Frohes Neues! Ich hoffe, ihr habt die Korken und nicht die Finger weggeknallt und die letzten Reste des Silvesterraclettes, des Weihnachtsbratens und der Nachfragen zu eurem Beziehungs- und Familienstand bei sämtlichen Familientreffen der letzten Wochen verdaut (Die Uhr tickt, Kinders, wieder ein Jahr rum). Nun geht das Jahrtausend also so richtig auf die 30 zu (ja, auch mit 26 schon, das müsst ihr akzeptieren). Trotzdem kein Grund die Füße hochzulegen und kommt mir nicht mit Dry January, man kann auch mal nüchtern Kultur erleben. Wenn eins im neuen Jahr gleichbleibt, dann dass ich euch dafür extra Tipps rausgesucht habe.
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Jonas (Hildebrandt) kommt ursprünglich aus Essen, wirkt mittlerweile in Dortmund. Lebt nach den Kategorien lustig / nicht lustig und würde letzteres gerne aus der Welt verbannen. War mal länger in Toulouse, vor allem für das kosmopolitische Lebensgefühl. Und ist für die monatlichen Eventtipps von STROBO verantwortlich.
FZW Poetry Slam am 7.1.
Eines Tages, baby, werden wir alt sein, oh baby, werden wir alt sein – und vermutlich wird es dann immer noch den monatlichen Poetry Slam im FZW geben. Es ist immerhin schon die 126. Ausgabe. Zu Beginn des Jahres sei aber mal auf das Event hingewiesen. Wenn es euch also mal nach dem Wörter-mit-starker-Betonung-in-den-Raum-werfen-um-sie-nach-Poesie-klingen-zu-lassen (auf englisch: Poetry-Slam) gelüstet, dann schaut doch mal im FZW vorbei. Und natürlich ist Poetry-Slam eine ernstzunehmende Kunstform. Rage Bait aber auch. Alle Infos findet ihr hier.
„Unertragbar“ im Rabbit Hole Theater in Essen am 16.1.
Statt euch um drei Uhr nachts von einem Youtube-Video über die Einzelheiten des monegassischen Hobby Horsings ins nächste zu stürzen, entscheidet euch doch lieber am früheren Abend für ein anderes Rabbit Hole, um dort ein, entgegen des Titels, mehr als ertragbares Theaterstück zu besuchen. Das roterfaden-kollektiv fragt sich darin, welche Rolle Kleidung in unserer Gesellschaft und für unsere Identität spielt. Deshalb schließt bei zwei weiteren Vorführungen in Mülheim am 24.1. und 25.1. auch noch ein Live Vintage Shopping an. Infos dazu gibt’s hier, alles zur Show in Essen findet ihr hier.

„DIY & Drinks“ – offener Kreativtreff im HIER IST NICHT DA in Gelsenkirchen am 16.1.
Das HIER IST NICHT DA hat fürs neue Jahr eine neue regelmäßig stattfindende Veranstaltung konzipiert und das Budget hat sogar noch für einen Titel in hippem Business-Englisch gereicht: „DIY & Drinks“. Frei ins Deutsche übersetzt bedeutet das „Basteln und Bierchen“, ein Titel, den ich persönlich präferiert und auch eher in Gelsenkirchen verortet hätte. Naja, der Vorschlag steht. Alle Infos zum Kreativtreff findet ihr hier (und nicht da).
Indie Night mit Stone Sober und Seersucker im FZW Dortmund am 19.1.
Eine weitere regelmäßige Veranstaltung, die im eher ereignisarmen ersten Monat des Jahres einmal stellvertretend Erwähnung finden soll. Live-Musik zum schmalen Taler ist heutzutage ja nicht mehr an jeder Ecke zu finden und die FZW Indie Night liefert die so zuverlässig wie das Amen in der Kirche und die Ramen in der Nudelsuppe. Im Januar sind die ungarischen Garagen-Rocker von Stone Sober und die Dortmunder Post-Punk Band Seersucker zu Gast. Infos und Tickets gibt’s hier.
Hubertus Koch „Lost Boy“ im Bahnhof Langendreer in Bochum am 21.1.
Lost Boy im Bahnhof Langendreer klingt erstmal wie eine weitere Geschichte vom Versagen der Deutschen Bahn, ist aber eine Veranstaltung von Hubertus Koch, die sich logischerweise nicht am Gleisrand sondern in der angrenzenden Eventlocation abspielt. Hubertus Koch liest dort aus seinem Buch, zeigt Ausschnitte aus seinen Filmen und erzählt von allem, was er so gemacht hat. Er hält quasi ein Referat über sein Gesamtwerk – nur ohne Overheadprojektor (keine gesicherte Info) und in unterhaltsam (ziemlich gesicherte Info). Alle offiziellen Infos dazu gibt’s hier.
Pöbel MC im FZW in Dortmund am 23.1.
Mit Pöbel MC kann man viel Spaß haben, zum Beispiel wenn man die Anfangsbuchstaben tauscht und die Frage debattiert, ob ein PC in der Kategorie Möbel richtig eingeordnet ist. Auch sonst debattiert Pöbel MC gerne gesellschaftliche Themen in seinen Texten – mit eindeutiger politischer Stoßrichtung. Apropos Stoßrichtung: Das Konzert dürfte definitiv zu einem der wilderen zählen. Wer also Lust auf Moshpits hat, kann sich hier Tickets holen.

