„Es hat etwas mit Chemie zu tun“: Pop-Duo Janou bei den STROBO:Sessions

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Das Bochumer Duo Janou bietet Elektropop auf höchstem Niveau mit nahbaren, gefühlvollen Songtexten. In der Szene werden die beiden mit Größen wie London Grammar oder Lykke Li verglichen. Wieso die Wirkung ihrer Musik so einzigartig ist, lest ihr im Interview zu den STROBO:Sessions.

STROBO: Das Träumerische ist ein Motiv, das man immer wieder in Rezensionen über eure Musik liest. Wie erzeugt ihr diesen Effekt?

Jana: Ich glaube, das macht unsere Kombi. Marius ist im Songwriting sehr viel strukturierter als ich. Ich bringe immer das Chaos rein. Wenn wir das so zusammenrühren, ergibt das genau diesen Effekt. Es ist nichts, was wir forcieren können. Das passiert einfach. Es hat etwas mit Chemie zu tun.

Marius: Vielleicht ist es auch ein bisschen der Background. Jana war Singer-Songwriterin. Also eher in der ruhigeren, leicht melancholischen, träumerischen Musikrichtung unterwegs. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das auch daraus entwickelt hat. Die elektronischen Klänge waren für uns dann eine Welt, womit wir das alles ein bisschen ausbreiten konnten und nochmal ganz anders angehen konnten. 

STROBO: Wie muss ich mir das vorstellen, wenn ihr Songs schreibt?

Marius: Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, weil wir vorher beide unsere Songs für uns allein geschrieben haben. Das zusammen zu kriegen, war ein Kennenlernprozess. Nach wie vor ist es so, dass ich sehr viele Ideen habe und die alle irgendwie so raussprudeln. Jana ist jemand, die eher wenige Ideen hat, die aber alle mehr auf den Punkt sind. (Jana lacht)

Marius: Ich glaube, das ist inzwischen eine Stärke von uns geworden, dass wir einen Weg gefunden haben, unsere beiden Gemüter oder Stärken in diesem Bereich zu kombinieren und ein gemeinsames Songwriting zu finden. 

STROBO:Inside – Janou

Janou – das sind Jana und Marius, die seit drei Jahren gemeinsam Musik machen. Ursprünglich beide eher solo unterwegs, haben sie sich bei Proben für ein gemeinsames Konzert anlässlich der Pink Floyd-Ausstellung im Dortmunder U kennengelernt. Anfänglich noch stark von Folk beeinflusst, entwickelte sich ihre Musik immer mehr in Richtung Elektropop. 2020 veröffentlichten sie ihre erste Single„Sweet Love“, die wenig später vom Düsseldorfer Produzenten und DJ Mario da Ragnio geremixed wurde. Im August 2021 folgte ihre erste EP „What we found.“


Ihre Musik beschreiben die beiden selbst als: „Songs, die klingen wie Urlaub in einer Holzhütte auf dem Mars, das Behagliche gleich hinter der Eingangstür, die Weite des Universums auf der Veranda.“ Immer wieder werden sie von Musikkritiker:innen mit Größen wie London Grammar, Lykke Li und Rhye verglichen.  Der Name Janou kommt aus Janas Zeit als Singer-Songwriterin und ist eigentlich ein Spitzname für Jana von einer aus dem Iran stammenden Freundin.

STROBO: Wo nehmt ihr denn die Inspiration zu euren Texten her?

Marius: Ich bin weniger jemand, der Songs über die Weltpolitik schreibt, sondern eher an meinem Alltag dran. Oft schreibe ich Songs über Menschen in meinem Umkreis. Häufig sind es aber auch einfach Wörter, die mir gefallen. Irgendwelche Ausdrücke, Phrasen.

Jana: Da sind wir aber gleich gestrickt. Es ist nicht so, dass ich keine politischen Songs schreiben wollen würde, aber es kommt ja immer nur das aus einem raus, was rauskommt.

STROBO: In eurem Artwork in den Videos und auf den CDs hat man häufig diese Verbindung zwischen knallig bunten Farben auf der einen und Schwarz-Weiß auf der anderen Seite. Wieso habt ihr euch dazu entschlossen?

Jana: Ich bin ein totaler Bauchmensch. Und solche Dinge arbeite ich zu Hause nicht strategisch total lange aus. In unseren Songs versuchen wir tatsächlich eine Verbindung von Organik mit Neon zu schaffen, denn das ist das wie sich Janou mittlerweile anfühlt. 

Janou ist natürlich. Wenn man die Stimme in unseren Songs hört, bekommst du das Gefühl, dass sie direkt im Ohr sitzt und dir eine Geschichte erzählt. Und gleichzeitig ist die Kleidung drum herum aber modern, aufregend und auch mal grell. Wir mögen den Gegensatz gerne und finden, dass das in unseren Songs und auch in dem Artwork gut zusammenwächst. 

STROBO: Mich erinnert es ästhetisch an die 80er/90er. Habt ihr zu diesen Musikjahrzehnten eine besondere Verbindung?

Marius: Nicht besonders in dem Sinne, dass ich jetzt sagen würde: „Ich war schon immer der größte Fan der 80er.“ Mir gefällt der Musikstil aber sehr. Ich nehme das so wahr, dass die Musik und die Einflüsse von damals gerade viel um mich herum sind. Für mich ist es deshalb eine moderne Strömung, die in einem Retro Vibe gerade wiederkommt. Ich glaube, da können wir uns einfach ganz gut wiederfinden. 

Jana: So ganz losgelöst von persönlichen Erfahrungen ist es bei mir tatsächlich nicht. Meine Mama hat ganz viel Musik gehört und hatte viele CDs und Platten. Das steckt man vielleicht irgendwo weit hinten in die Erinnerungsschublade, aber ich glaube schon, dass das irgendetwas mit einem macht. Gerade Synthies feiern wir schon sehr. 

Hier wird am Sonntag der zweite Teil der STROBO:Sessions mit Janou veröffentlicht.

STROBO: Für eure erste Single Sweet Love habt ihr mit dem Düsseldorfer Produzenten und DJ Mario da Ragnio kooperiert. Was fasziniert euch am Techno?

Marius: Ich habe da so ein Bild vor Augen, das vielleicht ein bisschen naiv ist. Man denkt natürlich an einen Techno-Schuppen, einen Keller, in dem die Leute dazu tanzen. Das fand ich super, dass man aus einem eher getragenen einen tanzbaren Song machen kann. Außerdem hat man das Gefühl, Techno nimmt sich mehr Zeit als Pop. Dadurch, dass die Musikrichtung  in diesem Clubkontext funktioniert, braucht es einfach länger, bis sich Sachen aufbauen. Und es geht natürlich sehr viel darum, eine Dynamikkurve zu schaffen. Das hat mir auch sehr gefallen, dass man da die Möglichkeit hat, mal längere Bögen zu machen. 

STROBO: Was steht für Janou dieses Jahr an?

Jana: Wir haben auf jeden Fall ganz fleißig Songs geschrieben, aber so ganz genau können wir noch nicht sagen, wann was released wird. Außerdem haben wir unser Live-Set vorbereitet. Jetzt stehen wir quasi mit unserem gepackten Wanderrucksack und warten, was 2022 so bringt.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: XXXXXXXX: KOSTN bei den STROBO:Sessions.

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