Die Bochumerin Greta Löwe hat durch einen Workshop das DJing für sich entdeckt und steht nun selbst regelmäßig hinterm Mischpult – als Greta Perola. Ein Gespräch von der Begeisterung für Musik über erste Auftritte bis hin zum eigenen Stil in der Kunst des Auflegens.
Lesedauer: 4 MinutenGreta Perola ist nicht nur ein Bochumer Urgestein, das Mukke macht. Sie studiert Politik, Philosophie und Wirtschaft in Duisburg und bringt als DJ Ideen, Vorstellungen und Träume mit. Im Keller der ehemaligen Schlegel-Brauerei in Bochum sitzen wir in einer verruchten, dunklen Ecke. Im Hintergrund rauschen die Soundanlage und die Kühlschränke der Bar. Greta und einige ihrer Freund*innen treffen sich hier gerne und legen auf. Die 22-Jährige bringt Freude beim Erzählen mit und strahlt eine selbstbewusste Präsenz aus, die sich auch im Fotoshooting zeigt. Die DJ blickt in die Kamera und dreht immer wieder Kopf und Körper, als wüsste sie, wie genau das nächste Foto auszusehen hat. Hier setzt sie sich auf ein Podest, neigt ihren Kopf; dort lehnt sie sich lässig an die Wand, als würde sie sagen wollen: Hier lege ich gleich auf, Bock dir das zu geben?
Vor knapp zwei Jahren ist Greta über eine Freundin in einen DJ-Workshop für FLINTA*-Personen gekommen. Sie hat zwar viele Menschen in ihrem Umkreis, die in Bochum auflegen, aber „es ist nochmal was anderes, wenn man von anderen Frauen sowas gezeigt bekommt“, schwärmt die Bochumerin. Nicht nur in ihrem Freundeskreis ist das DJing eine männerdominierte Szene. „Es herrscht eine angenehmere Dynamik. Ich traue mich mehr, als wenn ich nur von Typen umgeben bin”, erzählt sie von der Arbeitsatmosphäre im Workshop. So richtig ausprobiert hat sich Greta dann aber doch erst danach. Im Workshop hat sie die Grundlagen kennengelernt, sich vernetzt und die Lust bekommen, aufzulegen.


„Die ersten Male waren schrecklich“
Es dauerte nicht lange, bis das erste Equipment seinen Weg zu der DJ gefunden hat: eine DDJ-FLX4, ein kleines Beginner-Setup. Bei ihrem Debütauftritt im Club konnte sie mit dem Equipment noch nicht richtig umgehen und hatte Glück, dass ihr jemand über die Schulter geschaut hat. „Ich weiß noch, dass die ersten Male ein bisschen schrecklich waren, aber so hab ich das halt gelernt“, erzählt Greta.
Die musikalische Entwicklung kam mit der Zeit. Angefangen bei Techno wurde Greta immer langsamer, bis sie schlussendlich bei House angekommen ist. Es braucht nicht immer „auf die Fresse“, weil das Ruhrgebiet laut der DJ schon sehr vom Techno geprägt sei, „was gut ist, wir haben auch geilen Techno“, schwärmt sie weiter. Ein Vorbild dafür, sich vom schnelleren Techno zu distanzieren und stattdessen langsameren House und Elektro aufzulegen, war für sie eine Kölner DJ. Mittlerweile hat sie aber einen Plattenspieler und bringt sich bei, mit analogem Vinyl aufzulegen. Dadurch, dass sich die DJ besonders in House und Elektro wohlfühlt, hatte der Wechsel vom Digitalen zum Vinyl auch einen praktischen Nutzen. Laut der Bochumerin sind viele ältere Tracks nur auf Vinyl verfügbar – zumindest die, die sie gut findet.

Üben, üben, üben
Ein Instrument spielt Greta nicht. Sie hat zwar mal Klavier gelernt, doch sieht ohnehin Unterschiede zwischen dem aktiven Musizieren und dem DJing. „Man ist wie ein Channel für die Musik und den Dancefloor“, erläutert sie. Als Musiker*in wird die Musik aktiv gespielt und nicht reproduziert. Es braucht nicht unbedingt eine musikalische Grundbildung, um auflegen zu können, auch wenn das seine Vorteile haben kann.
Bislang legt Greta weiterhin mit digitalen Tracks auf, denn noch ist sie nicht so weit, dass sie vor Publikum mit Platten auflegt. „Ich muss noch üben, wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe“, so die 22-Jährige. Gerade holt sie die Klausurenphase zurück in die Realität. Aber der Traum vom DJing mit Platten lebt und daran wird weiterhin gefeilt. Das heißt: Platten kaufen, üben, üben, üben. In ihren frühen Anfängen hat sich Greta bereits im Vorfeld ihr Live-Set zusammengestellt und geplant. Mittlerweile ist ihre Herangehensweise eine andere. „Ich stelle mich zehn Minuten vorher auf den Flur und höre, was die Person vor mir macht”, verrät sie. Spätestens wenn die Platten ins Spiel kommen, ändert sich die Herangehensweise wieder. Zumindest ein Stück weit, denn die Auswahl ist begrenzt. Die DJ muss bedachter an ihre Käufe und ihre Sets herangehen, denn Platten sind teuer und der Platz in der Tasche begrenzt.
RUHRBETON: zwischen Back to the roots und Community schaffen
Als Mitbegründerin von RUHRBETON ist Greta Teil einer Gemeinschaft geworden, die sich der elektronischen Musik widmet und Räume zum Netzwerken und Auflegen schafft. Es ist „ein bisschen lustig nebenbei“, erzählt die Bochumerin. Dabei geht es nicht um Kommerzialisierung und Clubmusik, sondern um den Spaß an der Sache selbst. Auf Instagram beschreibt sich das Kollektiv mit den Worten „Subkultur, Gemeinschaft, Solidarität“ zusammen. Und genau bei dieser Art von Veranstaltung legt Greta am liebsten auf. Wenn sie die tanzenden Leute kennt, die Gruppe überschaubar ist und sie mit der Crowd interagieren kann, fühlt sich die DJ am wohlsten. Sie liebt die familiäre Atmosphäre, in der sich jede*r frei ausleben kann, Musik gefeiert und Solidarität gelebt wird. „Das Projekt ist einfach Back to the roots und Community schaffen“, beschreibt Greta das Kollektiv.
Natürlich gibt es größere Bühnen, auf denen die Bochumerin gerne mal auflegen würde, wie zum Beispiel auf der Fusion oder im Sisyphos Wintergarten in Berlin. Doch die 22-Jährige schätzt und liebt, was das Ruhrgebiet und vor allem Bochum zu bieten hat. Nicht umsonst ist sie, wie sie selbst sagt, irgendwie hier kleben geblieben.
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