Feminismus, Gleichberechtigung und Sicherheit im Poetry Slam: Valo Christiansen von den Slam Alphas im Porträt

Valo Christiansen aus Bochum ist Vorstandsmitglied bei den Slam Alphas. Der Verein setzt sich unter anderem für geschlechtergerechte Bühnen und die Sicherheit von FLINTA*-Personen im Poetry Slam ein. Mit STROBO hat Valo über ihre Erfahrungen gesprochen.

„Eigentlich würde ich mich nicht als zuversichtlichen oder hoffnungsvollen Menschen bezeichnen, aber alles, was ich tue, hat damit zu tun. Wahrscheinlich bin ich also zuversichtlich und hoffnungsvoll“, sagt Valo Christiansen. Valo ist 29 und Bochumer:in. Als Lektor:in hat Valo sich auf Sensitivity Reading spezialisiert. Eine besondere Art des Lektorats, bei der der Fokus auf diskriminierungs- und klischeefreier Darstellung von queeren Menschen und Themen und geschlechtersensibler Sprache liegt.

They begrüßt es sehr, dass immer mehr Menschen bei queeren Themen zuhören und dazu lernen wollen. Denn um Veränderungen zu ermöglichen, müssen man sich immer wieder selbst reflektieren. „Ich weiß selbst auch nicht alles. Ich muss super viel lernen und Menschen ihre Erfahrungen glauben.“

Respekt ist auf Poetry Slams keine Selbstverständlichkeit

Dass Menschen mehr zuhören, erlebt Valo auch auf Bühnen. Als Poetry Slammer:in ist they auf Bühnen in ganz Deutschland unterwegs, aber vor allem im Ruhrgebiet. „Mir müssen Menschen auf der Bühne dann einfach fünf Minuten lang zuhören. Ich nutzte das dann auch.“ Schließlich ist „Respect the Poets“ das oberste Gebot im Slam. Respekt vor und hinter der Bühne sei aber keine Selbstverständlichkeit.

Mittlerweile gäbe es zwar viele Poetry Slams mit Awareness-Konzepten, aber gerade als queere Person sei es trotzdem nicht immer sicher. „Ich bin an manchen Orten vorsichtiger als an anderen. Man überlegt sich dann schon, was man macht, was eigentlich schade ist. Nicht überall ist es so kuschelig wie im Ruhrgebiet.“ Besonders wohl fühlt Valo sich beim Wohnzimmerslam in Dortmund, in der Weststadtstory in Essen und im Riff oder bei der Poetry Night in Bochum.

Valo Christiansen von den Slam Alphas. Foto: Celia Joy Homann.
Valo Christiansen, neue:r Diversitätsbeauftragte:r der Slam Alphas. Foto: Celia Joy Homann.

Slam Alphas: Sicherheit von FLINTA*-Personen im Poetry Slam

Seit kurzem ist Valo Vorstandsmitglied bei den Slam Alphas, einem Verein, der sich seit 2016 für geschlechtergerechtere Bühnen und die Sicherheit von FLINTA*-Personen in der deutschsprachigen Poetry Slam Szene einsetzt. In den Vorstand ist they eher zufällig reingerutscht. Als die Frage nach einer Diversitätsbeauftragten Person aufkam, drehten sich alle Köpfe zu them um. „Da habe ich gemerkt: Wow, ich werde gesehen. Die Leute haben mich auf dem Schirm“, sagt Valo.

Dabei kennt Valo die Slam Alphas schon länger. Durch die #SafeSpace-Kampagne ist Valo auf den fast 80-köpfigen Verein aufmerksam geworden. Die Dauer-Spendenkampagne hilft FLINTA*-Personen, die Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind, finanziell und emotional zu unterstützen. Noch als Valo kein Mitglied war, hat Valo einen Artikel für den Blog der Alphas geschrieben.

Valo Christiansen von den Slam Alphas. Foto: Celia Joy Homann.
Valo Christiansen von den Slam Alphas. Foto: Celia Joy Homann.

„Es gibt immer noch übergriffige Auftretende“: Valo Christiansen über Poetry Slam

Die Poetry Slam Szene gilt als sehr offen, links und feministisch. Doch auch in dieser Kunstszene bestünden noch einige Probleme, betont Valo. Das reiche vom konsequenten Misgendern bis hin zu Übergriffen auf dem Weg zu den Locations. Die letztere Erfahrung hat Valo selbst erleben müssen. Auf dem Weg zu einer Location wurden they und andere wegen ihrer Regenbogenflagge beleidigt und heftig körperlich angegangen. „Es ist manchmal noch gruselig, auf und hinter Bühnen. Es gibt immer noch übergriffige andere Auftretende. Und das Problem gibt es gerade auch im Publikum.“ Da helfe es, einen großen Verein wie die Slam Alphas im Rücken zu haben.

„Ich möchte voranbringen, dass innerhalb des Vereins immer klarer wird, dass es nicht nur um cis Frauen geht. Denn es geht ja nicht nur um cis Frauen in der ganzen Problematik, die wir mit den Slam Alphas behandeln wollen“, sagt Valo. Auch die Zusammenarbeit mit dem Verein TINte (Trans*Inter*Nicht-Binäre Bühnenliterat*innen) und Micrantity (Poet*innen mit Migrationshintergrund) möchte they intensivieren. Aber: „Im Februar kriege ich erstmal ein Baby!“, sagt Valo am Ende lachend. Das würde dann natürlich Ehrenmitglied bei den Slam Alphas werden.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Moderatorin Caro Baum über Sexismus in der Slam-Szene und den FEM! Slam in Witten

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