FLINTA*-only DJ-Workshop: Traut euch ans DJ-Pult!

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Die elektronische Musikszene ist noch immer ein ziemlicher Männerclub. Um einen Safe Space zu schaffen, gab es beim Imagine Equality Festival in Witten deshalb einen “FLINTA*-only DJ-Workshop“. STROBO-Autorin Emilia war dabei und hat sich das erste Mal selbst an die Plattenteller getraut.

Ich will ehrlich sein: Bis vor ein paar Wochen hätte ich nie auch nur darüber nachgedacht, irgendwann mal selbst hinter einem DJ-Pult zu stehen. Bis vor ein paar Monaten konnte ich noch nicht mal wirklich was mit elektronischer Musik anfangen. Für mich klang das alles irgendwie gleich, ich hörte lieber, in meinen Augen, „richtige Musik”.

Zwei, drei Techno-Parties und Raves sollten meine Meinung über das – zugegebenermaßen sehr breite – Genre EDM (Electronic Dance Music) dann relativ schnell ändern. Aber selbst aufzulegen, konnte ich mir immer noch nicht vorstellen – bis die Einladung zu einem DJ-Workshop für FLINTA*-Personen (FLINTA* ist ein Akronym für Frauen, lesbische, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen) kam und ich mir dachte: Warum eigentlich nicht?

In der elektronischen Musikszene dominieren noch immer männlich gelesene Personen. Laut dem feministischen Netzwerk female:pressure traten weltweit von 2012 bis 2019 auf Festivals für elektronische Musik im Schnitt 74 Prozent Männer gegenüber nur 18 Prozent Frauen und nicht-binären Personen auf.

Foto: Leopold Achilles.

Es gibt zwar Netzwerke – wie eben female:pressure – die Frauen vernetzen und auf das Problem aufmerksam machen. Wichtig sind aber auch Workshops, die versuchen, die EDM-Szene diverser zu machen. Weil ich mich sowieso in letzter Zeit viel mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, wollte ich dem Ganzen nun auch selbst mal eine Chance geben. Kleiner Spoiler: Ich habe es definitiv nicht bereut.

Geleitet wurde der Workshop, der im Rahmen des Imagine Equality Festivals in der Werk°stadt in Witten stattfand, von Jana Kerima Stolzer. Sie ist DJ und Künstlerin aus Dortmund, legt normalerweise Bassmusik, House und Breaks auf und sollte uns nun innerhalb von vier Stunden die Grundlagen des DJings beibringen.

Foto: Leopold Achilles

Uns – das heißt mir und den anderen drei Teilnehmer*innen, die wie ich ebenfalls alle Anfang/Mitte 20, aus dem Ruhrgebiet und im Auflegen mehr oder weniger unterfahren waren. Gute Voraussetzungen also erstmal – aber wie viel kann man in so einem vierstündigen Workshop eigentlich wirklich lernen?

Rückblickend kann ich sagen: Mehr als gedacht! Nachdem Jana uns erst mal die theoretischen Grundlagen des DJings und die dazugehörigen Programme erklärt hat, ging es auch direkt an die Plattenteller – und das nicht einmal im übertragenen Sinne, denn neben elektronischen Playern gab es auch Plattenspieler mit Vinyl zum Üben.

Nach kurzer Überforderung wegen all der Knöpfe und Regler sollten wir dann einfach mal ausprobieren, was man mit einem Song so alles machen kann und versuchen, smoothe Übergänge zwischen zwei Songs hinzubekommen. Das hat mal mehr, mal weniger gut geklappt, dafür hat es aber wirklich viel Spaß gemacht, an den Controllern rumzuprobieren und Songs ineinander zu mixen. Und mit einer Hand am Plattenteller und einer am Kopfhörer, leicht zum Beat mitwippend und mit dem Kopf nickend, hab ich mich auch schon fast wie eine semi-professionelle DJ gefühlt. 

Bass rauf, Bass runter, Pitchen, BPM anpassen: Zwar hatte ich den Großteil der Zeit kaum eine Ahnung, was ich da eigentlich mache – Spaß hat es aber trotzdem gemacht. Und als wir dann auch alle mindestens einen guten Übergang zwischen zwei Tracks geschafft hatten, waren nicht nur wir stolz auf uns.

Auch Jana war überrascht, wie gut alles nach kurzer Zeit schon geklappt hat. Die vier Stunden gingen wirklich wahnsinnig schnell um und ich muss sagen: Ich habe echt einiges mitgenommen und vor allem richtig Lust bekommen, damit jetzt auch weiterzumachen.

Das lag vor allem daran, dass der Workshop ein Safe Space für FLINTA*-Personen und absolute Anfänger*innen war, wo wirklich keine von uns Angst haben musste, eine blöde Frage zu stellen oder einen Übergang nicht hinzubekommen. 

Ich bin mir sicher, dass das nicht das letzte Mal war, dass ich mich im DJing ausprobiere. Kleine Vorwarnung an meinen Mitbewohner: Ich glaube, ich leihe mir jetzt vielleicht öfter mal deinen Controller aus. Mal sehen, wie gut das Ganze dann bis zur nächsten WG-Party klappt. Stay tuned – vielleicht hat das Ruhrgebiet ja schon bald vier FLINTA*-DJs mehr.

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