Coversongs als Inspiration: Hagener Musiker Tim Neuhaus im Porträt

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Der Hagener Tim Neuhaus tourte schon mit Clueso durch Deutschland und stand mit der Blue Man Group auf der Bühne. Aber auch Solo ist er musikalisch unterwegs. Mit STROBO hat Tim über seinen Werdegang und seine neu erschienene Cover-EP „ECHOES Vol.1“ gesprochen. Ein Porträt. 

Die Corona-Pandemie veränderte die Kunst- und Kultur-Branche komplett und sorgte für eine Schockstarre bei vielen Künstler:innen. So aber nicht bei Tim Neuhaus (42), der die konzertfreie Zeit nutzte, um sich einen seiner Träume zu erfüllen. Im Dezember 2020 spielte er ein Streaming-Konzert im Knust in Hamburg. Dabei standen aber nicht seine eigenen Lieder im Vordergrund, sondern seine liebsten Cover-Songs. Der Abend war der Beginn zu seiner neuen Mini-Album-Reihe ECHOES, in der er ausschließlich Cover spielt. Jetzt erscheint mit Echoes Vol.1 die erste EP der Reihe.

Echoes Vol.1: Tim Neuhaus zollt seinen musikalischen Helden Tribut

Seine erste EP dreht sich um Tims männliche musikalische Helden, die ihn in seiner Entwicklung zum Musiker geprägt haben. Schon mit rund zehn Jahren entwickelte Tim seinen eigenen Musikgeschmack, denn er brauchte etwas anderes als seine Eltern: „Es fing mit Guns n´Roses und Aerosmith an und ging dann irgendwann in den Grunge über mit Stone Temple Pilots und Smashing Pumpkins“, erinnert er sich zurück. Die Smashing Pumpkins finden auch einen Platz auf dem Tribut-Album des Hageners. Dabei handelt es sich aber nicht um einen klassischen Song der Band, sondern um einen  „Nebenbei-Song”, wie Tim ihn nennt. Daydream wird nämlich als einziger Song von der Bassistin der Band gesungen und hat somit eine weibliche Leadstimme. Für Tim ist es außerdem ein Lied, bei dem man sehen würde, wer sich mit der Bandgeschichte auskennt. Aus Daydream hat der 42-Jährige seine ganz eigene Version gemacht, bei dem auch seine Leidenschaft für die Musik herauszuhören ist – man hört, wie viel Gefühl er mit seiner Stimme in das Stück bringt. 

Auch während seiner Studienzeit in Weimar war der Song ein ständiger Begleiter des Musikers: „Nachts, wenn ich manchmal viele Fragen hatte und durch die Stadt gefahren bin, hatte ich den Song auf Repeat”, erzählt Tim zurückblickend. 

Die Zeit bei Clueso

Das Studium in Weimar begann er aus zwei Gründen: Einmal war ein Professor der Grund. Tim lernte ihn bei der Aufnahmeprüfung kennen und es war quasi Liebe auf den ersten Blick. Der andere Grund war deutlich einfacher. „Damals war Google noch ganz neu und die ersten drei Vorschläge waren Enschede, Köln und Weimar und wir dachten, es seien die einzigen Musikhochschulen“, lacht Tim. 

Auf der Weimarer Hochschule der Musik lernte er eine mulitiinstrumentale Sichtweise kennen. Neben dem Schlagzeug spielt der ehemalige Hagener unter anderem Gitarre und singt.

2001 trat Tim der Band von Clueso bei, nachdem dieser bei einer Session im Raum stand. Thomas Hübner, wie er mit bürgerlichen Namen heißt, suchte eine Band und wurde an diesem Tag fündig. „Toll daran war, dass wir neben dem Studium Musik gemacht haben, und sogar über das Studium hinaus für 15 Jahre eine Band waren”, erzählt der Singer und Songwriter stolz. Nach zwischenzeitlichen Ausstieg arbeitete er bei dem Album Neuanfang von 2014 wieder mit Clueso als Instrumentalist und Co-Produzent zusammen. 

