Nilua im Interview: „Hatte das Gefühl, ich kann Soul nicht gerecht werden“

Nilua aus Essen macht gefühlvollen Soul, gemischt mit Elementen aus Hip-Hop und Trip-Hop. Im Interview erzählt sie, wieso sie sich lange nicht getraut hat diese Musik zu machen, was sich seit dem Release ihrer Debüt-EP bei ihr getan hat und wann es Neues von ihr gibt.

STROBO: Nilua, du hast deine Debüt-EP „Comfort Zone“ im Dezember 2021 noch inmitten einer härteren Phase der Pandemie veröffentlicht. Dieses Jahr konntest du damit endlich auf Bühnen auftreten. Wie hat sich das für dich angefühlt?

Nilua: Ich war total unsicher. Ich bin zwar schon lange Musikerin, habe aber immer entweder mit Bands gespielt oder alleine mit meiner Gitarre. Jetzt mache ich Musik mit Beats und die Resonanz darauf ist ganz anders. Das ist komplett neu für mich und dadurch entsteht auch ein neues Gefühl auf der Bühne.

STROBO: In deiner Musik sind Einflüsse von Hip-Hop und Soul gut rauszuhören. Wann bist du mit den Genres das erste Mal in Kontakt gekommen?

Nilua: Ich bin mit diesen Genres aufgewachsen, sie sind schon immer ein Teil von mir und ich wollte auch schon immer diese Art von Musik machen. Wenn ich das ausprobiert habe, fand ich es aber immer zu schlecht dafür, dass ich diese Genres so liebe. Ich hatte das Gefühl, ich kann Soul nicht gerecht werden – auch, weil es zum Teil ein Genre ist, das durch marginalisierte Personen groß geworden ist.

Daher habe ich eine gewisse Ehrfurcht empfunden und mich auch gefragt, inwiefern es okay ist, dass ich mich an diesem Genre bediene. Gleichzeitig versuche ich deshalb auch andere Künstler:innen bei Instagram zu unterstützen. Das und die Selbstzweifel haben dazu geführt, dass ich lange nicht die Eier dazu hatte, Soulmusik zu machen.

STROBO:Inside – Nilua

Die Essener Sängerin Nilua (33) hat 2021 ihre Debüt-EP„Comfort Zone“ veröffentlicht. Die Künstlerin kommt gebürtig aus Schermbeck und singt seit sie 13 Jahre alt ist. Sie macht Soulmusik, die sie unter anderem mit Elementen aus Hip-Hop und Trip-Hop verbindet.

STROBO: Was war für dich dann der Auslöser es doch zu probieren? 

Nilua: Ich war müde von der Gitarre. Und es war vielleicht wie am Ende meiner Schwangerschaft: Irgendwann musste das Baby einfach raus. Ich hatte richtig Schiss vor der Geburt meines Sohnes, aber am Ende wollte ich diese Kugel nicht mehr in mir tragen. Das mit meiner Musik lässt sich recht ähnlich beschreiben. Mir hing die Gitarrenmusik ein wenig zum Hals raus und ich hatte das Gefühl nicht zu tun, was ich wirklich richtig liebe. Jetzt stehe ich krass hinter dem, was ich mache.

Nilua Portrait
Sängerin Nilua. Foto: Lennart Neuhaus.

STROBO: Wieso fühlst du dich genau in dieser Soul-Welt wohl?

Nilua: Weil Soul für mich sehr viel mit Leid zu tun hat und ich es anscheinend schon als Kind gut fand zu leiden, weil ich mich genau in diesen Momenten gut ausdrücken kann. Ich habe oftmals das Gefühl mit normalen Gesprächen und Worten nicht weiterzukommen. Musik bedeutet für mich Briefe und Tagebücher in Form von Songs zu schreiben und das passiert bei mir einfach aus Leid. Ich habe auch schon oft versucht, einen fröhlichen Song zu schreiben, kriege es aber einfach nicht hin.

STROBO: Was bedeutet es für dich selbst, Musik zu machen?

 Nilua: Leben, Liebe und Lust.

Sängerin Nilua. Foto Lennart Neuhaus.

STROBO: Du hast mal die Wichtigkeit von „Sister Act“ für deinen Werdegang angesprochen. Welche Rolle hat der Film für dich gespielt?

Nilua: Ich war eine krasse Bewunderin von Lauryn Hill und in dem Film gab es Passagen, in denen sie eindrucksvoll solo singt. In „Sister Act“ war sie nicht der Star, sondern einfach das Mädchen Rita. Und Rita war cool, rebellisch und hat Musik geliebt – ich habe mich mit ihr identifiziert, weil ich auch aus der Reihe getanzt bin. Außerdem habe ich sehr früh angefangen zu singen.

