„Weniger Ernst, mehr verspielt. Weniger schwarz, mehr rosa“ – Ein Abend auf der „Babylove“ in Dortmund

Die Partyreihe „Babylove“ im Dortmunder Oma Doris will verspielten Electro nach Dortmund bringen  und auch lokalen Acts eine Bühne geben. STROBO hat Veranstalterin Kati Klöting einen Abend lang begleitet.

„Babylove“: Bei dem Wort denken viele vielleicht an Windeln, Fans elektronischer Musik vielleicht auch an den Song von Pablo Pepstasy oder aber an das Oma Doris. Seit bald einem Jahr veranstaltet Kati Klöting unter diesem Namen nämlich Techno-Partys im Dortmunder Club. Die elektronische Musik ist dabei ähnlich smooth wie die Schutzhosen der Säuglinge. 

Knapp vier Stunden vor Beginn der Party wuselt Kati durch die Wohnung ihres Freundes. Sie ist etwas im Stress, muss noch Awareness-Zettel ausdrucken, das ist ihr besonders wichtig. Sie ist angespannt. Auch wenn es schon ihre vierte „Babylove“ ist, nimmt die Aufregung nicht ab. Erst wenn sie spät abends beziehungsweise früh morgens ins Bett fällt, stellt sich ein Gefühl von Erleichterung, gepaart mit Euphorie, ein. Auf Euphorie folgt dann ziemlich schnell Leere und am nächsten Tag die Lust, direkt auf die nächste Veranstaltung hinzuarbeiten. 

Kati will die „Babylove“ weiter verbessern. Dazu probiert sie immer neue Konzepte aus. Parties zu planen ist eben auch Prozessoptimierung, genau wie im alltäglichen Bürojob. Besonders wichtig ist ihr, dass sich alle Gäste wohlfühlen: Sie verteilt Infomaterial und setzt ein Awareness-Team ein. Besonders junge Leute will sie schon früh für das Thema Awareness in der Disco sensibilisieren. „Viele junge Leute waren coronabedingt kaum feiern, die kann man neu einlernen“, sagt Kati. 

„Babylove“ in Dortmund: Party als Bühne für lokale Electro-Acts

Neben Awareness ist für Kati die Musik entscheidend für ein gutes Gefühl bei den Gästen. Die Acts der „Babylove“ wählt sie besonders sorgfältig und ohne große Genrekonventionen aus: „Ich halte das Konzept möglichst offen. Mir ist schon wichtig, dass es nicht nur eine Schiene von elektronischer Musik ist.“ Sie achtet dabei darauf, dass lokale Acts eine Bühne bekommen und ermöglicht vielen Musiker:innen ihren ersten Gig vor Publikum. Dazu organisiert sie immer einen Headliner, der die lokale Szene erweitert. Neben Justin Tinderdate (Berlin), Coco Cobra (Hannover) und DJ Sweet6teen (Köln) ist das bei der vierten Ausgabe DJ Yarak aus Hannover. In erster Linie, sagt sie, müssen es aber auch alles Künstler:innen sein, die ihr gefallen: „Ich buche ja nicht irgendwas, das ich selbst nicht feiere.“

Ihre Acts lädt Kati auch gerne vor dem Auftritt zum Essen ein, damit sich alle kennenlernen können. Während  DJ Yarak, Simply Wet und 909 Schneider gemeinsam Pizza essen, muss sie ständig telefonieren und organisieren. Nebenbei schreibt sie noch einige Namen auf die Gästeliste, geht im Kopf durch, ob alles für den Abend steht und schafft es trotzdem noch sich zu unterhalten oder ein Stück Pizza zu essen. Die Ursprungsidee der „Babylove“ hatte Kati im Urlaub in Italien während des Wanderns in knapp 3000 Metern Höhe. Vor Corona veranstaltete sie bereits eine Hip-Hop-Partyreihe im Oma Doris. Als die Corona-Maßnahmen wieder gelockert und Veranstaltungen wieder möglich wurden, rief der Club Kati an und fragte, ob sie nicht Lust habe, die Party in ein paar Wochen zurück ins Oma Doris zu bringen. Sie sagte zu.

Oma Doris: Partyreihe „Babylove“ in Dortmund will Electro der anderen Art zeigen

Doch keiner ihrer Resident-DJs stand für die Hip-Hop-Party zur Verfügung, also änderte Kati einfach das ganze Konzept. Statt Hip-Hop soll es Elektro geben. Solchen, den man bisher nirgendwo in Dortmund und Umgebung hören kann: „Weniger Ernst, mehr verspielt. Weniger schwarz, mehr rosa.“ – Das ist für Simply Wet, DJ bei der vierten „Babylove“, das Alleinstellungsmerkmal der Partyreihe.

Müde vom Veranstalten ist Kati noch lange nicht. Noch mache es zu viel Spaß, noch hat sie zu viele Ideen und vor allem Künstler:innen, die sie unbedingt einladen will. Vielleicht wird die „Babylove“ noch größer, vielleicht gibt es bald einen Podcast, vielleicht ein Label, sagt sie. Während der Veranstaltung ist Kati ständig auf Achse, selten steht sie mal fünf Minuten an der gleichen Stelle. Tanzen sieht man sie kaum. Sie betreibt „Artist-care“, wobei das auch bedeutet, bei Aufforderung mit diesen einen Schnaps zu trinken, ist Ansprechpartnerin für alle, begrüßt Freund:innen, läuft ständig raus, um zu schauen, ob an der Kasse alles in Ordnung ist. 

Einjähriges Jubiläum der Electro-Party-Reihe „Babylove“ am 22. Oktober

Gegen drei Uhr fährt alles ein wenig herunter und sie damit auch. Der Headliner hat gespielt, die Stimmung ist gut. Wenn sie sich dann hinter das DJ-Pult stellt und sich die tanzenden Gäste anguckt, ist das für sie der schönste Moment: „Alle Gäste haben maximal Bock und sind maximal hyped und die Person die auflegt auch und wenn das fusioniert, dann ist das richtig schön. Dann merkt man wieder, wofür man das gemacht hat, weil man einfach Leuten richtig gute Laune bereitet hat.“

Party-Veranstalter:innen wie Kati müssen stressresistent, multitaskingfähig und ständig auf Achse sein. Sie machen vermutlich mehr Meter als jeder noch so wild tanzende Partygast und trotzdem bemerken wir sie im Club oft kaum. Vielleicht ist das genau ihre Stärke. Weil Kati noch nicht müde ist, gibt es die „Babylove“ auch weiterhin. Das nächste Mal am 22. Oktober, zum einjährigen Jubiläum, wie immer im Oma Doris.
Bock auf mehr STROBO? Lest hier Ruhrgebiet-Releases des Monats: September 2022

Foto: Lukas Staab 

 

Foto: Lukas Staab
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