Hier passiert die Magie: Jasmin Hilkens und ihr Modelabel Silvermoon Threads

Zwischen Stoffen, Sternen und Nähmaschine schneidert Jasmin Hilkens in Duisburg ihre eigene Welt. Abseits des Mainstreams. Sie ist Maßschneiderin und entwirft als Silvermoon Threads witch-vibe-inspirierte Kleidung und düster-romantische Hochzeitskleider. STROBO hat sie in ihrem Atelier besucht. 

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Von außen wirkt das Haus still. Ein einfaches, zweistöckiges Wohnhaus in einer ruhigen, abgelegenen Straße in Duisburg. Nichts weist darauf hin, dass sich hinter dieser Tür eine eigene kleine Welt verbirgt. Silvermoon Threads.

Inmitten des Ateliers ist es bunt. Wo man Weiß erwarten würde, übernehmen Farben den Raum. Warme Töne finden sich an den Wänden, liebevoll ausgewählte Details verzieren den Raum. Alles erinnert an eine Märchenwelt. Für einen Moment könnte man glauben, man sei an einem Ort gelandet, der nicht ganz zur realen Welt gehört. Durch einen schmalen Flur geht es zum Herz des Ateliers. Das Nähzimmer. „Hier passiert die Magie“, sagt Jasmin. Magie, das klingt nach Zaubersprüchen und Kerzenlicht. In ihrem Atelier im Ruhrgebiet bedeutet es etwas anderes: Geduld. Handwerk. Entscheidungen, die Zeit brauchen.

Jasmin Hilkens in ihrem Atelier. Foto: Rebecca Schell.

Jasmin Hilkens ist Maßschneiderin und Gründerin des Labels Silvermoon Threads. Wenn sie das sagt, klingt es nicht wie eine Berufsbezeichnung, sondern wie etwas, das sich mit der Zeit gesetzt hat. Sie entwirft und näht „witch-vibe“ inspirierte Mode, Mieder und düster-romantische Hochzeitskleider. Einzelstücke, die sie gerne auch auf Märkten und über Social Media zeigt.

„Ich konnte früher nicht mal einen Knopf annähen“

Das Spannende? All das war nie geplant. Eher ein glücklicher Zufall. „Ich konnte früher nicht mal einen Knopf annähen“, erzählt Jasmin lachend. Eigentlich wollte sie Kommunikationsdesign studieren. „Ich hab mich aber natürlich dooferweise nur an einer Uni beworben. Das hat dann also nicht so geklappt, wie ich wollte.“ 
Dass aus diesem Unglück irgendwann Handwerk und Leidenschaft wurde, kam schleichend. „Ich wollte immer was Kreatives machen und hab dann mit der Zeit gemerkt, dass mir dieses Ruhige liegt.“

Die Nähmaschine, ihr „Schätzchen“, steht umgeben von Stoffen, viele verziert mit Monden und Sternen. Diese Symbole tauchen überall auf: als Lichterkette, als kleines Detail im Regal, als Muster auf Stoffen, die später zu Kleidern werden. Es sind ihre Symbole, sie gehören hierher, sie gehören zu Jasmin, zu Silvermoon Threads.

Ohne Jasmins „Schätzchen“ – kein Silvermoon Threads. Foto: Rebecca Schell.

Jasmin selbst trägt ein schwarzes Leinenkleid. Seit sie dreizehn ist, fühlt sich diese Farbe für sie richtig an, sagt sie. Ein ruhiger Gegenpol zu dem verspielten Atelier, das sie umgibt. Fantasie ist für sie kein Kostüm, das man ablegt. Sie fließt leise in den Alltag ein: in kleine Rituale am Morgen, in Stoffe mit Sternen, in Schnitte, die an vergangene Zeiten erinnern. 

Silvermoon Threads Zwischen Mode und Mainstream

Mode sei für sie ein schwieriger Begriff. Zu schnell, zu austauschbar. „Ich mache keine Trends“, sagt Jasmin. Stattdessen arbeitet sie mit Leinen, Baumwolle, veganen Materialien. Stoffe, die sich gut anfühlen sollen und gut altern dürfen.

Ein Kleid entstehe nicht als fertiges Bild im Kopf, sondern als etwas, das sich beim Nähen selbst erklärt. Stoffe bewegen sich, Schnitte verändern sich, und irgendwann steht am Ende mehr als nur ein Kleidungsstück. „Das fühlt sich dann an wie ein eigenes kleines Universum“, sagt Jasmin während sie die Entwürfe in einem Ihrer vielen Skizzenbücher überfliegt.

