Die 46. Duisburger Filmwoche startet: Motto, Programm und neue Kooperation

Von Montag, 7. bis zum 13. November ist es wieder soweit: Die Duisburger Filmwoche steht an. Rund 30 dokumentarische Kurz- und Langfilme könnt ihr euch im filmforum Duisburg anschauen. Über unfertige Filme, die Zusammenarbeit mit dem doxs! und was das Programm dieses Jahr bereit hält.

Bereits zum 46. Mal bietet die Duisburger Filmwoche Dokumentarfilmen eine Bühne – zum ersten Mal seit der Pandemie auch wieder die ganze Woche in Präsenz. Wie immer ist dabei der Diskurs nach dem Film zentral. Nach jedem Screening können sich Interessierte im Elbmarkhaus einfinden und beispielsweise mit Regisseur:innen und Produzent:innen über den Film und seine Themen diskutieren.

„Im Werden begriffen“: Das diesjährige Motto der Duisburger Filmwoche

Wie jedes Jahr hat die Filmwoche auch wieder ein Motto, einen kleinen Gedankenanreiz, der sich in allen Filmen wiederfinden soll, auch wenn diese nicht anhand des Mottos ausgewählt wurden. Wieso das Festival sich für das Zitat „Im Werden begriffen“ des ungarischen Filmkritikers Béla Balázs entschieden hat, erklärt Festivalleiter Alexander Scholz: „Der Dokumentarfilm, zumindest so wie ich ihn schätze, ist ein Medium, das im Gegensatz zum Spielfilm, der Wirklichkeit noch beim Werden zuschaut und nicht versucht, sein fertiges Wissen und seine fertigen Meinungen an der Realität zu bestätigen.“

Filme, die für eine gewisse Offenheit und Überraschung stünden, hätten in Duisburg Tradition. „Außerdem hoffe ich, dass sich das Motto auch in den Diskussionsteil des Festivals trägt.  Dass wir uns dort nicht mit fertigen Urteilen und Kategorien begegnen, sondern dass auch die Auseinandersetzung mit dem Film nicht abgeschlossen ist“, sagt Scholz.

Festivalleiter Alexander Scholz. Foto: Tilman-Lothspeich.

Darüber hinaus möchte das Festival mit dem Motto auch Kritik üben: „In gewisser Weise ist das Motto auch eine Kritik und ein Appell an die Geber:innen von Fördergeldern, Filmschaffenden zu vertrauen. Viel zu oft bekommen nur Filme Fördergelder, deren Ausgang schon bekannt ist und das limitiert natürlich ungemein“, erklärt Scholz: „Wir setzen uns dafür ein, dass Filmschaffende auch mal die Chance bekommen, loszuziehen und sich der Realität auszusetzen, ohne den genauen Ausgang zu kennen.“ 

Programm der Duisburger Filmwoche: Duisburg, Umwelt und Außenseiter:innen

Auch wenn das Programm der Duisburger Filmwoche keiner klaren Linie folgt, haben sich in diesem Jahr vor allem drei Besonderheiten hervorgetan. So gibt es in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Filme, die unmittelbar mit Duisburg zu tun haben oder gewisse Parallelen aufweisen. Zu nennen sind da beispielsweise „Vlog #8998 | Korean Karottenkuchen & Our Makeup Routine“ über ein getrenntes Schwesternpaar, die eine in Duisburg, die andere in Korea lebend, oder „Nakskov 1:50” über die teils sehr vertraut wirkenden Strukturen der dänischen Industriestadt Naskov.

 Im Zentrum steht aber „Dunkelfeld“, der während des gesamten Festivals als Installation zu sehen ist. „Dunkelfeld“ thematisiert den Brandanschlag 1984 in Duisburg-Wanheimerort auf ein Wohngebäude, in dem sogenannte Gastarbeiter:innen lebten. Gemeinsam mit der Initiative „Duisburg 1984“ erfolgt am Freitag, 11. November, um 10 Uhr eine Podiumsdiskussion über die fragwürdige Ermittlung und Aufarbeitung des Anschlags.

