Fitnessprogram und Latexmasken: Blond und Drangsal bei den Juicy Beats Park Sessions

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Gleich zwei Indie-Acts an einem Abend haben die Juicy Beats Park Sessions diese Woche im Westfalenpark präsentiert: Blond und Drangsal. STROBO-Redakteur John war bei dem Konzert dabei und findet: Es hätte gerne auch länger gehen können.

Es scheint die Sonne und die Menschen strömen für Blond und Drangsal in den Westfalenpark. Max Gruber alias Drangsal läuft mit seiner Band durch den Park, verbreitet gute Laune und macht Bilder mit den überwiegend jungen Fans. Die Sitzplätze werden gesucht und gefunden und dann beginnt ein weiterer Abend der Juicy Beats Park Sessions.

Juicy Beats Park Sessions: Sixpack-Garantie, Outfitwechsel und Überraschungen mit Blond

Blond beginnen ihr Konzert nach kurzem Intro mit „Las Vegas Glamour“und das Publikum ist direkt am Start. Auch ich fühle direkt bei den ersten Takten von der Drummerin Lotta, dass das ein richtig guter Abend wird. Als die Sängerin und Gitarristin Nina verkündet, das Publikum würde auf Elektroschocker-Stühlen sitzen und müsse deswegen stehen, stehen eh schon alle. Nach „Match“ richten sie eine erste große Ansage ans Publikum und es wird klar was sie im STROBO-Interview mit „aufregende Show mit sportlichen- und Gehirnjogging-Elementen“ meinten.

Auch Blond waren von den Corona-Auswirkungen finanziell stark getroffen, deshalb haben sie „zum unfassbar viel Geld scheffeln“ ein Fitnessprogramm mit „Sixpack-Garantie“ für 4.000€ im Monat entwickelt – eine kostenlose Probe lieferte die Band sofort und animierten das Publikum zum Nachmachen ihrer Performance.

Die Gymnastikeinlagen nutzen sie auch direkt, um sich ihre gelben Kleider vom Körper zu reißen und ihr Outfit zu blauen Kleidern mit Flammen zu wechseln. Als sie „Sanifair Millionär“ anstimmen, kommen zur Unterstützung erwartungsgemäß Drangsal und unerwartet die Indiepop-Sängerin Mia Morgan auf die Bühne und das sowieso schon textsichere Publikum nutzt die Gelegenheit, um richtig abzugehen und lautstark mitzusingen.

Bei den Songs „Es könnte grad nicht schöner sein“, „Thorsten“ sowie „Du und ich“ und einem weiteren Outfitwechsel ist die Stimmung so gut, dass Blond gerne auch mehr als nur 45 Minuten hätten spielen können. Der letzte Song des Trios ist eine weitere Überraschung, denn ich hatte nicht gedacht, an diesem Abend „I want it that way“ von den Backstreet Boys mitzusingen. An diesem Abend hat Blond mindestens einen neuen Fans dazugewonnen (mich hehe) und auch die vielen, die bereits Fans sind, wirken vollkommen zufrieden. Blond haben eine so gute Show abgeliefert, dass ich mich sogar schon frage, ob Drangsal daran anknüpfen kann.

Drangsal in Dortmund: „Ältere Kamellen“ und viel vom neuen Album

Doch als Max Gruber alias Drangsal mit seiner fünfköpfigen Unterstützung auf die Bühne kommt, wird mir klar, dass die Sorgen unbegründet sind. Drangsal, stilsicher in einem mit bunten Motiven geschmückten Anzug und roter Latexmaske (mit zum neuen Album passenden Hörnern), stimmt das noch unveröffentlichte „Ein Lied geht nie kaputt“ an (mehr zu dem Song sowie dem neuen Album „Exit Strategy“ im Strobo-Interview) und das Publikum tanzt voller Energie drauf los. Als die sechsköpfige Band „Will ich nur dich“ spielt, fragt Drangsal, ob wir ihn vermisst haben. Ja, schreit das Publikum und er lächelt „ich euch auch.“

