„Das Ruhrgebiet ist ein Teil von mir“ – Mandarina bei den STROBO:Sessions

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Die Musikerin Mandarina wohnt mittlerweile in Berlin, ist aber in Hamm im Ruhrgebiet aufgewachsen. Im Interview mit STROBO erzählt sie, warum sie den Pott verlassen hat, wie ihr die Schauspielerei bei der Musik hilft und was sie an Female Empowerment so wichtig findet.

STROBO: Mandarina, du hast Schauspiel studiert. Hast du schon vorher mit der Musik angefangen oder hat sich das währenddessen ergeben?

Mandarina: Bei mir war das eigentlich andersrum. Ich habe mir als Kind schon immer meine eigene Bühne gemacht. Da habe ich gespielt, gesungen und rumgeblödelt. Ich war immer der Clown der Familie, auf die gute Art und Weise. Mit 13 habe ich dann Gesangsunterricht genommen, weil ich mich immer zur Musik hingezogen gefühlt habe.

Irgendwann später habe ich mir dann überlegt, was ich eigentlich studieren möchte, mit dem, was ich kann. Und weil ich kein Instrument spielen kann, hat sich schnell ausgeschlossen, dass ich was mit Musik studiere. Also bin ich in die andere Richtung gegangen. Im Endeffekt bin ich auch ziemlich froh darüber, weil ich mich durch die Schauspielerei selbst von einer anderen Seite kennengelernt habe und auch viel als Künstlerin gelernt habe. Das war auch wichtig für den Prozess des Songwritings. 

STROBO:Inside

Mandarina ist Musikerin und Schauspielerin, 27 Jahre alt und wurde in Russland geboren. Sie ist in Hamm ist aufgewachsen, wohnt aber aktuell in Berlin. Sie hat Schauspiel studiert, macht schon lange allein oder in Bands Musik und schreibt ihre eigenen Songs. 

STROBO: Also kannst du aus der Schauspielerei auch vieles für deine musikalische Karriere mitnehmen?

Mandarina: Auf jeden Fall. Dieses ganze Selbstbewusstsein musste ich erstmal lernen: Wie präsentiere ich mich als Künstlerin, wie komme ich aus mir raus, wie stelle ich mich dar? Ich habe die ganze Zeit nur daran gearbeitet. Du bereitest dich die ganze Zeit auf den Moment vor, wenn du dann auf der Bühne stehst. Und damit du dann on point bist, bildest du dich als Künstlerin erst mal weiter, bis du zu einer Figur wirst. Genau das hat dann auch dazu beigetragen, dass ich mich als Musikerin finden konnte – auch wenn das immer noch ein Prozess ist. 

STROBO: Wie würdest du die Musik beschreiben, die du machst?

Mandarina: Meine Musik ist weich. Sie ist wie eine Wolke, auf die man sich drauflegen kann. So fühle ich mich zumindest, wenn ich sie produziere. Wie sie sich dann am Ende für andere Menschen anhört, weiß ich nicht. Aber es wäre natürlich schön, wenn sie das gleiche Gefühl haben, wie ich. Und was das Genre angeht, würde ich sagen: Meine Musik ist etwas zwischen Deutsch-RnB, Pop und Neo-Soul. 

STROBO: Schreibst du viele Texte selbst?

Mandarina: Solo schreibe ich alles selbst. Seit ich in Berlin lebe, lerne ich auch mehr Songwriter kennen und kann mich da connecten und von denen lernen. Aber trotzdem schreibe ich größtenteils alles selbst. 

STROBO: Abgesehen davon, was würdest du sagen, ist für dich der größte Unterschied zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet?

Mandarina: In meinem Freundeskreis haben fast alle einen Migrationshintergrund und deswegen habe ich super viele verschiedene Kulturen kennenlernen dürfen. Das war im Endeffekt sehr wertvoll, weil ich aus jeder Kultur etwas für mich mitgenommen haben. Und das ist für mich einfach typisch für das Ruhrgebiet: Alle sind total entspannt miteinander, die Leute sind alle super offen und cool. 

