„Die hätten wohl Angst vor mir“ – meistgepiercter Mann Rolf Buchholz im Interview

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Der Dortmunder Rolf Buchholz hat über 500 Piercings, davon 278 im Intimbereich. Damit ist er seit zehn Jahren Weltrekordhalter. Bis auf sein Gesicht ist sein gesamter Körper zusätzlich tätowiert.  Wie er dazu gekommen ist, verrät er im STROBO: Talk. 

 STROBO: Rolf, 90% deines Körpers sind mit Tattoos bedeckt. Was war das erste Tattoo, dass du dir hast stechen lassen?

Rolf Buchholz: Das erste Tattoo ist dieses Muster hier an der Wade. Das habe ich mir 1999 stechen lassen. Mittlerweile habe ich so viele Tattoos, dass ich die gar nicht zählen kann. Denn wo hört ein Tattoo auf und wo beginnt ein neues? (lacht) Das ist schwer zu sagen. Heute sind ja alle irgendwie miteinander verbunden und es ist ein großes Tattoo.

STROBO: Wie kam es dazu, dass du dich am ganzen Körper piercen und tätowieren lassen hast?

Rolf Buchholz: Da habe ich schon oft darüber nachgedacht, aber eigentlich nie eine Antwort darauf gefunden. Ich hab einfach angefangen, hatte Spaß daran und dann ist immer mehr daraus geworden. Es war also nicht geplant oder eine bewusste Entscheidung.

STROBO: Inside

Rolf Buchholz ist 1959 geboren und kommt aus Dortmund. 1999, also im Alter von 40 Jahren, hat er sich das erste mal piercen und tätowieren lassen. Neben seinen Piercings und Tattoos hat er viele weitere Body Modifications (also Veränderungen des menschlichen Körpers). Er hat eine gespaltene Zunge, zwei Implantate in Form von Hörnern auf dem Kopf, ein Transdermal (unter der Haut liegendes Implantat, dessen Gewinde über der Hautoberfläche liegt) auf der Stirn, rautenförmige Implantate an den Handoberflächen und Magnetimplantate an den Fingerspitzen. 

Foto: Lukas Staab.

STROBO: Deine Tattoos sind nicht das Einzige, was bei dir extrem hervorsticht. Mit der Anzahl deiner Piercings bist du Weltrekordhalter. War das dein Ziel? 

Rolf Buchholz: Nein, das war nicht mein Ziel. Ich wusste halt, was der alte Rekord war und wurde dann oft gefragt, wie viele Piercings ich denn habe. Da hatte ich schon erheblich mehr als der alte Weltrekord. Dann habe ich das beim Guinness Weltrekord angemeldet und jetzt bin ich da auch schon seit zehn Jahren der Weltrekordhalter.

STROBO: Gibt es ein Tattoo oder Piercing, dass du bereust?

Rolf Buchholz: Das gibt es so nicht! Ich mag alle meine Piercings und Tattoos. Sie sind einfach ein Teil von mir. Da bereue ich nichts.

STROBO: Würdest du deinen eigenen Körper als Kunstprojekt bezeichnen?

Rolf Buchholz: Nein, nicht wirklich. Ich habe einfach das gemacht, was ich machen wollte und mir gefiel. Als Kunstwerk sehen mich vielleicht eher andere, ich selbst aber nicht.

STROBO: Du hast vor über 20 Jahren mit dem Tätowieren und Piercen angefangen: Was empfindest du dabei? 

Rolf Buchholz: Also Schmerz kann ich genauso wie vorher empfinden. Ich glaube, der Körper kann sich daran gar nicht gewöhnen. Es gibt halt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Tattoos und Piercings. Piercen geht sehr schnell – wenn man was merkt, ist die Nadel schon durch und es ist vorbei. Tattoos dauern lange, teilweise viele Stunden, und dann tut es halt schon weh. Wenn man das Tattoo wirklich haben will, hält man das aber auch aus.

STROBO: Was für ein Feedback bekommst du von Leuten aus der Szene? 

Rolf Buchholz: Also erstmal kennt mich da halt jeder, weil ich ja auch viel reise und immer unterwegs bin. Ob ich in der Szene jetzt sowas wie ein Star bin, ist schwierig zu sagen, denn wie definiert sich das? Bin ich ein Star, wenn mich Leute umlagern? Auf jeden Fall finden mich alle immer interessant. Dadurch, dass ich im Guinness Buch bin und das eines der meistgelesenen Bücher rund um die Welt ist, bin ich für die Leute auch international was Besonderes. Eigentlich will in das Buch ja jeder rein, aber nicht jeder schafft es (lacht).

STROBO: Wie begegnen dir die Menschen in der Öffentlichkeit?  

Rolf Buchholz: Es kommen schon viele Leute auf mich zu, aber die Fragen sind immer die Gleichen: „Tut das weh?“, oder „Wie viele sind das?“ Viele sagen dann auch, dass sie mich im Fernsehen gesehen haben. Und damit sind die meisten Gespräche dann schon geschafft.(lacht) Dass jemand wirklich tiefes Interesse hat, kommt selten vor. 

STROBO: Bekommst du auch manchmal negative Kommentare zu hören?

Rolf Buchholz: Negative Kommentare bekomme ich auf der Straße eigentlich nie. Wenn man sich jetzt aber zum Beispiel mal die Kommentare bei Facebook ansieht, sieht das ganz anders aus. Aber ich glaube, das ist normal und trifft nicht nur auf mich zu. Da sind die Leute dann halt anonym und trauen sich mehr. Wenn unter einem Post 1000 Kommentare sind, dann fange ich gar nicht erst an, mir die durchzulesen.

STROBO: Was sagen deine Familie und dein enges Umfeld zu deinen Tattoos und Piercings?

Rolf Buchholz: Das ist alles soweit akzeptiert. Die haben mich einfach mein Ding machen lassen. Ich habe es auch irgendwie immer geschafft, mich durch das ganze Leben durchzubalancieren. Es gab nie irgendwelche Probleme wegen meiner Tattoos oder Piercings.

STROBO: Du gehst ja als Informatiker bei der Telekom auch einem eher weniger extravaganten Job nach.

Rolf Buchholz: Auch da gab es nie Probleme. Ich habe da mit Sicherheit auch Glück mit meinem Chef gehabt. Als ich in dem Job angefangen habe, sah ich aber auch noch nicht so aus wie jetzt.

Foto: Lukas Staab.

STROBO: Hattest du schon Erlebnisse, bei denen du dachtest, du hättest sie nicht erlebt, wenn du keine Tattoos und Piercings hättest? 

Rolf Buchholz: Mir fällt direkt die Sache in Dubai ein. Da war ich eingeladen für eine Show im Club und hatte auch eine Arbeitserlaubnis. Bei der Einreisekontrolle wurde ich dann angehalten und ausgewiesen. Eine offizielle Begründung gab es dafür nie. Die Leute, die mich zum Flugzeug zurückgebracht haben, meinten, dass es an meinen Hörnern liegen würde. Die hätten wohl Angst vor mir, weil ich der Teufel wäre. 

STROBO: Was an deinem Körper möchtest du unbedingt noch verwirklichen?

Rolf Buchholz: Ich habe nie einen Plan, also gibt es für die Zukunft auch keinen. Wenn ich etwas will, dann mache ich es einfach und wenn nicht, dann eben nicht.(lacht) Gerade habe ich nichts Spezielles im Kopf, aber ich schließe auch nicht aus, dass ich nochmal was machen lasse.

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