Der Rapper LinezPM veröffentlicht seit fünf Monaten Songs. Seine Lieder schweben zwischen melodiösem R’n’B-Vibe, Rap-Elementen, atmosphärischen Synths und intimen Momenten. „Mir geht’s weniger um krasse Lyrics. Ich will einen Vibe erschaffen“, sagt er. Der 25-Jährige lebt und produziert im Dortmund, fühlt sich dem Ruhrpott verbunden und möchte sich über dessen Grenzen hinaus einen Namen machen.
Lesedauer: 4 Minuten“Ich habe allen erzählt, ich werde jetzt Rockstar”
Dortmund-Mitte, später Nachmittag. Ein paar letzte Sonnenstrahlen flackern durch die dünnen Gardinen. Auf dem Tisch stehen leere Kaffeetassen, ein Aschenbecher, eine vibrierende Box. Atmosphärische Interludes wabern durch den Altbau. Darüber legt sich eine tiefe Stimme. LinezPM lehnt mit ruhigem Blick im Türrahmen. Hoodie überm Kopf, ein Lächeln im Gesicht, irgendwo zwischen Unruhe und Entschlossenheit. „Ich wusste immer, ich will das machen. Aber bis ich das selbst akzeptieren konnte – das hat gedauert.“


Die ersten Erinnerungen an die Musik reichen bis in seine Kindheit zurück. Er ist sechs oder sieben, als er zum ersten Mal vor Menschen auftritt – bei den Geburtstagsfeiern seiner Eltern. Später spielt er Gitarre, Klarinette, Saxofon und rappt. So richtig los geht es, als sein jüngerer Bruder Ole beginnt, eigene Beats zu bauen. „Ich hatte keinen Bock auf diesen technischen Kram, aber als er damit anfing, hatte ich plötzlich eine Ausdrucksform“, erinnert er sich. Hunderte Skizzen sind damals entstanden – lose Tracks, Freestyle-Ideen, hingeworfene Hooks.
Dabei hat lange nichts auf einen unkonventionellen Weg hingedeutet: Architektur-Studium, eine feste Beziehung mit Zukunftsplänen, Musik höchstens nebenher. Doch irgendwann kam das Studium ins Stolpern: „Ich war nicht ich selbst. Und für mich war immer klar, ich will etwas machen, wo ich zu einhundert Prozent Linus sein kann.“ Ab diesem Punkt gibt es nur noch Musik, keinen Plan B mehr. „Ich habe einfach jedem erzählt: Ich werde jetzt Rockstar.“
“Ich drück auf Aufnahme und sing’s direkt ein“
Der Künstlername ist Programm: Lines steht für die Zeilen, für das Schreiben. PM für „Post Meridiem“, weil er morgens nie erreichbar ist. Oder auch: Private Message. Denn vieles, von dem, was LinezPM schreibt, klingt nach innigen Nachrichten an die Welt. Songs wie ‚Safe Place‘ oder ‚Kreide‘ sind persönlich, fast fragil. Geschrieben aus einer spontanen Intuition „Das kommt dann einfach raus. Ich drück auf Aufnahme und sing’s direkt ein.“
Die Texte entstehen selten am Schreibtisch. Meistens im Moment. Wenn ein Beat läuft. Wenn eine Stimmung da ist. Wenn der Vibe stimmt. Oft sogar im Freestyle. „Ich glaube, dass ich auf diesem Weg auch meinen eigenen Stil gefunden habe. Melodisch, ehrlich, eben nicht verkopft.“ Einflüsse aus vielen Genres kennzeichnen den Sound des Musikers. „Ich gehe sehr weitflächig mit Musik um, versuche diese harten Grenzen auch irgendwie zu brechen“, sagt er.


„Die Leute sollen mich spüren“
Heute produziert LinezPM nicht mehr nur mit seinem Bruder, sondern professionell mit Tino, dem Producer und Gründer des Tonstudio-Netzwerks, Prinz Studios. Über ihn ist auch sein Team gewachsen. Unterstützung kommt mittlerweile von mehreren Seiten – kreativ und finanziell.
„Manche Leute haben bei ‚Safe Place‘ geweint, als sie’s gehört haben“, erzählt er. Für den Dortmunder ist das der größte Lohn: Emotionen wecken. Verbundenheit schaffen. Sichtbar sein. „Mich hat es sehr berührt, als ich gemerkt habe, welche Emotionen ich bei Menschen auslösen kann. Und genau das ist für mich Musik: Ein Austausch von Gefühlen. Die Leute sollen mich spüren – und sich selbst, in dem, was ich mache.“
Am Valentinstag kam das erste Release: ‚Bau auf – Reiß ein‘. Seitdem folgen regelmäßig Songs und Clips, vor allem auf Instagram. Mittlerweile sind drei weitere Tracks erschienen – mit ‘Keen’ Anfang Juli der neueste. “Es geht darin ums Weiterziehen und Loslassen, ums Abschließen und Durchstarten”, erklärt der Dortmunder.
“Erstmal will ich Local Hero werden”
“Ich will komplett durchziehen, die Masse packen, auf Festivals spielen, Hallen ausverkaufen”, erklärt der Dortmunder mit einer Spur Hochmut – bewusst provozierend. Am wichtigsten sei ihm jedoch Authentizität: “ Ich will als echter Mensch mit ehrlichem Sound auftreten.”
Seine Heimat Dortmund ist ihm dabei sehr wichtig: „Das Ziel ist erstmal Local Hero zu werden. Ich fühle mich wohl hier. Wer weiß, wo es mich irgendwann hinzieht, vielleicht mal nach Berlin“, blickt er in die Zukunft.

Fernab der hochgesteckten Selbstinszenierung ist dem Musiker eine tief motivierte Entschlossenheit anzumerken: „Ich mache das, was ich fühle und wenn ich mit 80 auf dem Sterbebett liege und sagen kann, ich habe alles gegeben – dann reicht mir das.“
“Ich möchte dieses Star-Sein ins Deutsche übertragen”
Der 25-Jährige spricht von Ästhetik, von Stil, von einem Selbstverständnis, das Musik, Auftreten und Haltung verbindet. „Meine Inspiration waren früher Wiz Khalifa oder A$AP Rocky. Und meine Vision ist es, dieses „Star-Sein irgendwie ins Deutsche zu übertragen, auf meine ganz persönliche Art.“
In einem Musikbusiness, das oft schneller als Künstler*innen und Publikum denkt, will LinezPM herausstechen, aber nicht um jeden Preis. Er nimmt sich die Zeit, er selbst zu sein – mit einer feinen Intuition für seinen ganz persönlichen Stil.
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