Ich glaube, was ich an Berlin mag, ist, dass es so etwas dort auch gibt, wenn auch nicht auf dieselbe Art und Weise. Deswegen fühlt es sich hier auch nicht so super weit weg von zu Hause an: Weil Berlin in dieser Hinsicht gar nicht so anders ist als das Ruhrgebiet. Es ist ein Stück Ruhrpott, obwohl es eigentlich gar kein Stück Ruhrpott ist. Andererseits ist hier auch alles anders. Berlin ist halt Berlin. Ruhrpott ist: Essen, Dortmund, Duisburg, Bochum – alles total vernetzt. Das vermisse ich hier in Berlin ein bisschen. 

STROBO: Würdest du sagen, Berlin ist deine neue Heimat, oder bleibt das weiterhin das Ruhrgebiet? 

Mandarina: Das Ruhrgebiet ist definitiv ein Teil von mir und wird immer ein Teil von mir sein. Ich habe das Gefühl, wir Menschen aus dem Ruhrpott haben eine andere Mentalität. Und das mag ich voll. Einfach frei Schnauze, jeder sagt, was er denkt. Und hier in Berlin reagieren die Leute auf die Art wie ich spreche, manchmal mit: „Redet man da so?“ Ich merke manchmal erst dann, dass ich Wörter benutze, die man in Berlin vielleicht nicht versteht. Aber für mich ist das ganz normal. Deshalb gehört das zu Hundert Prozent zu mir und das liebe ich auch. 

STROBO: Hattest du im Ruhrgebiet auch eine Art kulturelles Netzwerk, so wie du es jetzt in Berlin hast? 

Mandarina: Es gibt bei uns auf jeden Fall sehr viele gute Künstler. Connected war ich tatsächlich immer mit so einer Auswahl von Menschen, mit denen ich sowieso immer zu tun hatte. Viele von denen sind dann tatsächlich irgendwann nach Berlin gezogen. Das ist auch der Grund, warum ich am Ende hier hingezogen bin. Denn so ist die Zusammenarbeit natürlich einfacher. In Hamm hatte ich nie das Gefühl, dass meine musikalische Ader dort so gut aufgehoben ist und dass ich dort Gleichgesinnte finde. 

STROBO: Gibt es musikalische Vorbilder, die dich inspirieren oder mit denen du gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Mandarina: Da gibt es super viele, die meisten davon kommen aber eher aus der amerikanischen Musik, weil ich damit aufgewachsen bin. Aaliyah ist eine Frau, die mich bis heute einfach immer verzaubert. Als ich noch ein kleines Mädchen war und VIVA geschaut habe, habe ich ihre Musikvideos gesehen und gedacht: Ich will so sein wie sie. Und das hat sich nicht geändert. Ihre Musik inspiriert mich bis heute. Ein weiteres Vorbild von mir ist Frank Ocean, seine Musik berührt mich total. Und Pink Floyd: Bei denen konnten Songs noch zehn Minuten lang sein – das muss man erst mal schaffen. Dann inspirieren mich noch russische Oldschool-Bands, da kommen meine Wurzeln raus. Ich wünsche mir, dass ich das auch noch irgendwie in meine Musik einbauen kann. 

STROBO: Wenn man sich deine Playlists auf Spotify anschaut, dann fällt auf, dass sie sehr von weiblichen Künstlerinnen geprägt sind. Wie wichtig ist dir Empowerment unter Musikerinnen?

Mandarina: Es ist ohne Frage mega wichtig. Wenn ich eine Frau sehe oder höre, die ich super finde, dann sage ich ihr das auch. Das ist einfach ein Impuls. Wir Musiker sprechen dieselbe Sprache – egal, welches Geschlecht. Ich würde mir wünschen, dass Frauen mehr aufeinander zugehen. Denn manchmal habe ich das Gefühl, dass man sich gegenseitig auf dem Schirm hat, sich aber nicht so richtig kennt – obwohl man das könnte. Und man würde im Endeffekt auch nur davon profitieren. Da frage ich mich manchmal: Findet die mich einfach nicht gut oder liegt es daran, dass wir Frauen sind? Denn jeder steht doch für sich alleine. Wir sollten uns viel mehr vor Augen führen, dass jeder für sich selber scheint und niemand dem Anderen den Glanz wegnehmen kann. 

Foto: Lukas Staab.

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