„Katanna ist der Teil von mir, der auf die Kacke haut“: Rapperin Katanna im Interview

Die Dortmunder Rapperin Katanna ist Teil des Dortmunder Rap-Kollektivs PATINA Records und hat 2018 ihren ersten Song produziert. Heute Nacht droppt sie den Track „Caprisonne Gin“ mit Yako Ok. Im STROBO:Interview erzählt sie von ihrem Weg in den Rap und wieso eine Auf-die-Fresse-Attitüde wichtig ist.

STROBO: Katanna, deine Diskografie bei Streamingdiensten beginnt 2020 – du machst aber schon länger Musik. Wie bist du dazu gekommen? 

Katanna: Ich fand es schon immer cool, mit Freunden zu freestylen. Wir haben das anfangs nur aus Spaß gemacht.  Ich dachte nämlich lange, dass ich keine gute Stimme für professionelle Musik habe, weil ich nie Gesangsunterricht genommen habe. Aber dann habe ich als Geschenk für mein Praktikum in einem Tonstudio einen eigenen Song bekommen. Den fertig zu stellen hat mir sehr viel Bock gemacht.  Die Sachen, die ich gelernt habe, habe ich dann mit Yako Ok immer weiter ausprobiert. Innerlich ging es in mir wahrscheinlich schon früher mit der Musik los. Ich weiß noch, ich wollte ein Popstar werden wie Hannah Montana. 

STROBO: Der erste veröffentlichte Song von dir ist „Keine Geschichte“, ein Feature mit Yako Ok. Ist das der Tonstudio-Track?

Katanna: Nein, der Track ist aber der erste unter dem Namen Katanna. Ich hatte vorher noch einen anderen Spotify- Account, da war auch der Song von dem Tonstudio drauf. Das war ein englischer Pop-Song, weil ich mir damals dachte: Ich kann nicht auf Deutsch singen, das ist voll peinlich. Bis ich irgendwann gemerkt habe: Deutsch ist die Sprache, in der ich spreche und auf der ich denke – daraus kann man auch was Cooles machen. Ich habe dann auch eine viel persönlichere Beziehung zu dem Text. Auf Englisch kann man sich viel besser distanzieren.

STROBO: Wie bist du auf den Namen Katanna gekommen? 

Katanna: Der kam von einer Caption auf Instagram. Auf einem meiner Bilder habe ich ein Samurai-Schwert gehalten, worauf jemand dann „Katanna“ drunter geschrieben hat. Das fand ich sehr lustig. Ich wollte einen Namen, der catchy ist. Früher habe ich auch viel Karate und Kickboxen gemacht und das hat ganz gut gepasst. 

STROBO: Ist Katanna für dich eher eine Kunstfigur oder bist das vollkommen du?

Katanna: Katanna ist der Teil von mir, der auf die Kacke haut: Ich bin hier und mir ist egal, was andere Leute von mir denken. Das ist auch etwas das mir im Alltag fehlt. Katanna hilft mir zu akzeptieren, dass ich ein Recht darauf habe, gehört zu werden.

STROBO: Du trägst ja auch eine Kette mit der 44 drauf – der Postleitzahl von Dortmund. Was bedeutet dir die Stadt?

Katanna:  Die habe ich hier in einem Laden auf der Brückstraße gekauft. Wenn ich in Düsseldorf bin, fühle ich mich schon sehr nach Dortmund. Ich genieße es einfach, wie schön ranzig es hier in Dortmund ist.

Strobo: Du hast 2021 die EP „Songs nobody asked for“ veröffentlicht. Darauf rappst und singst du auf Englisch und die ganze Energie des Albums ist viel ruhiger. Warum unterscheidet sich diese EP so von deinen aktuellen Hip-Hop Tracks?

Katanna: Das war eine Zusammenarbeit mit Felix von Oh MY. Wir haben uns mal über Musik unterhalten und ich habe festgestellt, dass Felix super schöne Musik macht und vor allem crazy Beats. Wir haben uns dann zusammengesetzt und versucht, zusammen Musik zu machen. Die Arbeit an dem Album war schön, weil ich mich mal so austoben konnte und auch gesehen habe, wie es klingt, wenn ich singe. Da habe ich sehr viel experimentiert.

STROBO: Warum „Songs nobody asked for“?

Katanna: Weil wir ein Jahr lang daran saßen und uns dann dachten: Niemand wartet darauf, warum machen wir uns so einen Stress? Da hat der Titel gepasst.

STROBO: Was sind deine musikalischen Ziele für die Zukunft?

Anna: Mein Ziel ist es, irgendwann so krasse Texte schreiben zu können, wie zum Beispiel Paula Hartmann oder Haftbefehl. Ich würde gerne, ohne viel nachdenken zu müssen, Sachen erzählen können und mir ein eigenes Vokabular aufbauen. Im Moment brauche ich noch super oft Hilfe dabei, Texte zu schreiben.

STROBO: Mit PATINA Records hast du  viele weitere Musiker:innen aus Dortmund an deiner Seite. Eignet sich das Ruhrgebiet, um dort aufstrebend Musik zu machen?

Katanna: Das Ruhrgebiet wird sehr unterschätzt. Es kommt gerade richtig viel auf. Was Indie-Bands angeht, gibt es ja schon super viele in der Region. Ich glaube aber auch, dass Dortmund, was Rap angeht, das westliche Berlin werden könnte. 

Ich wollte ein Popstar werden wie Hannah Montana. 

Katanna, Rapperin

STROBO: Die Hip-Hop- und Rap-Kultur steht immer wieder in der Kritik, frauenfeindlich und diskriminierend gegenüber Minderheiten zu sein. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr junge Rapper:innen, die sich aktiv dagegen aussprechen und positionieren. Glaubst du, die Szene wird sich langfristig verändern?

Katanna: Durch die jungen Rapper:innen wird die Szene sehr aufgemischt.  Vor allem bin ich der Meinung, dass es gut ist, diese Auf-die Fresse-Attitüde erstmal von Frauen zu hören. Dann verändert sich das langsam auch an anderen Stellen und entwickelt sich nach vorne. Mädels können im Hip-Hop richtig was aufmischen. 

Darüber freue ich mich auch voll. Denn ich glaube, man arbeitet sich immer weiter hoch und wenn man es in die Szene geschafft hat, versucht man das System von innen zu verändern.  Am wichtigsten ist aber, dass es normalisiert werden sollte, als Frau zu rappen und sich nicht immer anhören zu müssen, dass man schon „krass für ein Mädchen“ ist. 

Beim Thema Sprache finde ich es nur oft problematisch, dass vergessen wird, dass viele Menschen auch in unserem Alltag immer noch super oft nicht politisch korrekt sprechen. Wir benutzten eben Begriffe, mit denen wir aufgewachsen sind, mit denen wir sozialisiert wurden. Sprache reflektiert oft die soziale Schicht und ich finde, man sollte das dann nicht einfach undifferenziert verurteilen.

STROBO: Heute veröffentlichst du mit „Caprisonne Gin“ einen neuen Song. Was können wir musikalisch in nächster Zeit von dir erwarten?

Katanna: Ich würde auf jeden Fall richtig gerne ein rundes Projekt mit mehreren und längeren Songs machen. Dabei habe ich auch auf mehr Abwechslung Lust, einerseits sich zum Beispiel auf ruhigere Projekte konzentrieren, aber auch Dinge zu haben, die man gut live spielen kann.

Außerdem kommt bald auch der zweite PATINA-Sampler raus.

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