„Der Pott ist voll mit Menschen, die Magic spielen“ – Sammelkarten-Shop LotusVale

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Auf Karten des Spiels „Magic: The Gathering“ hat sich der Laden LotusVale in der Bochumer Innenstadt spezialisiert. Betrieben wird er von Jonny und Eugen. Die beiden sind seit Jahren passionierte Spieler und auch in der Turnierszene aktiv. Ein Einblick in ihre Welt.

In einer ruhigen Nebenstraße in der Bochumer Innenstadt sortieren Jonny und Eugen in Ruhe Magic“-Karten. Ihr Laden LotusVale hat zwar noch nicht geöffnet, aber eine gut sortierte Sammlung braucht eben seine Zeit. Normalerweise kommen Fans des Sammelkartenspiels „Magic: The Gathering“ nicht nur hierhin, um Karten zu kaufen: „Wir hatten hier regelmäßig Turniere mit bis zu 30 Leuten“, sagt Jonny. 

Infobox: Magic: The Gathering

„Magic the Gathering“ ist ein 1993 von Richard Garfield entwickeltes Sammelkartenspiel. Das Spiel erfreute sich sofort großer Beliebtheit und hat bis heute Millionen Spieler:innen. „Magic“ hat Mitte der 1990er Jahre bis Anfang der 2000er Jahre einen Hype ausgelöst, zusammen mit anderen bekannten Sammelkartenspielen wie Pokémon und Yu-Gi-Oh! Ein Deck besteht in der Regel aus 60 Karten, dabei dürfen Standard-Länder beliebig oft und alle anderen Karten jeweils viermal enthalten sein. Das Spiel bietet mittlerweile viele verschiedene Formate für verschiedene Interessen, grob eingeteilt in Casual (Freizeit) und kompetitiv (Turnier). Jonny von LotusVale beschreibt das Spiel als eine Mischung aus Schach und Poker: Durch das Planen von Zügen und die Varianz beim Kartenziehen entstünden immer neue Situationen und Glück müsse durch Können ausgeglichen werden.

Der Laden LotusVale verkauft nicht nur „Magic“-Karten, es gibt dort auch Turniere. Foto: Ole Meier.

Wegen der aktuellen Situation sind die Kontaktmöglichkeiten aber stark eingeschränkt. Dadurch ist „Magic: The Gathering“ als Face to Face Game aktuell höchstens am Küchentisch von WG’s spielbar, auf keinen Fall aber mit fremden Menschen und erst recht nicht auf Turnieren im LotusVale. Die Pandemie zeigt sich auch beim Verkauf von „Magic“-Karten selbst: „Natürlich haben wir durch die Lockdowns und damit einhergehenden Ladenschließungen zwischen 60 und 70 % an Einbußen hinnehmen müssen“, sagt Jonny. Einnahmen haben die beiden trotzdem – hauptsächlich durch Onlineverkäufe von Karten und Click & Collect. Besonders ärgerlich an der Situation sei, dass die „Magic“-Szene in den letzten Jahren extrem gewachsen sei.

Play the game, see the world“

Besonders der Standort Bochum gefällt Jonny und Eugen, denn aufgrund der Lage in der Mitte des Ruhrgebiets kämen viele Menschen aus Essen, Dortmund und Gelsenkirchen mal eben vorbei. „Der Pott ist voller Menschen, die ,Magic‘ spielen“, sagt Jonny. Und Eugen ergänzt: „Communities und Fahrgemeinschaften sind hier sehr einfach zu bilden.“ Er selbst spielt „Magic“ schon seit dem ersten Mirrodin-Set, das vor fast zwanzig Jahren herausgekommen ist. Damals konnte er von Marl aus mit dem SchokoTicket in verschiedene Städte und auf Turniere in der Umgebung fahren. Später ging es dann für beide auch auf größere Events und damit quer durch Europa, auch in die USA und nach Japan. „Play the game, see the world“, wie Jonny sagt. Er selbst spielt schon seit 1994, stieg direkt mit dem ersten deutschsprachigen Set „deutsch limitiert“ ein, und spielt seitdem alle Formate nach Lust und Laune. Während Jonny lieber Casual unterwegs ist, legt Eugen den Fokus mehr auf den kompetitiven Aspekt des Spiels. 

Eine „Magic“-Community im Ruhrgebiet

Beide haben über die Jahre viel zusammen erlebt – und sich schließlich dazu entschlossen, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. „Eugen hat mich gefragt, ob ich Bock habe, mit ihm einen „Magic“-Karten-Laden aufzumachen. Wir haben ziemlich schnell die Location hier gefunden und im September 2019 aufgemacht. Das hat sich dann so angefühlt, als wären wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Durch Corona sei zwar viel verloren gegangen, aber für Jonny „ist die Community weit davon entfernt tot zu sein. Die Leute sind ja immer noch connected und außerdem wird das Spiel seit Jahren immer populärer.“

Wizards of the Coast, die Herstellerfirma von „Magic“-Karten, hat in den letzten Jahren zwar einige Fehler gemacht (etwa das Drucken einiger zu starker Karten), aber auch vieles richtig in Bezug auf das Wachstum der Community. „Die wichtigsten Menschen für das Spiel sind die Casualspieler:innen, und die wurden in den letzten Jahren verstärkt mit neuen Karten und Sets angesprochen“, sagt Eugen. „Aber das Spiel kann auch ohne Wizards of the Coast weiterleben, es lebt ja hauptsächlich durch die einzelnen Communities.“ Der Community-Aspekt ist für beide das Wichtigste am Laden: „Man lernt durch ,Magic‘ viele Menschen kennen, mit denen man sonst nicht ins Gespräch gekommen wäre. Alle spielen dasselbe Spiel und das steht im Vordergrund, durch den Spaß und die gemeinsamen Erinnerungen können dann richtige Freundschaften entstehen.“

Mit Hygienekonzept: „Magic“-Spiele im Laden wieder geplant

Bald sollen im LotusVale wieder Turniere möglich sein. Foto: Ole Meier.

In Online-Kartenspielen wie „Magic Online“ oder „Magic: The Gathering Arena“ sehen beide keine Konkurrenz. „Die Menschen wollen beim Spielen die andere Person sehen können, zwischen den Spielen Smalltalk führen und Deckideen austauschen. Das kriegt man nur im Laden und auf Offline-Turnieren. Man trifft auch manchmal alte Bekannte wieder und es ist extrem geil, sich nach 15 Jahren mal wieder zu sehen.“

Die beiden haben auch schon ein detailliertes Hygienekonzept erarbeitet: Wenn die Inzidenzzahlen niedrig sind und die Stadt grünes Licht gibt, soll es wieder möglich sein, sich im Laden zu treffen und „Magic“ zu spielen – man wird also nicht 15 Jahre warten müssen, um alte Bekannte im LotusVale wieder treffen zu können. 

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