Lasst alles stehen und liegen, es ist wieder so weit: STROBO-Kolumnist Jonas Hildebrandt hat euch die besten Events im Oktober rausgesucht.
Habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft? Man kann nie früh genug dran erinnern. Sofern wir Weihnachten dieses Jahr noch mitkriegen und nicht Chat GPT und Co. vorher schon die Menschheit ausgelöscht haben – als Bestrafung für all die Male, bei denen wir auf Danke und Bitte verzichtet haben. Harter Einstieg, ich weiß. Aber irgendwie waren die großen gesellschaftlichen Debatten diesen September deutlich ernster gestimmt als die sonst alljährlich heiß diskutierte Frage, ob es denn angemessen sei, schon Lebkuchen im Supermarkt zu kaufen. Und dann haben wir nicht mal Olympia bekommen. Frustrierend. Damit der Oktober etwas freudiger wird, habe ich hier wie immer einige fantastische Kulturveranstaltungen zusammengetragen.
Das große Dammnation Oktoberfest im Oma Doris in Dortmund am 1.10.
Wenn euch das Wort Oktoberfest schon genauso einen Schauer über den Rücken jagt wie mir, dann ist dies wohl das einzige seiner Art, bei dem ich euch zu einem Besuch raten würde. Das stellt sich nämlich die Frage: Wie würde wohl Bayern klingen, wenn es cool wäre? Beantwortet wird diese mit einer Mischung aus Blasmusik und Acid Funk. Außerdem bleibt der lebensgefährliche Spießrutenlauf, der bestenfalls mit einem Bauchklatscher auf dem Bierzelttisch endet, aus. Alle Infos gibt’s hier.
FAVORITEN Festival in Dortmund vom 1.10. bis zum 11.10.
Vielleicht ist es nicht euer favorisiertes Festival, aber es ist zumindest Mal das FAVORITEN Festival. Das F steht für die Freie Szene Nordrhein-Westfalens, ihres Zeichens Ausrichter des Spektakels, und das AVORITEN steht für jede Menge Theater-, Tanz- und Performance-Events im Rahmen des Festivals. Das gesamte Programm findet ihr hier.

JKC Stammtisch im Jugend- und Kulturcafé Rheinische Straße in Dortmund am 2.10.
Das Jugend- und Kulturcafé Rheinische Straße lädt zum Stammtisch und wie könnten wir als lokales Jugend- und Kulturmagazin eures Vertrauens das ignorieren? Und keine Sorge: Stammtisch bedeutet hier nicht sieben Mitte 50-jährige Familienväter mit Bierbauch in zu kurzen Camp-David-Polohemden, die nach 3 Litern Bier anfangen, mit leicht eigenartigen bis verfassungsfeindlichen Parolen um sich zu werfen. Denn es gibt ja, wie versprochen, Jugend und Kultur. Konkret bedeutet das: Live-Musik vom Kollektiv kabel8 und deren Gast vic. Alle Infos gibt’s hier.
10 Jahre Lit.Ruhr im gesamten Ruhrgebiet vom 5.10. bis zum 11.10.
Es wird Jubiläum gefeiert – und die Einladungsliste liest sich deutlich hochkarätiger als bei meinem 10. Geburtstag. Bestimmt weil meiner in den Sommerferien war. Zum internationalen Literaturfest Lit.Ruhr kommen in diesem Jahr gestandene Autor*innen wie Judith Hermann, Jan Weiler oder Saša Stanišić sowie Berühmtheiten aus anderen Sparten, die sich nun auch an der Aneinanderreihung von Wörtern probieren, wie Betterov, Christoph Kramer oder Robert Habeck. Das gesamte, wirklich spannende Programm findet ihr hier.
DOXS RUHR im gesamten Ruhrgebiet vom 7.10. bis 18.10.
Für alle, die sich längst vom geschriebenen Wort entfernt haben und lieber in die Flimmerkiste blicken, gibt es DOXS Ruhr, das Filmfestival für junges Publikum. Die Dokumentarfilme beschäftigen sich in diesem Jahr besonders mit verschiedenen Perspektiven auf Diversität und die Tierwelt. Insgesamt 33 Kurz- und Langfilme gibt es – mit der richtigen Terminplanung und Hingabe ist das in neun Tagen durchaus möglich. Also schaut ins Programm, das findet ihr hier.

