Stapeltor Duisburg: Von Baustelle zum sozialen Anker

Mittlerweile ist das Stapeltor das soziokulturelle Zentrum in Duisburg. 2021 war es noch eine Baustelle – damals war STROBO dort und hat mit Vorstandsmitglied Christian über Pläne und Hoffnungen für den Ort gesprochen. Fünf Jahre später trifft STROBO-Autorin Jamilia jetzt die Programmassistentin des Stapeltors, Samira. So hat sich das Stapeltor entwickelt.

Lesedauer: 5 Minuten

Samira stellt eine Cola auf den Tisch und setzt sich zu mir auf die Couch. Wir sitzen oben im Stapeltor. Ich fühle mich ein bisschen wie im eigenen Wohnzimmer. Samira findet es auch gemütlich und lächelt begeistert, als wir anfangen, über das Stapeltor zu sprechen.

Samira arbeitet bald drei Jahre im Stapeltor. Fotos: Yakob-Aziz König.

Stapeltor: ein Dritter Ort in Duisburg

STROBO: Wie bist du zu deiner Stelle im Stapeltor gekommen?

SAMIRA: Ich bin Mitte 2023 dazu gestoßen, da habe ich nach einem Job zum Studienanfang gesucht. Eine Bekannte war hier im Stapeltor aktiv und wusste von meiner Suche. Dann stolperte ich eines Morgens zu einer Teamsitzung und bin seitdem in verschiedenen Rollen aktiv. Jede Person macht ein bisschen alles, aber hauptsächlich mache ich Programmplanung, Projektkonzeption und Durchführung.

STROBO: Was ist das Stapeltor in deinen Worten?

SAMIRA: Ganz offiziell ist das Stapeltor ein soziokulturelles Zentrum. Unsere Räumlichkeiten sind für Unternehmen, Kollektive und Veranstalter*innen jeglicher Art zur Miete verfügbar – nicht nur für Workshops, sondern auch für Konzerte, Lesungen und weitere soziokulturelle Veranstaltungsformen. Das Stapeltor war schon immer ein Ort, an dem viele Leute zusammengekommen sind, die eine gemeinsame Vision hatten.

STROBO: Wie hat sich das Stapeltor entwickelt, seit du hier bist?

SAMIRA: Eigentlich ändert sich fast jeden Tag etwas bei uns – ob durch Wechsel der Teammitglieder und Helfenden, besondere Veranstaltungen oder neue Ideen. Die schönste Entwicklung für uns ist aber das ehrenamtliche Engagement! Wir haben vor allem im letzten Jahr viele neue Gesichter dazu bekommen, die das Stapeltor als sozialen Anker in Duisburg nutzen. Es ist fantastisch zu sehen, mit wie viel Liebe und Herzblut neue und eingefleischte Duisburger*innen unser Haus beleben.

Engagement mit „Herzblut“

STROBO: Man merkt die Vielfalt an eurem Programm. Hier gibt es ja wirklich sehr verschiedene Veranstaltungen. Habt ihr bestimmte Grundsätze bei so vielen Menschen, die zusammenkommen? Und was ist euch besonders wichtig bei den Veranstaltungen?

SAMIRA: Uns ist wichtig, den Duisburger*innen eine Stimme und einen Raum zu geben. Gleichzeitig haben wir aber natürlich auch ein Awareness-Konzept, wo wir auf Themen wie Parität achten, damit wir divers aufgestellte Veranstaltungen haben. Wir wollen, dass verschiedene Gruppen verinnerlichen, dass alle Veranstaltungen für alle sind. Wir wollen mit Leuten arbeiten, die genau diese Werte auch vertreten und die auf einen freundlichen und entspannten Umgang miteinander achten. Generell ist alles hier sehr locker und gemütlich, eben wie in einem Wohnzimmer.

Wohnzimmerflair, aber nicht zuhause: das Stapeltor ist als dritter Ort kostenlos. Foto: Yakob-Aziz König.

STROBO: Dann sind wir gespannt, was hier demnächst umgesetzt wird. Gibt es Erfahrungen aus deiner bisherigen Arbeit im Stapeltor, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

SAMIRA: Der Ort begeistert mich immer wieder neu, weil sich hier so viele kreative Menschen einbringen. Unser Team beweist sich immer wieder dadurch, dass wir so wenige sind und trotzdem einen Ort am Laufen halten, an dem so viel passiert. Ich mag die Dienstage, an denen so viele Menschen für unsere Austauschtage hier sind. Das ist wie in einem Zuhause: Der Techniktreff “Space 47” trifft sich, auf der Couch daneben sitzt der “Craft Club” Häkeltreff und dazu haben wir ab und an auch noch unten Veranstaltungen. Grundsätzlich ist es eine gemütliche Atmosphäre, bei der sich die Menschen den Raum nehmen und gestalten. Und Ich mache sehr gerne noch die Konzerte hier.

So geht Mitmachen

Das sagt Samira: Ehrenamtlich kann bei bestehenden Veranstaltungen geholfen werden: Hinter der Theke oder in der Küche beim solidarischen Projekt „Küche für alle“. Bei verschiedenen Treffs kann neben der Teilnahme auch eine aktiviere Rolle eingenommen werden. Wer eigene Ideen umsetzen möchte, kann sich mit einem Konzept an programm@stapeltor.de wenden. Da ist es immer gut, vorher einmal in unser Selbstverständnis zu gucken. Das Stapeltor lässt sich auch mieten, wenn man ein Unternehmen oder Kollektiv ist und den Raum für Workshops braucht. Da ist für jeden etwas dabei und wenn etwas fehlen sollte, dann sagt uns Bescheid.

STROBO: Was magst du besonders an den Konzerten?

SAMIRA: Ich bin selber Sängerin einer Prog Metal Band, Climbing Clouds, und freue mich natürlich, die Musikszene in Duisburg mitgestalten zu können. Vor allem die StapelCore Metal-Reihe ist ein wenig mein „Baby“ und ich bin unglaublich froh, so etwas in Duisburg Mitte anbieten zu können! FLINTA* und BiPOC sind in der Metal Szene unterrepräsentiert und ich hoffe mit dem Format Bands eine niederschwellige Bühne zu geben und die Möglichkeit sich zu vernetzen – da habe ich ein besonderes Auge drauf!

„Her mit dem ganzen Leben“: Im Stapeltor ist für jede*n was dabei. Foto: Yakob-Aziz König.

„Gemeinschaft in Zeiten, in denen viele sich allein fühlen“

STROBO: Was wünschst du dir für die Zukunft des Stapeltors?

SAMIRA: Ich wünsche mir, dass sich alle neuen Ideen hier gut einspielen und wir diesen Ort hier offenhalten. Man merkt ja auch, dass so ein Ort wie das Stapeltor sehr wichtig ist, an denen man auch ohne etwas bezahlen zu müssen sein kann. Gerade diese Gemeinschaft in Zeiten, in denen viele sich allein fühlen.

STROBO: Welche aktuelle Veranstaltung kannst du uns besonders empfehlen?

SAMIRA: Am 17.04 gibt es Hardcore auf die Ohren bei der vierten StapelCore Ausgabe mit Ritual, Giver und Dogs Out – hätte ich nicht selber einen Gig, wüsstet ihr wo ihr mich finden würdet! Es ist ein absolutes Highlight, weil ich Hardcore sehr mag und mir sicher bin, dass es eine gute Atmosphäre und einen coolen Abend gibt.

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