truefriends Music Show Vol.1 im Druckluft in Oberhausen am 24.1.
Ein Jahr alt wird das Management True Friends Music und prompt muss die gesamte Belegschaft aka alle 7 Artists was vorführen – quasi ganz normale Firmenfeier, nur halt eigentlich ganz anders. Es wird ein Abend gefüllt mit Live-Musik von angesagten Newcomer:innen im Druckluft in Oberhausen. Also mein erster Geburtstag war weniger spektakulär. Tickets dafür gibt es hier.
King Kong Kicks Indie-Party im Junkyard in Dortmund am 24.1.
Alle paar Monate gastiert die Party, bei der Musik läuft, die meist schon lange nicht mehr wirklich Independent ist, aber gemeinhin als Indie bezeichnet wird, im Junkyard. Und auf dem zweiten Floor läuft Guilty-Pleasure Musik unter dem Namen Peinlo-Pop. Das eröffnet natürlich bei einigen Songs Diskussionen, auf welchen der beiden Floors sie denn nun gehören. Und der ein oder andere Musiksnob mag auch das ganze Genre des Indie als Peinlo-Pop bezeichnen. Aber hey, geile Party. Alle Infos dazu findet ihr hier.
Ausstellung „German Pop Art: Zwischen Provokation und Mainstream“ in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen ab dem 25.1.
Wie Mark Forster in der Musik oder die Pizza Hawaii in der Kulinarik, bewegt sich in der bildenden Kunst die Pop Art zwischen Provokation und Mainstream – behauptet zumindest die Ludwiggalerie (also außer das mit Mark Forster und der Pizza, das behaupte ich). Sie zeigt ab Ende Januar Werke von Heinz Beck, einem deutschen Vertreter der Gattung. Also schauts euch mal an, aber lasst euch nicht provozieren oder vom Mainstream vereinnahmen. Alle Infos gibt’s hier.

Pavelo & Schnell im Goethebunker in Essen am 29.1.
Boris Schnell ist eigentlich Gitarrenbauer, Pavelo Promillo (was für ein genialer Name!) hasst Gitarren und baut lieber Beats. Trotzdem machen sie zusammen Musik und die basiert deshalb auf ganz vielen Kompromissen. Koalitionsvertrag wäre ein passender Name für das Genre. Anders als in der Politik entsteht aus diesen Kompromissen aber viel Tolles, ihr Sound liegt irgendwo zwischen Elektro, NNDW und Hip-Hop. Also (Pavelo &) schnell Tickets kaufen für die Show im Goethebunker. Die gibt’s hier.
Alice Phoebe Lou im Konzerthaus Dortmund am 29.1.
Von Alice Phoebe Lou habe ich schon sehr viel Gutes gehört. Zum Beispiel ihre Musik. Sie macht folkigen Indie-Pop mit Soul- und Jazz-Einflüssen. Die hat sie schon allein mit der Gitarre auf der Straße performt, inzwischen hat sie eine Live-Band dabei und spielt im Konzerthaus. Und das schöne an Pop-Konzerten in Konzerthäusern ist ja, dass man sich ausnahmsweise so selten hochkulturell und erwachsen fühlen kann, obwohl man die Musik auch genauso gut in der Kneipe nebenan live sehen könnte. Tickets und Infos gibt es hier.
Und dann ist das Jahr auch schon fast wieder rum. Also je nachdem wie man fast definiert. Aber überlegt euch am besten schonmal, wo ihr nächstes Jahr Silvester feiert. Und besorgt Weihnachtsgeschenke. Geht ja immer schneller als man denkt. Die Zeit fliegt, wenn man Spaß hat, das ist ja bekanntlich die Relativitätstheorie. Also, lasst 2026 die Zeit fliegen. Habt einen schönen Januar.