Miriam Davoudvandi Lesung aus „Das können wir uns nicht leisten“ im Hier ist nicht da in Gelsenkirchen am 9.10.
Miriam Davoudvandi hat ein Buch darüber geschrieben, was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. Wäre vielleicht auch mal eine spannende Lektüre für unsere Spitzenpolitiker*innen, so zumindest als kleine Ergänzung zu dem, was sie am Wochenende von der einfachen Bevölkerung auf dem Golfplatz so hören. Es ist aber auch für alle anderen nicht minder lehrreich und bei einer Lesung ist ja der große Vorteil, dass man nur die Lauscher aufsperren muss, ohne selbst die Buchstaben zu entziffern. Alle wichtigen Infos findet ihr hier.
Kreativ Bude im Schlegel Kultur Club in Bochum am 10.10.
Wie der Name sagt, gibt’s bei diesem Flohmarkt alles, was kreativ ist: Kunst, Musik, selbstgemachte Accessoires und womöglich auch die Preisgestaltung (letzteres ist natürlich reine Mutmaßung). Außerdem ist es mit einer Öffnungszeit von 15 bis 22:30 Uhr ein im Vergleich wahnsinnig Nachtschwärmer-freundlicher Flohmarkt. Und um diese Zielgruppe vollständig abzuholen, gibt es auch noch eine anschließende Klubnacht. Alles weitere erfahrt ihr hier.
Kontaktfeld Festival auf der Zeche Carl in Essen am 10.10.
Die Feuertaufe ist überstanden, das Kontaktfeld Festival findet bereits zum zweiten Mal statt und das ist ja wohl per se ein gutes Zeichen. Ganz so schlecht kann es ja nicht gewesen sein und auf einem Bein kann man ja sowieso nicht stehen. Also nun Runde zwei – immer noch früh genug, um hinzugehen und zu sagen, ihr wart von Anfang an dabei. Programmlich erwartet euch wieder (fast) alles, was Menschen mit Mikro(s) auf einer Bühne so anstellen können: Talks, Lesungen und Konzerte. Was genau das bedeutet, seht ihr hier.

Umland Festival von The Dorf im domicil in Dortmund am 15.10. und im Steinbruch Duisburg am 16.10.
Im größten Ballungsraum Europas ist Dorf logischerweise ein Fremdwort und kann so problemlos zweckentfremdet werden und mit dem hippen englischen Zusatz „The“ als Eigenname einer Musiktruppe dienen, die sich irgendwo zwischen XXL-Orchester und Big Band bewegt. Groß ist sie jedenfalls, was ja sonst nicht unbedingt die hervorstechendste Eigenschaft von Dörfern ist. Ganz der ruralen Wortlogik entsprechend heißt das alljährliche Schaulaufen von The Dorf auch „Umland Festival“. Dort gibt’s an zwei Abenden und zwei (übrigens sehr urbanen) Orten ganz viel kreativen Output unter dem Motto Utopian Beats, musikalisch grob zwischen Krautrock, Jazz, Trance und Noise verortet. Alle Infos zum Festivalstart in Dortmund gibt’s hier, und zum zweiten Tag in Duisburg hier.
inter_val – das postmigrantische Festival im Theater im Depot in Dortmund vom 29.10. bis zum 31.10.
Bei seiner Premiere hat das intersektionale, intergenerationale und interdisziplinäre Festival (das inter ist hier ein bis in den Namen wiederkehrendes Motiv) eine klare Vision: Gemeinschaft atmen. Gut, dass die Corona-Pandemie vorbei ist, da wäre das sicherlich auf ein Superspreader-Event hinausgelaufen. Zugegebenermaßen geht es auf einer etwas metaphorischeren Ebene nicht um das Teilen von Sauerstoff, sondern den größtmöglichen Austausch zwischen allen Beteiligten und Zuschauenden, meist im Zusammenhang mit Kunst und Kultur. Um das zu erreichen, gibt es jede Menge Theaterstücke, Lesungen, Gespräche, Performances, Konzerte und mehr. Alle Infos zum inter_val Festival findet ihr hier.
LGBT+ Halloween Party im Bahnhof Langendreer in Bochum am 31.10.
Gestern noch wurde ich gefragt, wann denn dieses Jahr Halloween sei, was es ja fast schon in die Tradition christlicher Feste stellt, die irgendwie abhängig von Ostern, Neumond, den Sternen oder sonst was sind. Halloween, diese schaurige Mischung aus heidnischem Brauch und von der US-Entertainmentindustrie hochgepushtem Gruselfestival, ist natürlich alljährlich am 31. Oktober, und als Winter-Gegner finde ich ja, die wahrlich fürchterliche Zeit beginnt eigentlich erst danach so richtig. Längst wird das Schauerspektakel auch an sämtlichen Veranstaltungsorten hierzulande ausgiebig gefeiert. Wer das als queere Person in einem Safe Space tun möchte, ist im Bahnhof Langendreer gut aufgehoben. Alle Infos dazu gibt’s hier.
Nun zum Abschluss ein Transparenz-Hinweis: Für diesen Text wurde keine KI verwendet. Und dennoch ist der Wasserverbrauch extrem hoch. In Schweiß, Tränen und Herzblut steckt nämlich auch sehr viel Flüssigkeit. Habt einen schönen Oktober.
Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Die DIY-Szene – Subkultur ohne Profit

