„Let’s do it, lass den deutschen Musikmarkt ausprobieren” – die Sängerin Katyadotcom im Porträt

Die in Oberösterreich geborene Sängerin Katja steht kurz vor dem Release ihres Debütalbums. Dementsprechend aufgeregt und stolz ist sie. Im Gespräch wird deutlich, wie viel ihr das Album bedeutet, ihre Dankbarkeit für alle helfenden Hände und auch, dass es sich richtig anfühlt, dieses Album so zu veröffentlichen. Auch wenn das Gefühl nicht immer so gewesen ist. 

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In dem Iced Latte Macchiato auf dem Tisch schmelzen die Eiswürfel. Die Raumtemperatur im Café Delulu in Essen Rüttenscheid ist von der sengenden Hitze von draußen kaum noch zu unterscheiden. Alles ist etwas träge, nur nicht Katja. Als sie zur Tür reinkommt, winke ich ihr zu. Sie winkt zurück. Kurze Zeit später sitzen wir alle gemeinsam am Tisch: Katja und ihr Freund Lukas, ihre Managerin Franci, Lena als STROBO-Fotografin und ich. Von der ersten Sekunde an erzählt Katja: von ihrem Support-Act beim Milky Chance-Konzert, bei dem sie ihren besten Song vergaß und von ihrer Nachtschicht im Lager. Davon, wie großartig ihr Team ist und wie sehr sie die Hitze liebt. Es passt alles ins Bild. Katjas Auftreten, ihre Musik, ihre Instagram-Präsenz. In ihrem Profil nennt sie sich Austrias indie-pop sweetheart.

Lucas und Franci haben Katja im Albumprozess unterstützt. Fotos: Lena Liedmann.

„Fuck off, ich mache es einfach.“

Der Weg in die Musik war keinesfalls abwegig. Mit elf Jahren hat Katja angefangen, eigene Liedtexte zu schreiben. Das gehörte mit zur Schullaufbahn und zur Matura, dem österreichischen Abitur. Aber was will man auch anderes erwarten, bei dem Besuch eines Popmusik-Gymnasiums. Neben dem Gesang beherrscht Katja auch das Klavier-und Gitarrenspiel. Bei ihrer Musik und auf der Bühne überlässt sie das Spielen allerdings anderen und konzentriert sich ganz auf ihre Stimme. Von Oberösterreich ging es nach Wien, wo Katja Musikwissenschaft studierte. Dort hat sie auch ihre beiden EPs „25yrs on earth“ und „life lately“ veröffentlicht. Die erste EP kam kurz vor ihrem 25. Geburtstag raus. Damit habe sie sich selbst beschenkt, so die gebürtige Österreicherin. „Die zweite EP ,life lately‘ soll dann die Fortsetzung sein. Und jetzt das Album ‘the story So far‘ ist für mich so: What happens next?”, erzählt Katja.

Wer bin ich jetzt?

In ihrer Musik verarbeitet Katja viel aus ihrem Leben. Ihre Lyrics schwelgen in Erinnerungen, offenbaren ihren Kampf zwischen Selbstliebe und Zweifeln, benennen ihre „Struggles“ und teilen ihre Erfahrungen. In ihrem Debütalbum steht die Entwicklung der Sängerin im Mittelpunkt. In Sunpark Street zum Beispiel: „Da gehe ich zu einer alten Schulfreundin aus Österreich, mit der ich null Kontakt habe“, erzählt die Sängerin. Es ist dieses Revuepassieren lassen von Ereignissen, der Blick aus der Retrospektive. „Was ist passiert, wie habe ich mich verändert, welche Leute habe ich gehen lassen, wer bin ich jetzt?“, hinterfragt Katja. Oder auch: Wer ist von ihr gegangen? Es ist ein sehr persönliches Album.

Katjas Debutalbum ,the story so far‘ kommt am 24.07. raus. Foto: Lena Liedmann.

Von der Erleuchtung

„Ursprünglich wollte ich in so eine Neo-Soul-Richtung gehen“, lässt Katja durchblicken. Als ihre ehemaligen Produzenten ihr dann mitteilten, dass sie eine Pop-Künstlerin sei, kam es, dass sich Katja in genau diese Richtung entwickelte. Zunächst unbewusst, dann mit voller Absicht. Und aus Pop wurde Indie-Dream-Pop: blumig, emotional, verträumt.

Da überrascht Katjas aktuelles musikalisches Vorbild keinesfalls: Olivia Dean. „Bei ihrem Konzert habe ich eine Stunde durchgeweint, weil es mich so krass berührt hat. „Man hat ja immer, wenn man Musik macht und dann andere Musik hört, so Selbstzweifel. Als das Album fertig war, habe ich oft gedacht: Ich weiß nicht, ob ich weitermachen kann. Und dann habe ich dieses Konzert gesehen und ich dachte mir so: Okay, das ist der Grund, warum ich es mache. Das war eine richtige Erleuchtung“, erzählt die Sängerin.

Mit der Idee, Fuß in der Musikbranche zu fassen, kam auch die Entscheidung, Wien zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen. Es ist eine unübliche Entscheidung, von Wien nach Essen zu ziehen. Man kennt es eher umgekehrt, aber die Sängerin, die ihr Leben ohnehin sehr „larifari“ lebt, nahm und nimmt auch immer noch die Herausforderung an. „Let’s do it, lass den deutschen Markt ausprobieren“, so ihre Herangehensweise. Der kulturelle Unterschied zwischen der österreichischen Hauptstadt und dem Ruhrgebiet war zunächst schwierig. „Es war schon hart, diese Ruhrpott-Directness zu checken und für sich anzunehmen, aber es hat seine Vorteile, würde ich sagen”, erklärt die Österreicherin.

„Als ich das erste Mal die Testpressung gehört habe, saß ich im Wohnzimmer und dachte mir so: Krass, was hast du gemacht?“

Gemeinsam mit ihrem Freund Lukas und drei Produzenten aus Berlin und Köln nahm das Album Form an. Es hat viele Nerven und Geduld gekostet, von der ersten Idee bis hin zu den fertigen Masters. Und was bleibt, ist das Gefühl von Stolz und Vinyl-Platten: „Als ich das erste Mal die Testpressung gehört habe, saß ich im Wohnzimmer und dachte mir so: Krass, was hast du gemacht?“, schwärmt die Sängerin.

Das Debütkonzert findet am 24.07. in Köln statt. Weitere Auftritte dieses Jahr wird es geben, allerdings erst im November und auch eine Tour im kommenden Frühjahr geistert schon in den Köpfen umher.

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