Außerdem finden sich viele Geschichten über das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Mit „Tara“ eröffnet das Festival am Montag, 7. November, um 21 Uhr und erzählt vom „Fluss des Glücks“ im süditalienischen Taranto. Ein Fluss, bei dem romantischer Volksglaube auf wissenschaftliche Realität trifft, wenn es plötzlich heißt, das benachbarte Stahlwerk hat den Fluss so verseucht, dass er nicht mehr zum Baden geeignet ist. Der eine oder die andere mag darin auch Parallelen zur Ruhr erkennen.

Auch Filme über vermeintliche Außenseiter:innen sind zu entdecken. „Miyama, Kyoto Prefecture“ erzählt am Samstag, 12. November, um 14 Uhr die Geschichte eines Mannes, der im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, seit 30 Jahren in der Nähe Kyotos lebt und seinen Lebensunterhalt mit traditionellem Reisanbau und dem Spielen der Shakuhachi-Flöte verdient.

Quasi als Gegenentwurf zeigt „Aşk, Mark ve Ölüm“ am Mittwoch, 9. November, um 16.15 Uhr Uhr den Werdegang türkischer Musik in den Mainstream, umgeben von rassistischen Anschlägen unter anderem auch in Duisburg-Wanheimerort. Für Festivalleiter Alexander Scholz „ein Film, der mit einer Selbstverständlichkeit von einer pluralistischen und integrativen Gesellschaft spricht, die mir total imponiert.“

Filmfestival: Routine und Zusammenarbeit mit dem doxs!

Nachdem das letzte Jahr für die Organisierenden des Festivals eine echte Belastungsprobe gewesen sei – die bestehende Leitung hatte sich kurzfristig zurückgezogen – berichtet Alexander Scholz in diesem Jahr von einem angenehmen Arbeiten. Viele Abläufe seien schon erprobt gewesen und hätten besser geklappt. Dazu seien außerdem viele Hindernisse der Pandemie weggefallen. So habe es auch deutlich mehr und diversere Filmeinreichungen als in den letzten Jahren gegeben. Eine Folge aus den Kooperationen mit Filmfestivals in Berlin und Zürich. 

Am prägnantesten dürfte die enge Zusammenarbeit mit dem doxs!, dem Kinderdokumentarfilmfest Duisburgs, sein. Als Resultat steht am Dienstag, 8. November, um 10 Uhr mit „Vlog #8998 | Korean Karottenkuchen & Our Makeup Routine“ ein gemeinsam gezeigter Film an, der sich vor allem mit der Selbstdarstellung durch – und den Gestaltungselementen von Social Media befasst.

Aber auch die Konferenz „Über Altersgrenzen“ am Montag, 7. November ist Teil der Kooperation. Hier soll darüber gesprochen werden, welche Altersgruppe welche Filme erreichen und wie es möglich ist, darüber hinauszugehen. Alexander Scholz sieht in der Zusammenarbeit eine große Chance: „Die Filmwoche ist seit Jahren ein wichtiger Teil der Erwachsenenbildung. Wir arbeiten mit Hochschulen zusammen und werden von Studierenden und Interessierten aus ganz Deutschland besucht. Das doxs! arbeitet vor allem mit Kitas und Schulen der Primar- und Sekundarstufe zusammen und ist ein wichtiger Teil der Jugendbildung. Wir wollen in diesem Jahr gucken, was wir daraus mitnehmen können.“ Scholz und das Team der Filmwoche sehe immer wieder, wie anders Kinder und Erwachsene Dinge verarbeiten. „Von daher bin ich auch wahnsinnig auf die Diskussion nach unserem gemeinsamen Film gespannt“, sagt der Festivalleiter. 

Das gesamte Programm, Tickets und weitere Infos findet ihr auf der Website des Festivals.

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