Unendliche Musikempfehlungen für das unendliche Festival

Das Bunt oder Blau Festival findet am 20. und 21. September im Dortmunder Junkyard statt. Am Wochenende wird der alte Schrottplatz jazz-lastig, funkig und mit jeder Menge Liebe zur Stadt gefüllt.

Lesedauer: 5 Minuten

Neuer Ort, neue Acts, neue Preise. 2022 startete das Bunt oder Blau als eintägiges Festival, ein Projekt von und für die Dortmunder Community. Seit dem findet es jährlich statt und dieses Mal nun tief im Dortmunder Norden, statt am Hafen. Aber das ist nicht die einzige Veränderung. Nachdem das Festival letztes Jahr erstmals Eintritt gekostet hat, kosten die Tickets für dieses Jahr noch ein gutes Stück mehr. Jetzt könnte man klischeehaft sagen “Kultur hat eben seinen Preis”, aber das hat sie nun mal auch. Und ohne Kulturförderung – die dieses Jahr leider für das Festival ausbleibt – müssen faire Gagen trotzdem bezahlt werden. Und das gekonnt kuratierte Line-up ist es wirklich wert.

Wer also einen extra Groschen locker hat, kann sich auf folgende Artists freuen – quasi STROBO-interne Geheimtipps aka meine Spotify-Bibliothek.

Salomea (Sonntag)

Da ich im Junkyard oft schon selbst hinter der Theke stand, muss ich als Primärquelle leider sagen, dass es dort keine Martinis gibt. Was blöd ist, denn wenn ich mich bei einer Band, mit ’nem Martini in der Hand, dicht gepresst an die Boxen stellen würde, dann bei Salomea. Ich liebe alles, was auch nur einen Funken Jazz beinhaltet und das werdet ihr allerspätestens nach deren Auftritt auch, denn Rebekka Salomeas Stimme ist das wärmste, was der deutschen Musik-Szene in den letzten Jahren passiert ist. Und die Musik nur auf Jazz zu reduzieren, kommt auch zu kurz, da steckt R&B, Soul, Hip-Hop und synthetische Keys mit drin und es ergibt so viel Sinn, sobald es zusammenkommt. Absolute Nr. 1 Empfehlung! Überzeugt euch selbst! Salomea – Adjustment Disorder.

ECHT! (Samstag)

Ja, echt, die sind auch da. Ich finde Bass ja toll, vor allem wenn er einem um die Ohren fliegt – und das wird er Samstagnacht auch. Die vier Belgier bezeichnen sich selbst als Electro-Organic und das passt tatsächlich ganz gut. Das ist so in etwa die Musik, bei der ich mir mit 12 vorgestellt habe, dass sie in Clubs läuft und dann beim ersten Mal in der Dorfdisko enttäuscht wurde. ECHT! wird euch dagegen nicht enttäuschen – ihre Musik ist quasi eine Ode an die Clubkultur. Da die Band ihren Sound aber eher mit Instrumenten, statt mit Technik erzeugen, wird der Live-Auftritt in einer Club-Venue tatsächlich best of both worlds.

Anfang des Jahres haben sie das Album Boilerism (weniger organisch, mehr mechanisch) herausgebracht. Für alle, die noch nicht von Spotify-Playlisten und Shuffle-Funktionen versaut wurden, ist das jetzt der Wink mit dem Zaunpfahl, sich das Album von vorne bis hinten anzuhören – ist leider nur ’ne dreiviertel Stunde. Ist euch das trotzdem zu lang, dann hört erstmal nur bei ECHT! – Highed rein.

Olivia Cuttill (Sonntag)

Frauen. Wirklich, was will man mehr? Kurzes Shoutout hier auch an die zwei männlichen Organisatoren des Events, die nicht denselben Bullshit durchziehen wie die meisten anderen Festivals. “Gerade Bandleaderinnen und Instrumentalistinnen an vorwiegend von Männern gespielten Instrumenten sind uns ein Anliegen im Sinne der Vorbildfunktion und Sichtbarkeit”, schreiben sie auf ihrer Website. Und dann holen sie Olivia Cuttill ins Line-up. Kuss an euch an dieser Stelle. Kennt ihr diesen Moment, wenn abends die Sonne durch einen Baum durchs Fenster scheint, alles tief orange leuchtet und der Schatten von den Blättern an der Wand tanzt – das ist Olivia Cuttill an der Trompete. Für alle, für die das noch kein Sinn ergibt, hört: Olivia Cuttill – Zen Out of Zen.