Zwischen dem Song und „Liedrian“, während Max die wahrscheinlich etwas unbequeme Maske absetzt, fordern einige Menschen aus dem Publikum, die Musik lauter zu drehen. Darauf bringt Drangsal das gesamte Publikum dazu, sich zur Technikhütte zu drehen und es nochmal zu rufen. Doch der Sound bleibt unverändert, was ein bisschen schade ist. Während bei Blond der Sound noch gut abgemischt klang, gehen die sechs Instrumente von Drangsal leider etwas unter und der Sound wirkt manchmal breiig. Die Menge lässt sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen und singt, weil Max gestern Geburtstag hatte, erstmal ein Ständchen.

Er hat’s „Sau vermisst und richtig Bock“, deshalb kommt ein weiterer Song vom noch nicht veröffentlichten Album, „Benzoe“. Richtig cool wird es dann bei „Schnuckel“, Mia Morgan kommt nochmal auf die Bühne und singt mit. Ein bisschen schade, dass sie direkt wieder geht – ich hätte mir vielleicht auch einen Song von ihr oder ein gemeinsames Cover gut vorstellen können.

Mit „Arche Gruber“, „Love me or leave me alone“kommen dann ein paar Classics, das folgende „Magst du mich (oder magst du bloß noch dein altes Bild von mir)“ bezeichnet Max sogar als „ältere Kamelle“. Ist aber gut gealtert und das Publikum singt die Songs textsicher und lautstark mit. Mit einer nüchternen Ansage kündigt Drangsal „Mädchen sind die schönsten Jungs“ an: „Zu diesem Song habe ich schon alles gesagt, beziehungsweise der Song spricht für sich.“ Auch bei diesem und den anderen schon länger releasten Songs vom neuen Album ist das Publikum sehr textsicher und feierwütig, „The most Drangsal record I could make” sehen hier viele genauso wie Drangsal.

Da wirkt es fast ein bisschen komisch, dass er versichert, dass er und seine Band „viele dieser Songs erst zum zweiten Mal live spielen“ – merkt man wirklich gar nicht. Mit „Urlaub von mir“ geht’s weiter und nach „Turmbau zu Babel“ und „Allan Align“ verlässt die Band relativ abrupt die Bühne. Relativ zügig kommen sie aber zur Zugabe wieder auf die Bühne, Max stellt seine Band vor und versichert „seit Jahren nicht mehr so glücklich“ gewesen zu sein. Beim Umgucken im Publikum merke ich, dass er damit nicht alleine ist. Mit dem Titeltrack des neuen Albums „Exit Strategy“wird dann ein letzter Höhepunkt des Konzerts geschaffen, danach ist aber leider auch schon wieder Schluss.

Drangsal und Blond bei den Juicy Beats Park Sessions: Hätte auch gerne noch länger gehen können…

Das ergibt auch Sinn, denn im Westfalenpark muss um 22 Uhr die Nachtruhe eingehalten und es ist bereits kurz vor Zehn. Gerade weil Blond und Drangsal richtig gute Shows abgeliefert haben, hätte es nach meinem Geschmack auch ruhig noch eine halbe Stunde so weitergehen können. Naja egal, war trotzdem geil und ein letzter Blick auf die anderen Menschen aus dem Publikum verrät mir, dass alle glücklich sind. Ist mit Blond als Opener und der guten Stimmung auch recht einfach zu erreichen. Auch, dass die Songs von „Exit Strategy“ perfekt zum Rest der anderen Drangsal-Songs passen, wird live schnell klar. Eine persönliche Sache realisiere ich noch beim Schlendern durch den Westfalenpark: Wäre ich wieder 16, wären das Konzert und Drangsal bestimmt definierend für meine Jugend. Denn die Energie, Songs und Texte sowie Drangsals nachdenklich-lässige Attitüde fand ich an diesen Abend so beeindruckend wie bei nur wenigen anderen deutschsprachigen Acts.

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