STROBO: Wann war für dich klar: Ich möchte selbst Musikerin werden?

Nilua: Es war immer klar, dass ich Musik mache – und das hat sich durch mein Leben gezogen. Musik zu machen, war für mich aber keine aktive Entscheidung. Ich habe auch lange nach der Schwangerschaft und der Geburt meines Sohnes pausiert, dann aber gemerkt, dass das ich einfach nicht bin. Für mich ist Musik mein Leben. Ob es um Tanzen geht, darum Musik zu hören oder zu schreiben: Musik ist bei mir einfach allgegenwärtig.

Ich bin früh mit Musik in Berührung gekommen, weil mein Vater ein großer Musikliebhaber ist. Der Einfluss war für mich enorm und ich verdanke ihm, dass ich so vielfältige Musik höre. Ich habe dann klassisch mit der Blockflöte in der ersten Klasse angefangen (lacht) und später bis zur Pubertät Klavier gespielt. Meinen ersten Song habe ich mit 13 geschrieben.

STROBO: Wenn du von der Sammlung deines Vaters sprichst: Welche Platten haben dich besonders geprägt?

Nilua: Rio Reisers „Am Piano I“ habe ich rauf und runter gehört, außerdem hat mich „Survival“ von Bob Marley sehr geprägt. Bob Marley war generell wichtig für mich, weil ich cool fand, wie er Ungerechtigkeiten thematisiert hat, und mich das schon früh beschäftigt hat. Dazu kommt „Crossroads“ von Tracy Chapman. Die drei Platten waren sehr prägend für mich.

Sängerin Nilua. Foto: Lennart Neuhaus.

STROBO: Bei Instagram hast du dich sehr stark bei deiner Familie und Freund:innen bedankt, ohne die du nicht gewusst hättest, wie du deine Musik ausleben könntest. Wie unterstützen sie dich?

Nilua: Ganz platt gesagt, indem sie meinen Sohn betreuen, wenn ich Konzerte spiele oder ins Studio gehe. Diese Kinderbetreuung könnte ich sonst nicht finanzieren und es wäre auch für meinen Sohn nicht schön, immer fremdbetreut zu sein. Als ich dieses Jahr die Anfrage von der Fusion bekommen habe, war ich total überwältigt, habe aber als Erstes meine Eltern gefragt, ob sie aufpassen können. Als mein Vater dann meinte, dass das geht, war ich extrem dankbar.

Meine Freund:innen frage ich bei meinen Songs um Rat und sie bestärken mich und sagen mir, dass ich mich trauen soll. Sie haben auch einen Teil dazu beigetragen, dass ich meine Songs veröffentlicht habe – wie auch mein Team: DavidGolitah, Stevo159 und Marwindawiz.

STROBO: Auch wenn du vorher nicht alleine releast hast, hast du schon mit anderen Künstlern zusammengearbeitet, unter anderem mit Schlakks, wo du für „Tat und Drang“ die Backings gemacht hast. Wie bist du dazu gekommen?

Nilua: Schlakks und ich kennen uns, weil er wie mein Produzent Stevo159 aus Dorsten kommt und Dorsten und meine Heimatstadt Schermbeck nah beieinander liegen. Dadurch hatten wir einen gemeinsamen Freund:innenkreis. Das Cover für „Tat und Drang“ hat damals einer meiner engsten Freunde designt und Schlakks und ich dachten uns: Machen wir mal was miteinander. Dann bin ich hochschwanger nach Köln gefahren und habe die Backings eingesungen.


STROBO: Was hat sich seit dem Release von
Comfort Zone bei dir getan?

Nilua: Meine Reichweite ist seitdem größer geworden und das Interesse von Künstler:innen aus dem Bereich Hip-Hop ist gestiegen, mit mir arbeiten zu wollen. Ich habe da mittlerweile ein größeres Standing. Wenn ich spiele, entstehen zudem intensivere Connections. Mein großes Highlight war auch, dass die Fusion mich für ihr Line-Up angefragt hat.

STROBO: Was können wir in nächster Zeit von dir erwarten?

Nilua: Es wird in diesem Jahr noch ein Song von mir kommen, spätestens im Dezember. Außerdem spiele ich am 2. Dezember im Unterhaus in Oberhausen ein Konzert und trete  auch auf dem Veggie-Glück Wintermarkt in Duisburg auf.

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