Theaterkollektiv Operation Memory beschäftigen sich mit dem Erinnern

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Wie erinnern wir? Was steht dabei im Vordergrund und was verdrängen wir? Welche Lücken entstehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Theaterkollektiv Operation Memory. STROBO hat die drei Mitglieder Maria Babusch, Alex Glanc und Julienne De Muirier getroffen.

„Im Grunde haben wir schon lange zusammengearbeitet, ohne es Arbeit zu nennen” sagt Julienne De Muirier, „wir dachten, jetzt müssen wir auch mal etwas nach außen machen und nicht nur für uns selbst.” Nachdem sie schon lange Texte und Ideen ausgetauscht haben, haben sich Maria Babusch, Alex Glanc und Julienne deshalb im vergangenen Herbst zum Theaterkollektiv Operation Memory zusammengeschlossen. Alle drei haben schon Erfahrungen in verschiedenen Bereichen des Theaters gesammelt, aber ein ganz eigenes Projekt haben sie noch nie verwirklichen können. 

Regielabor in Herne 

Ausschlaggebend für die Gründung war eine Ausschreibung des Theater Kohlenpott in Herne. „Wir haben den Open Call gesehen und das Regielabors war ein Anreiz für uns, unser eigenes Projekt zu entwickeln”, erklärt Maria. Das Thema konnte frei ausgewählt werden und so ist die Idee zum Stück Do You Remember? entstanden. Aufgeführt wird es im Alten Wartesaal in Herne unter dem Format Junge Szene Kohlenpott. Premiere ist am 29. Oktober. Danach wird es am 30.10., 3.11. und 4.11. im Alten Wartesaal in Herne aufgeführt. 

Gerade steckt das Kollektiv mitten in den Proben mit den zwei Performer:innen. Wie erinnern wir? Was steht dabei im Vordergrund und was verdrängen wir? Welche Lücken entstehen? Wie entsteht ein kollektives Erinnern und wie funktioniert individuelle Erinnerung? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die drei.  „Unser Stück ist programmatisch für die Themen, die wir sowieso besprechen. Wir beschäftigen uns alle sehr viel mit Erinnerungen.”

Der Alte Wartesaal in Herne ist ein Ort mit dem viel Leben verbunden ist und in dem viele Erinnerungen entstanden sind. Ein passender Ort für die Inszenierung von Operation Memory. Im Stück soll über Erinnerungen und den Prozess des Erinnerns durch das Begehen verschiedener Orte gesprochen werden. Dafür nutzt das Kollektiv Bühne und Kostüm auf abstrakte Weise. „Erinnern und Verdrängen sind zwei Pole, die sich bedingen. Wir brauchen Erinnerungen um zu überleben, aber gleichzeitig lässt sich der Prozess des Erinnerns nicht wirklich begreifen. Alles ist sehr flüchtig”, sagt Maria.

Foto: Leopold Achilles.

Neues Residenzprogramm in Dortmund 

Auch ein zweites Projekt ist bereits in Planung und wird im Schauspielhaus in Dortmund umgesetzt. „Wir waren in Kontakt mit Megha Kono-Patel, der Stadtdramaturgin und haben über junge Theaterschaffende gesprochen. Wie offen sind die Häuser dafür, jungen Menschen eine Möglichkeit zu geben, ihre Ideen umzusetzen? Wenn man noch nichts eigenes auf dem Lebenslauf hat?”. erzählt Alex. Sie sollten dann als Theaterkollektiv ein Konzept einschicken. Das Schauspielhaus bietet nun eine Art Residenzprogramm an, bei dem sich junge Künstler:innen aus der Region bewerben können und eine Regieposition zugesprochen bekommen, um eine eigene Produktion zu machen. Und Operation Memory sind die Ersten, die es bespielen dürfen. 

Weiblichkeit  und Performance

Das Stück, das das Kollektiv dort im nächsten Jahr zeigen wird, heißt Cherchez La Femme, eine französiche Redewendung, die übersetzt „Sucht die Frau” heißt und „Da steckt sicher eine Frau dahinter!” bedeutet. Auch in diesem Stück werden Erinnerungen wieder eine zentrale Rolle spielen. „Unsere Stücke decken sich besonders in unserer Vorgehensweise – dem Durchforsten unseres eigenen, aber auch des kollektiven Gedächtnisses”, sagt Julienne. In Cherchez La Femme soll es um Perfomativitäten von Weiblichkeit in der Welt des Theaters gehen.

„Wir wollen sowohl historisch schauen, welche Performer:innen eine Formen von Feminität – was ist das überhaupt? – genutzt haben um zu überleben, um Geld zu verdienen. Gleichzeitig wollen wir rekonstruieren, was sich alles in dieser Vorgehensweise sammelt, Bilder, Ideen und alles was man gelernt hat” fügt sie hinzu. Die Arbeit an diesem Stück mit dem Schauspielhaus Dortmund bringt für das Kollektiv viele neue Erfahrungen mit sich. „Es gibt die Dramaturgie, Ausstattung, Regieassistenz und alle üblichen Positionen. Das ist spannend, weil es ein neuer Schritt ist, mit einem größeren Team zu arbeiten und so viele Expertisen zu haben, die wir natürlich noch nicht haben”, sagt Maria. 

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