Gleichzeitig sorgt sie aber auch dafür, dass, selbst wenn ihr zwei linke Füße habt (so wie ich), ihr auf der Tanzfläche stehen wollt. Spätestens wenn Show Biz Casino läuft, werdet ihr eure Großeltern verfluchen, dass sie euch nie gezeigt haben, wie man vernünftig zu der Musik tanzt. Die komplette Packung also.

Mother Bear (Samstag)

Kurzer ungefragter Fakt zu meiner Wenigkeit: Ich war früher mal leidenschaftlicher One Direction Fan. Und während ich weder Boybands, noch Doom-Bands gezielt aussuche, gibt es einfach Dinge, die mich catchen. Damals haben vermeintlich süße Jungs ausgereicht und heute ist es das, was mich meine Kopfhörer schleunigst auf ein Ohrenarzt-feindliches Level aufdrehen lässt. Vielleicht geht es euch bei diesem Act ja genauso. Mother Bear ist eine Doom-Band. Was das ist? Tief gestimmte Gitarren, schwerer Sound, langsames Tempo und textlich dann Themen wie Angst und Verzweiflung gepaart mit Hoffnungslosigkeit. Spaßig! Aber für wen das was ist – und da zähle ich mich direkt mit dazu – der wird sich freuen, dass die Bande der Doom-Stoner-Rocker aus Dortmund kommt und einen verdammt guten Sound kreiert. Hier passt Bier statt Martini wohl ganz gut und das gibt es im Junkyard reichlich.

Vorfreude kreiert ihr hier am besten mit dem ganzen Album “Witch’s Hand” oder ihr gebt euch als Kostprobe Mother Bear – Beautiful Teeth.

Macky Messer (Sonntag)

“Dortmunder Urgestein” zu schreiben, wäre zu weit hergeholt, aber Macky Messer wurde bereits 2011 (damals noch als Soloprojekt von Menny Leusmann) gegründet. Zu dem Zeitpunkt war ich noch weit entfernt von Dortmund, bin jetzt aber pünktlich alteingesessen, um ganz viel Lokalpatriotismus zu verspüren, wenn sich Macky Messer mit ausgedehnten Gitarrenriffs und liebevoller (und gekonnter) Härte gegenüber dem Schlagzeug auf der Bühne ausbreitet. Diese Stadt bringt nun mal sehr viel Tolles hervor. Wer sich – mithilfe von lokal produzieren Indierock – davon selbst überzeugen mag, kommt spätestens am Sonntag zum Bunt oder Blau. Ich bin ja kein Fan von Vergleichen, aber die helfen an solch’ Ort und Stelle dann doch am besten: Fans von Queens of the Stone Age und The Strokes werden hier sicherlich glücklich.

Wenn ihr mir nicht glaubt, hört: Macky Messer – New Blood.

So Sorry (Sonntag)

Wir haben bereits etabliert, dass ich alles mit Jazz liebe. Bunt oder Blau ganz offensichtlich auch. Matthias und Sebastian (die Veranstalter) sind selbst komplett verwurzelt in der Szene und haben mich mit ihrer Auswahl bisher noch nicht enttäuscht. Hier jetzt also zuletzt eine Empfehlung für ein Quartett, auf das ich selbst maximal gespannt bin: So Sorry. Es ist zwar erst ein Song offiziell (abseits von Soundcloud) draußen, aber der läuft bei mir gerade auf Dauerschleife. FLINTA* am Bass und am Singen – lieb ich ja. Vor allem, wenn sie die Musik produzieren, die ich hören will, wenn ich auf dem Küchenboden sitze und eine Existenzkrise habe. Keine Sorge, live werden genügend Songs auf euch warten – die vier stehen nicht zum ersten Mal auf einer Festival-Bühne und ich für meinen Teil freu mich wahnsinnig drauf.

Nicht schwer also, hier erst mal nur einen Song zu empfehlen. Wirklich tut euch einen Gefallen und hört hier rein: So Sorry – Everytime you leave.

Sebastian Lindecke (l.) und Matthias Spruch (r.) sind die Macher vom Festival. Foto: Lennart Neuhaus.

Vielleicht kennt ihr die Organisatoren vom Bunt oder Blau schon von anderen Events, wie dem Discojazz. Da haben sie in den letzten Monaten reichlich Rubbellose für das Festival verteilt, schaut also noch mal in eure Geldbörsen rein, ob ihr da nicht was vergessen habt. Und ansonsten findet ihr hier Tickets. Wir sehen uns da!

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