dance. 

Eurodance ist wieder in?!

In dieser Zeit wurde wurde ich gerade erst geboren. Durch Fernsehen und YouTube konnte ich jedoch trotzdem einen Eindruck davon gewinnen, welchen ästhetischen Regeln die Leute damals in Bezug auf Musik und Mode folgten. Heute, knapp 30 Jahre später, sind die 90er wieder da. Ich sehe tatsächlich Low-Waisted Jeans und Mittelscheitel in den Städten und auf TikTok.

Tänzerinnen, Blink-Blink-Outfits und gute Stimmung

Auf dem Zeltfestival Ruhr am Kemnader See in Bochum ist von diesem Trend jedoch nichts zu sehen. Der Altersdurchschnitt des Publikums ist eher älter, so, als hätten die Besucher:innen diese Zeit damals hautnah miterlebt, was zu einer Mischung aus Nostalgie und Party-Abend beitrug. 

Das Zelt und auch der Sound hätten dabei sicher noch einige Menschen mehr vertragen. So hatte man gerade in den hinteren Reihen und an den Seiten jedoch genug Platz zum Tanzen. 

Als nun unter großem Jubel DJ BOBO samt Live-Band eine terrassenartige Bühne betrat, fing ich an zu begreifen, wie aus der Zeit gefallen dieses Konzert auf mich wirkt: Da wäre die Band, bestehend aus Schlagzeug, Syntheszizer, Bass und Gitarre, die den Groove vorgab und eben diese Eurodance-Sound spielte, die am ehesten mit Avicii’s “Levels” zu vergleichen sind. Da wären die beiden Tänzerinnen und Sängerinnen, die Refrains-Parts übernahmen und zu jedem Song mit DJ BOBO eine kleine Choreographie darboten. Und da wäre vor allem der Video-Screen im Hintergrund, der zu vielen Songs die Musikvideos DJ BOBOs und/oder Visuals zeigte, die so 90er waren, wie ich sie mir aus dem Fernsehen vorgestellt hatte. 

Eine durchgetaktete Show

Was STROBO-Autor John und ich dann sahen, war kein Konzert, es war eine Show – so durchorchestriert, wie es nur eben geht. An einer Stelle bekam das Publikum 24 Takte Zeit, die Hände von links nach rechts zu bewegen, an einer anderen durften die Bandmitglieder jeweils einmal ihre Soli durchrocken. Zwischendurch war DJ BOBO mit einstudierten Bühnenansagen im Schwitzerdeutsch an der Reihe. Während gerade in Deutschland oft solch eine Abgebrühtheit eher übelgenommen wird und jedes Konzert so individuell wie möglich sein muss, stand hier einzig und allein das Versprechen einer guten Show im Vordergrund. Damit hat DJ BOBO Erfahrung und eine gute Show gab es dann eben auch. 

Hits und dann auch noch Otto Waalkes

Ich wippte zu Songs, die ich nur von eben jenen Partys oder aus Kneipen mit sehr altem Interieur kenne, zu Hits wie „Let The Dream Come True“, „Freedom“ oder „Somebody Dance with Me”. Zur Stimmung trugen die Visuals ihr übriges bei: Mal ein Matrixartiger Hintergrund, mal Feuer oder ein zum Song gehörendes Musikvideo. Zwischenzeitlich waren wir auch Teil einer „Wall of Leucht“, bei der das gesamte Publikum seine Handys von links nach rechts schwang. Und dann erschien auch noch Otto Waalkes für ein Feature auf der Leinwand. Die gesamte Besteck-Schublade für eine Show kam einmal zum Vorschein, ehe auch der letzte Song mit dem standardmäßigen 10-Sekunden Freeze der gesamten Band beendet wurde. Die Show war kurzweilig, aber hatte es in sich.

Nur das Bier war teuer

Wenn auch das Bier mit 5€ für 0,3 Liter etwas teuer gewesen ist, so sage ich komplett unironisch und mit voller Überzeugung: Das war eine krasse Show. Sie hatte eine Mischung aus Party und diesem Nostalgie-Moment wie bei „Wetten dass“ vor einiger Zeit. Und als DJ BOBO verkündete, das 30-jährige Bühnenjubiläum unter anderem auch in Dortmund feiern zu wollen, war ich nicht abgeneigt, dafür direkt die Karten zu bestellen.

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