Die bewusste Nische

Ihre Entwürfe richten sich an Menschen, die sich im klassischen Modebetrieb oft nicht wiederfinden. „Auch ich habe damals selbst in schwarz und lila geheiratet“, erwähnte Jasmin. Andere Kleider gefielen ihr nicht. Also nähte sie ihr eigenes. Eine Sache ist Jasmin bei ihrer Mode besonders wichtig: Plus Size ist hier kein Sonderfall, sondern Normalität. „Ich möchte, dass sich niemand verstecken muss.“ Es ist ein Satz, der sich in Jasmins Entwürfen festigt.

Viele ihrer Begegnungen zu Kunden entstehen auf Märkten, auch im Ruhrgebiet. Doch nicht jede Begegnung ist wohlwollend. Jasmin erzählt von Situationen, die sich wiederholen. Ältere Besucher bleiben stehen, machen Witze, zeigen auf Hexenhüte. Sie lachen und gehen.

Jasmin reagiert darauf kaum noch. „Das geht hier rein und da raus“, sagt sie und macht eine kurze Bewegung mit der Hand. „Ich konzentriere mich lieber auf die Leute, die wirklich Interesse haben.“ Sie hat akzeptiert, dass ihre Arbeit nicht allen gefällt. „Ich muss nicht im Mainstream ankommen.“ Sie zuckt mit den Schultern, eine gelassene Geste. „Ich weiß ziemlich genau, für wen ich das mache.“ Und auch, für wen nicht.

Silvermoon Threads: Realität oder nur ein Märchen?

Schwieriger als der Spott ist aber oft das Unsichtbare. Es gab Phasen, in denen Jasmin fast aufgehört hätte. Ein Jahr habe sie sich selbst als Grenze gesetzt. Wenn es bis dahin nicht läuft, ist Schluss. „Und dann hat es Klick gemacht.“ Kein großes Ereignis. Eher ein inneres Verständnis.

Die neue Kollektion von Silvermoon Threads ist seit April draußen. Foto: Rebecca Schell.

Auch die Frage, ob ihre Arbeit außerhalb ihrer Welt überhaupt gesehen wird, begleitet sie ständig. „Social Media gehört eben dazu“, sagt Jasmin, aber leicht fällt es ihr nicht. „Es ist verdammt schwer, und ich finde es stellenweise auch echt frustrierend“. Die Schnelligkeit, der ständige Druck, Inhalte zu produzieren, während eigentlich Stoffe zugeschnitten werden müssten und Beratungstermine anstehen. Sie weiß, dass es ohne kaum geht. Gleichzeitig fehlt ihr oft die Zeit und Energie. 

„Ich bin da nicht so gut drin, wie ich es gerne wäre.“ Beiträge entstehen zwischen Aufträgen, Reels bleiben liegen. Der Algorithmus ist kein Gegner mit Gesicht. Er ist einfach da. Und fordert Aufmerksamkeit, die sie lieber ihrer Arbeit widmen würde. „Ich würde mir manchmal schon wünschen, jemanden dafür zu haben.“ Jemanden, der sich kümmert, während sie näht. Noch ist das aber Zukunftsmusik.

Ein Atelier kommt selten allein

Beim Rundgang durch das Atelier öffnet Jasmin eine weitere Tür. Der Raum dahinter wirkt anders. Dunkler. Ernster. „Das ist die Werkstatt meines Mannes“, sagt sie. Hier steht eine Werkbank, darauf Metall, Werkzeuge. Ihr Mann fertigt Schmuck an. Dolche, Anhänger, Stücke, die fast so wirken, als wären sie dafür gemacht, zusammen mit Jasmins Entwürfen getragen zu werden. Zwei Räume, zwei Handwerke, eine Haltung. Arbeit ist hier kein abgegrenzter Bereich, sondern Teil des Lebens. „Das gehört alles zusammen“, sagt Jasmin. Und meint damit mehr als nur Räume, während sie den mit einem eher ausgefallenen Stein bestückten Ehering an ihrer Hand betrachtet.

Wenn Jasmin über die Zukunft von Silvermoon Threads spricht, bleibt sie vage. Nicht aus Unsicherheit, sondern aus Absicht. Ein eigener Laden vielleicht. Ein Raum mit Schaufenster. „Das wäre schön“, sagt sie. Irgendwann. „Aber nicht um jeden Preis. Ich möchte mir treu bleiben.“

Und wenn Jasmin sich zwischen Stoffen und Träumen wieder an ihr „Schätzchen“, die Nähmaschine setzt, werden die großen Fragen und Unsicherheiten leiser.

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