Selfmade-Raves aus Duisburg: Techno-Kollektiv Project D im Interview

“In Duisburg ging relativ wenig, deshalb haben wir gesagt: Dann lasst uns das einfach selber machen!” Lukas und Jascha sind Gründungsmitglieder des Duisburger Techno-Kollektivs “Project D”. Im Gespräch mit STROBO verraten sie, wie sie der tristen Duisburger Einöde Kultur einhauchen.

STROBO: Wie alt ist Project D? Und wie sahen eure ersten Partys aus?

JASCHA: Auf den ersten Partys 2017 waren im Schnitt nur 30-40 Leute. Wir haben eine Soundbox gemietet und uns mit unseren Uni-Freunden irgendwo draußen getroffen. Getränke haben die Leute selbst mitgebracht. Damals hat nichtmal jemand aufgelegt. Das ist dann alles ziemlich schnell gewachsen. Irgendwann kamen die ersten Leute, die wir gar nicht kannten.

Lukas (l.) und Jascha (r.) gehören zu den Gründungsmitgliedern von Project D. Fotos: Lennart Neuhaus.

STROBO: Wenn niemand aufgelegt hat, lief damals auch schon Techno auf euren Partys?

LUKAS: Die Musik war anfangs durchmischt, aber schon eher elektronisch. Ab dem Zeitpunkt, als wirklich aufgelegt wurde, war es dann schon Techno. Ich erinnere mich noch an unsere erste richtige Party auf dem Parkhausdeck in der Nähe vom Hauptbahnhof. Da konnte man unten immer rein. Wir haben vier Kästen Bier gekauft, einen Tisch und eine Box hochgetragen und angefangen aufzulegen.

STROBO: Ist das so zentral nicht total auffällig und wurde direkt aufgelöst?

LUKAS: Jo. Das wurde zwei von drei Malen aufgelöst, glaube ich – aber einmal so richtig krass – mit Polizei und Hundestaffel.

STROBO: Was ist denn da passiert?

LUKAS: Es waren übertrieben Leute da. Aber eigentlich war alles gut. Nur hat irgendwer dann aus der vierten Etage des Parkhausdecks gepisst…

JASCHA: Ja, aber so wie ich das gehört habe, gehörten die nicht mal zu uns. Auf diesem Parkhausdeck chillen sowieso immer Leute. Man hat einen schönen Ausblick über Duisburg. Das macht den Spot attraktiv. Ist auch eigentlich egal, weil das trotzdem wegen unserer Party passiert ist und schon fair, dass wir dann rausgeworfen wurden.

Rustikal aber gemütlich: Der Keller im Duisburger Stapeltor.
Fotos: Lennart Neuhaus.

STROBO: Wann habt ihr das erste Mal eine Location für eure Partys angemietet?

JASCHA: Das erste Mal war kurz nach dieser letzten Parkhausdeck-Party 2022 im AStA-Keller an der Uni in Duisburg.

LUKAS: Da haben wir uns dann das erste Mal richtig Gedanken gemacht: Getränke eingekauft und verkauft, Schichten eingeteilt und eine Kasse geführt. Das hatten wir vorher noch nie gemacht, so richtig.

STROBO: Um nochmal auf den Anfang unseres Gespräches zurückzukommen: Ihr habt gesagt, dass es “Project D” schon seit 2017 gibt. War die Corona-Pandemie ein großer Einschnitt für euch?

JASCHA: Übelst!

LUKAS: Da ging halt gar nichts. Ich dachte wirklich am Ende der zwei Jahre, dass es sich einfach erledigt hat. Aber das war nicht so: Wir haben Anfang 2022 wieder klein angefangen und die Motivation war nach Corona wieder voll hoch.

STROBO: Sind durch diese Motivation nach Corona neue Leute zu euch gestoßen und hat sich im Zuge dessen auch die Musik auf euren Partys verändert?

LUKAS: Boah, ich würde schon sagen, dass sich die Musik verändert hat im Gegensatz zu vor Corona, ja.

JASCHA: Mittlerweile haben wir sogar die Möglichkeit, kleine Gagen zu zahlen. Das heißt, es treten nicht mehr nur DJs aus unseren eigenen Reihen auf. Das macht die Musik einfach viel diverser.

STROBO: Techno hat sehr viele Unterkategorien, wo würdet ihr euch da ansiedeln?

LUKAS: Es ist total schwierig einzugrenzen.Vielleicht ist es einfacher zu sagen, was wir nicht machen: Wir spielen keinen EDM-lastigen Peaktime-Techno oder heftigen Hardgroove. Was auf den Partys läuft, ist natürlich auch immer von den verfügbaren DJs abhängig. Bei den letzten Partys haben wir housig, dancy, heller angefangen und sind dann irgendwann in den schnelleren dunkleren Techno rein – das Closing dann trancy. Das war die letzten beiden Male übel geil.

JASCHA: Wir sind passend zur Musik vom gesamten Setting eher gemütlicher unterwegs mit Lampenschirmen und Teppichen – wobei die Teppiche mittlerweile auch gut räudig sind.

Im Stapeltor in Duisburg findet die nächste Party von Project D statt. Fotos: Lennart Neuhaus.

STROBO: Und habt ihr Pläne für die Zukunft? Vielleicht mal eine Party in einem richtigen Club?

JASCHA: Eigentlich nicht. Ich sehe da nicht den Benefit und hab auch nicht vor damit Geld zu verdienen. Wenn wir hier im Stapeltor was machen oder im AZ Mülheim hat das einen gemütlichen Vibe. Die Leute aus Duisburg kennen sich alle auf unseren Partys. Das ist viel mehr wert als das um jeden Preis groß machen zu wollen. Aber ich verstehe auch, dass es Leute gibt, die diesen Ehrgeiz haben.

STROBO: Gibt es da Leute im Kollektiv, die diesen Ehrgeiz haben?

LUKAS: Vor einem Jahr war ich schon ein bisschen auf dem Film, das größer machen zu wollen. Wir haben Clubs in Duisburg besichtigt, aber schnell bemerkt, dass einige von uns skeptisch waren. Dann haben wir nochmal darüber geredet. Mittlerweile bin ich auch Jaschas Meinung, dass wir uns lieber das erhalten sollten, weshalb wir Project D gestartet haben: Es geht in erster Linie um Spaß und den Selfmade-Charakter. Deshalb haben wir uns erstmal dagegen entschieden und nutzen lieber das Stapeltor und das AZ Mülheim.

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