„Geld ist die Freiheit, Kunst machen zu können“ – Rapper Yako Ok bei den STROBO:Sessions

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Es vergeht fast keine Woche, in der Yako Ok keinen neuen Track veröffentlicht. Dabei macht er alles selbst: Beats, Texte & Videos. Wir haben mit dem Dortmunder Rapper im Rahmen der STROBO:Sessions über Grenzen im Rap und seinen Output gesprochen. 

STROBO:  „Immer Richtung Stars, kein Mercedes und Interviews führt ihr mit meinem Penis“ – Laut deinem Track „Kickdown“ müsste ich jetzt ein Interview mit deinem Penis führen. Warum bist du trotzdem noch angezogen?

Yako Ok: Das ist natürlich metaphorisch gemeint (lacht). Ich bin vielen Interviewformaten abgeneigt, da insbesondere Hip Hop-Medien oft nur mit ausgewählten Artists sprechen und kleinere Künstler links liegen lassen. Sie haben einfach nicht den Mut, etwas Neues anzufassen, wo nicht direkt die Reichweite da ist. Davon halte ich nichts.

STROBO: Die Line ist eine maßlose Übertreibung. Welchen Stellenwert nehmen Übertreibungen in deiner Musik allgemein ein?

Yako Ok: 90 Prozent der Sachen, die ich sage, sollte man nicht ernst nehmen. Für mich ist Rap ein Kosmos, der nur aus Competition besteht. Ich will krasser sein als die anderen. Die Möglichkeit, mit der ich das ausdrücke, sind einfach meine Wörter und meine Übertreibungen. Dementsprechend ist das meine Art und Weise an dieser Competition teilzunehmen.  

Mit krass meine ich nicht das Austesten von Grenzen. Das haben andere schon viel schlimmer gemacht. Ich hoffe zumindest, dass die meisten Menschen ein gesundes Moralverständnis haben und wissen, was man macht und was man nicht macht. Aber wenn mir das jemand auf einem Song erzählt, ist das langweilig und entertaint nicht.

STROBO:Inside – Yako Ok


Yako Ok (21) ist Rapper und Produzent aus Dortmund, der mit Tracks wie „Starstrucked“ oder „TRAPSHXT“ erste Erfolg feiern konnte. Seine Beats zeichnen sich meistens durch einen prägnanten Bass-Sound aus. In seinen Texten behandelt er Auseinandersetzungen mit der Deutschrap-Szene und Erlebnisse aus seinem Leben. 

STROBO: Carmen Geiss, Sido, etc.: Deine Texte sind voll mit Referenzen und Anspielungen. Welche Rolle spielt gegenwärtige Popkultur in deinem Leben?

Yako Ok: Popkultur ist wichtig. Ich schaue kein Fernsehen, aber nehme es wahr, dass es das gibt. Niemand kommt darum herum. Carmen Geiss repräsentiert Dinge, die ich nicht cool finde. Wenn man dann noch einen geschmacklosen Vergleich mit Augenzwinkern in die Line bringt, dann erzeugt es für eine Sekunde ein Bild im Kopf des Hörers. Jeder hat eine Assoziation, wenn er den Namen Carmen Geiss hört.

STROBO: „Pisser“, „behindert“, „Nutte“ – sind Wörter, die in deinen Texten häufig vorkommen. Muss man im Rap beleidigen, um erfolgreich zu sein? Oder gehören Beleidigungen einfach zum Game dazu?

Yako Ok: Ab irgendeinem Punkt hört für mich der Spaß auf, wie zum Beispiel bei dem Wort „Schwuchtel“. Rassistische oder andere diskriminierenden Sachen gehen einfach nicht klar. Da find ich es wichtig, zeitgemäß zu sein.

Ich habe einen politisch eher linken Freundeskreis und da würde ich mich auch selbst mitzuzählen. Aber es wird schwierig diese Competition, die nur auf verbalen Auseinandersetzungen beruht, für sich zu entscheiden, wenn man nur der Nette von nebenan ist. Deswegen habe ich da meine moralische Grenze gesetzt. Wenn ich jetzt sagen würde:  „Okay, du kannst nicht laufen, weil du querschnittsgelähmt bist, du Opfer“, dann ist es diskriminierend, weil es die Personengruppe direkt angreift.

STROBO: In „Geld und kein Hype“ triffst du die Aussage: „Ich will nur Geld – alles andere ist mir egal.“  Warum ist Geld im Rap so wichtig?

Yako Ok:  Das Einzige, was ich möchte, ist meine Kunst machen – egal wie. Ich male Bilder, ich schreibe an Drehbüchern. Ich möchte Kunst machen. Was ich gerade mitbekomme, ist, dass man für diese Kunst zwar Anerkennung bekommt – also Hype – aber kein Geld. Von Anerkennung kann ich meine Miete nicht zahlen. Für mich bedeutet Geld die Freiheit, Kunst machen zu können.

STROBO: In deinen Texten findet man hier und da ein paar Spitzen, beispielsweise gegen Carsten Maschmeyer oder den Springer Verlag. Wie gesellschaftskritisch bist du?

Yako Ok: Wenn jetzt jemand meine Musik nicht kennt und das Interview liest, dann sag ich vorab: Ich bin gar nicht gesellschaftskritisch und man sollte meine Texte gar nicht ernst nehmen. Wenn man dann aber die Texte hört, versteht man, was ich ernst meine, wen ich mag und wen ich nicht mag. Ich rappe viel über Geld, weil es wichtig ist, sich über Wasser zu halten. Man kann von Kapitalismus halten, was man möchte, ich muss mit dem System arbeiten. Aber wer nicht sieht, dass ein Maschmeyer ein Kek ist, der einfach nur Glück hatte, versteht den Rest auch nicht.

STROBO: Du hast 2021 mehr als 15 Singles und immerhin eine EP veröffentlicht. Verkommt dann Musik nicht zur Fließbandarbeit? Oder ist es die Entwicklung, dass Output viel regelmäßiger von Musiker:innen entstehen muss?

Yako Ok: Ich mache die Musik, die ich gerade in Deutschland vermisse. Es muss modern sein. Das bedeutet: kein hängengebliebener Rap auf 90 BPM mit Afrika-Bambata-Referenzen und auch nicht der Cloudrap-Film mit Kopfstimme auf Autotune. Ich mache moderne Musik, die trotzdem noch Rap ist. Solange man sich immer neu erfindet, kann es keine Fließbandarbeit sein.

STROBO: Was steckt dann dahinter, dass du so viel veröffentlichst?

Yako Ok: Mich motiviert es am meisten, wenn ich bei coolen Leuten sehe, dass sie etwas verscheißen. Ich ziehe mir jeden Freitag unzählige Rap-Songs rein – und zu 99% sind die kacke. Ich würde mich schlecht fühlen, das zu sagen, wenn ich nicht versucht hätte, es besser zu machen. Um mich aufregen zu dürfen, muss ich für mich einfach alle zwei Wochen einen Song herausbringen. Wenn es dann nicht funktioniert, kann ich wenigstens sagen, ich habe es versucht.

Anmerkung der Redaktion: Nach der Aufzeichnung der STROBO:Sessions hat Yako Ok mit „Ansehen“ den Rapper Krest Yo gefeatured. In diesem Song finden sich explizite Sexismen. Die Redaktion distanziert sich von Inhalten dieser Art.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Wir Musiker sprechen dieselbe Sprache – egal, welches Geschlecht – Sängerin Mandarina bei den STROBO:Sessions.

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