Von der Blue Man Group zum eigenen Label-Signing

Nach seinem Studium 2004 zog es Tim in die Hauptstadt, der Grund weshalb er Clueso zwischenzeitlich verlassen musste. Eine schmerzhafte Trennung, aber es habe sich damals nicht mit dem Umzug vereinbaren lassen. „Es war notwendig, denn ich habe gespürt, dass ich in die große Stadt möchte“, bemerkt der Drummer.

In der Hauptstadt begann der damals 24-Jährige bei der Blue Man Group zu arbeiten. Dort arbeitet er auch heute immer mal wieder. Er sieht es als seine musikalische Familie und sein Homebase an. Während der Zeit startete Tim außerdem eigene Projekte. 

In Eigenregie veröffentlichte Tim seine ersten beiden Alben in den Jahren 2005 und 2007. Zu dieser Zeit war er noch relativ unbekannt in der Musikwelt, aber durch seine Arbeit mit Clueso öffneten sich die ersten Türen. Dann sollte seine eigene Band in Berlin folgen. Aber zusammen mit der Blue Man Group zog es Neuhaus nach London.  Dort spielte er einmal im Monat in Clubs seine eigenen Songs. Zurück in Berlin sollte es dann mit einer eigenen Band weitergehen. Drei, vier Jahre später gab es für ihn dann einen Plattenvertrag bei dem Label Grand Hotel van Cleef (GHvC), dort ist er bis heute. 2010 veröffentlichte er dann seine erste EP bei dem Label. 

Solo oder als Band – Aber immer mit Freunden

Aber nicht nur Solo, für die Blue Man Group oder Clueso ist der Hagener tätig. Von 2011 bis 2015 tourte Tim viel als Mitglied von TOUR OF TOURS, einer Indie-Rock-Bigband bestehend aus ihm, HONIG, Town of Saints, Ian Fisher und Jonas David. Außerdem arbeitete er mit Konstatin Wecker, Die Höchste Eisenbahn, Udo Lindenberg, Glen Hansard und vielen weiteren nationalen und internationalen Künstler:innen zusammen.

Dabei entstanden einige neue und gute Freundschaften. Wie wichtig ihm die Freundschaft ist, sieht man auch auf ECHOES VOL.1, wo er den Toy-Story-Song  You´ve Got a Friend in Me von Randy Newman covert. Für Tim ist es ein Liebeslied an die Freundschaft. „Der Song ist einfach Euphorie pur“, lacht er.  Weil Freundschaft für ihn mit am wichtigsten ist, entstand das Album zusammen mit Freund:innen und Wegbegleiter:innen. So spielt Musikerin Anne de Wolff, die früher Teil der Rosenstolz-Band war, alle Streicher, die originale CABINET-Band unterstütze ihn bei Northern Sky. Außerdem halfen ihn noch Ulrich Rode, Andi Fins, Friedrich Strömer und Michael Schwabe. 

Hagener Musiker Tim Neuhaus: “Man lernt vom Covern”

Viele Menschen verpönen Cover, das weiß auch Tim. Für ihn sind sie ein wichtiger Bestandteil seiner Musik: „Man lernt vom covern. Manchmal denkt man, man hätte Gold, aber es ist es nicht und manchmal ist es andersrum. Und, wenn ich einen Coversong mache, dann fällt mir sowas viel bewusster auf.” Für ihn ist das Covern eine Inspirationsquelle und er kann seinen Output besser beleuchten. 

Das ist auch der Grund, weshalb ECHOES VOL nicht nur eine EP sein wird, sondern eine ganze Reihe. Zwei weitere ECHOES VOL. sind schon in Planung. Dort sollen dann seine weiblichen Heldinnen gefeiert werden. Ein weiterer Traum von ihm ist es eine Weihnachtssong-EP zu veröffentlichen. Wann das so weit ist, steht aktuell noch in den Sternen, da er aktuell an Filmmusiken arbeitet. 

Bock auf mehr STROBO? Lest hier 4 queere Filme vom Internationalen Frauen* Film Fest, die ihr gesehen haben solltet.

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