Stell dir vor, du machst ein Praktikum bei dir selbst

Die Dortmunder Szenografin Hella Vohrmann hat das coronakonformste Praktikum absolviert – sie war Arbeitgeberin und Arbeitnehmerin zu gleich. In ihrer Ausstellung „Praktikumsbericht (AT)“ zeigt sie die Werke, die sie im Praktikum bei sich als Künstlerin erschaffen hat.

Leider kann der Anruf nicht persönlich entgegengenommen werden, weil die Stelle der Telefonassistenz noch vakant ist, tönt es aus dem grünen Telefonhörer in der Ausstellung. „Ich dachte mir, was brauch ich als Künstlerin? Da ich nicht gern telefoniere, fand ich, dass es eine gute Idee wäre, jemanden einzustellen“, erzählt Hella Vohrmann. Daraufhin hat sie überall in der Stadt gelbe Zettel verteilt, auf denen eine Mobilfunknummer und Informationen zu dem Job draufstanden. „Ich bin nie an den Hörer gegangen, aber es haben mir so viele Leute auf die Mailbox geredet – das hätte ich nicht erwartet.“ Die Szenografin war überrascht von dem Interesse an der Stelle. Was die Anrufer:innen nicht wussten – der Job existierte gar nicht.

„Die Idee, ein Praktikum bei mir selbst als Künstlerin zu machen, ist auch aus persönlichen Überlegungen entstanden. Ich weiß wirklich nicht, was ich später mal machen will“, erzählt die Dortmunderin. Da Praktika meist sehr individuell und speziell seien, hat sich Vohrmann entschieden, das Praktikum bei sich selbst zu absolvieren. Mehrere Wochen lang durchlief sie verschiedene Stationen, malte mal betrunken ein Selbstporträt, führte Interviews mit sich selbst und baute einen Ideen-Automaten.

Vernissage und Finissage am selben Tag

Jeweils drei Wochen verbrachte sie in den Werkgruppen Öffentlichkeitsarbeit, Lifestyle, Koordination und Kunst. Die verschiedenen Stationen und die dazu erstellten Werke stellte sie in ihrer „Vernissage und Finissage“ im Rahmen ihrer Masterarbeit im Projektspeicher aus.

„Ich habe meine Masterarbeit über Hochstapelei geschrieben, wollte mich aber in meiner praktischen Arbeit nicht als was Wichtigeres ausgeben als ich bin“, erzählt sie. „Am Ende ist es doch in diese Richtung gegangen, da mir viele Leute, das Künstlerin-Dasein abgekauft haben.“ Es sei erstaunlich, wie schnell Menschen alles glauben. Die komplette Inszenierung ist für sie die Antwort auf die Kunst-Welt, da sich viele Menschen dort sehr wichtig nehmen würden. „Damit wollte ich einfach brechen“, erzählt Vohrmann.

Ob sie das Praktikum erfolgreich absolviert hat, entschieden die Besucher:innen. In einer aufgebauten Murmelbahn konnten sie Murmeln durch den „Ja“ oder „Nein“ Pfad kullern lassen. Passend zur Inszenierung, landen beide Kugeln, egal wo man sie einwirft im „Ja“ Behälter.

Am Ende des Abends lässt sich die Szenografin, bei erfolgreichem Abstimmen durch die Murmelbahn, eine Bananenschale tätowieren – ein wiederkehrendes Element in ihrer Ausstellung. Warum die Bananenschale? „Ich finde die einfach cool.“, sagt Hella Vohrmann. Den ganzen Interessierten für den Job der Telefonassitenz hat sie übrigens abgesagt. „Das war ganz schön peinlich“, erzählt sie und lacht.

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