Zwischen Urlaubsfeeling und Ernsthaftigkeit: Singer-Songwriter Leo Karter im Interview

Der Oberhausener Singer-Songwriter Leo Karter macht Indie-Pop mit lateinamerikanischen Einflüssen. Warum er häufig lieber auf Portugiesisch singt und welche Herausforderungen er als Newcomer hat, lest ihr im STROBO:Talk.

STROBO: Leo, es gibt ja schon eine Menge männlicher Singer-Songwriter, die Indie-Pop machen – warum sollten wir dich auch noch zu unserer Playlist hinzufügen?

Ich bin einer der wenigen, die so einen gewissen lateinamerikanischen Einfluss in der Musik haben und auch Instrumente wie Trompete, Posaune oder auch ein Streichquartett dabei haben. Musikalisch ist das eine Mischung aus The Strokes und Rodrigo Amarante.

STROBO: Deine Musik klingt ja relativ entspannt und hat immer auch ein gewisses Urlaubsflair – Was inspiriert dich dazu? 

Soundmäßig klingen meine Songs schon oft leicht. Die Texte entstehen aber meistens, wenn mir irgendetwas auf der Seele brennt, was ich mit Gesprächen nicht so gut loswerden kann. Diese Gefühle verarbeite ich dann in Songs. So sind die meisten Songs eigentlich eher aus negativen Gefühlen entstanden. Soundmäßig versuche ich das dann aber ein bisschen fröhlicher zu verpacken, ein bisschen leichter zu machen – und die Mischung ist dann meistens ganz gut.

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STROBO: Häufig singst du auch auf Portugiesisch. Welche Bedeutung hat die portugiesische Sprache für dich?

In Kontakt gekommen bin ich mit der Sprache, weil meine Freundin aus Brasilien kommt. Wir haben auch angefangen brasilianische Musik zu hören. Irgendwie hat mich das auch direkt gecatched. Da war vor allem die Band Los Hermanos für verantwortlich. Die Texte sind sehr poetisch und der Klang der Sprache hat mich irgendwie beeindruckt, weil ich das vorher noch nie wirklich gehört habe. Das fand ich dann so schön, dass ich immer mitgesungen habe und versucht habe, die Sprache auch zu lernen. Durch die Musik habe ich mir die Sprache also selbst beigebracht und im letzten Jahr habe ich dann auch einen Portugiesisch-Kurs an der Uni belegt.

Foto: Patrick Zajfert.

STROBO: Bald soll es wieder neue Musik von dir geben, auch deine erste EP soll bald rauskommen – worauf können wir uns da denn freuen?

Auf der EP wird man manche Songs vielleicht schon kennen, aber in einer anderen Version.  Der Sound wird eher ein bisschen rockig und mehr nach Live-Sound klingen. Auch ein paar sehr energetische Songs sind dabei. Und auch die Bläser sind bei drei von fünf Songs wieder am Start. Das Ganze soll dann irgendwann im Sommer erscheinen – wir arbeiten gerade noch ein bisschen an ein paar Stellen. Aber ich freu mich schon, wenn ich’s endlich zeigen kann.

STROBO: Was war bei der Produktion deine größte Herausforderung?

Tatsächlich das Finanzielle – also an genügend Geld für eine EP-Produktion ranzukommen ist nicht einfach, wenn man nicht ausgerechnet reiche Eltern hat. Vor allem wenn man gerade am Anfang steht, hat man halt noch keine großen finanziellen Ersparnisse, die einem aushelfen können oder irgendein großes Budget, wie krasse Stars es haben. Gerade als Newcomer hängt daher auch vieles von Kontakten und glücklichen Zufällen ab.

STROBO: Du hast auch bei der Reihe „Durch die Pandemie“ vom Label Indie Radar Ruhr mitgemacht. In kleinen Sessions konnten Künstler:innen so trotz Pandemie ihre Musik mal wieder präsentieren. Natürlich trotzdem nur digital. Was macht für dich denn hingegen der Live-Moment aus?

Live spiele ich ja auch mit einer Band und zum einen die Energie zu spüren, die von den Musikern und einem selber kommt, macht den Live-Moment für mich sehr aus. Auf der anderen Seite aber natürlich auch die Reaktion des Publikums. Ich spiele bei Konzerten ja fast ausschließlich eigene Songs. Da ist es natürlich immer interessant zu sehen, wie das Publikum auf die Songs reagiert, die es meistens vorher noch nie gehört hat.

STROBO: Was war denn dann bisher dein Auftritts-Highlight?

Da erinnere ich mich immer sehr gern an das einzige große Konzert aus dem letzten Jahr. Da haben wir in Dorsten gespielt bei Oude Marie. Als Zugabe haben wir am Ende den ersten Song nochmal gespielt, weil wir eigentlich keine geplant hatten. Und bei dem Song hat dann auf einmal das ganze Publikum mitgesungen. Das ist auch irgendwie mit die schönste Sache, die für mich bei einem Live-Konzert passieren kann: Wenn das Publikum den Song auch mitfühlt und mitsingt und man merkt, dass man den Menschen gerade eine Freude bereitet.

STROBO: Was möchtest du mit deiner Musik bei den Leuten bewirken?

Wenn ich die Songs schreibe, dann erstmal mit der Intention, mir selber zu helfen. Weil ich häufig über Themen schreibe, die ich selbst irgendwie verarbeiten möchte. Aber natürlich finde ich es auch mega, wenn auch noch andere Menschen die Message von meinen Songs nutzen, um mit ihren Problemen besser umgehen zu können. Oder beim Hören denken: „Oh krass, so hab ich mich auch schon gefühlt“ oder „so fühl ich mich gerade und das hilft mir jetzt irgendwie“.

STROBO: Du bist ja nicht nur Musiker, sondern studierst auch. Was geht bei dir vor: Musik oder Studium? 

Auf jeden Fall die Musik. Das Studium ist eher als Plan B gedacht – von meiner Seite aus, ich glaube, meine Familie würde da was anderes sagen. Aber vor allem im letzten Jahr ist mir immer klarer geworden, dass ich eigentlich für die Musik lebe und brenne und dass ich froh sein kann, dass ich das jetzt auch schon für mich entdeckt habe. Ich glaube manche Leute werden in ihrem ganzen Leben nie genau wissen, was eigentlich das Perfekte für sie oder ihre Leidenschaft ist.

STROBO: Mal angenommen, du müsstest dir aber ein Leben ohne Musik vorstellen. Ergänz’ doch mal den Satz: Ein Leben ohne Musik wäre…

… wie betäubt. Musik intensiviert und verkörpert Emotionen – egal ob negativ oder positiv. Ohne Musik würden einfach einige Emotionen fehlen. Musik bringt Menschen zusammen, sei es auf Konzerten, in Clubs, auf Partys oder im Chor. Musik gehört einfach zu der Menschheit und vielleicht auch zum Menschsein dazu. 

STROBO: Viele träumen von Welttourneen, Riesen-Stadien und Groupies – Wie stellst du dir deine musikalische Zukunft vor? 

Ich habe keine bestimmte Größe an Popularität im Kopf – das ist mir auch gar nicht wichtig. Es gibt sehr viele verschiedene Musiker:innen mit unterschiedlichsten Anzahlen von Fans und die können alle irgendwie davon leben. Mein größter Traum ist eine Welttournee oder zumindest eine etwas größere Tournee, wo ich einfach viele schöne Orte kennenlernen kann und die Menschen vor Ort auch mit meiner Musik erreichen kann. Das ist mein größter Wunsch.

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