Lichtkunst im digitalen Raum – STROBO:Exklusiv

Die Corona-Pandemie droht, jungen Kunstschaffenden einen Strich durch ihre Ausstellung zu machen. Unter Zeitdruck bleibt ihnen nur eine Wahl: Der Gang ins Digitale. STROBO ist bei der ersten Digitalisierung einer Ausstellung im Lichtkunstmuseum in Unna am Start.

Tief unter der Erde am Rande des Ruhrgebiets befindet sich das Zentrum für internationale Lichtkunst. In den dunklen und verschachtelten Räumen der ehemaligen Lindenbrauerei in Unna wurde eine Umgebung geschaffen, die die komplexen Kunstwerke aus Licht eindrucksvoll in Szene setzt. Die Sinne der Besucher:innen werden durch geschicktes Spiel mit Perspektiven, Farben und Klängen immer wieder neu herausgefordert – zumindest normalerweise.

Denn die Pandemie macht auch vor Unnas Untergrund keinen Halt. Hohe Infektionszahlen erlauben  im Mai 2021 keine Besucher:innen. Das ist für jeden Kulturschaffenden ärgerlich und existenzbedrohend – für die jungen Künstler:innen der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) jedoch besonders frustrierend. Denn aktuell werden ihre Lichtkunstwerke in der Wechselausstellung Switch 2 in den Räumen des Zentrums präsentiert. Sollten sich die Infektionszahlen nicht bessern, bleiben die mühsam geschaffenen Werke dem Publikum verborgen. 

Die Lösung liegt, wie so oft in dieser Zeit, im digitalen Raum. Die gesamte Ausstellung wird abfotografiert und in einen virtuellen Rundgang verwandelt. Verantwortlich dafür ist Noelia Gonzàlez Olmos, Studentin der HBK. Mit ihrer speziellen Kamera erschafft sie 360-Grad Aufnahmen, die die Besonderheiten der Ausstellung einfangen sollen. 

„Selbst wenn man nicht selbst vor Ort sein kann, erhält man doch einen kleinen Eindruck, wie sich dieser Ort anfühlt”, so Gonzàlez Olmos. Am Ende soll es sich fast so anfühlen als würde man an einer Tour teilnehmen. Die Studentin beherrscht das teure Equipment und weiß um dessen Tücken. So auch um den „blinden Fleck“ der Kamera, der in die Aufnahmen mit eingerechnet werden muss. „Gerade Details in der Architektur können schnell verloren gehen, wenn die Bilder nicht aus dem richtigen Winkel aufgenommen werden“, erklärt Gonzàlez Olmos.

Für das Zentrum für Lichtkunst ist der gesamte Prozess eine Premiere. „Es ist für uns das erste Mal, dass wir eine Ausstellung online eröffnen werden“, so John Jaspers, der Direktor des Zentrums. Zugleich hofft er, mit dem virtuellen Rundgang ein größeres Publikum zu erreichen. 

Video: Lucas Weber.

Gleichzeitig ist es eine Gelegenheit, die Werke der jungen Künstler:innen zu verewigen. Denn 70 bis 80 Prozent der Kunstwerke sind temporär und werden nach der Ausstellung, Stand jetzt, nicht wieder zu sehen sein. 

„Es war ein Wettlauf gegen die Sanduhr“, erklärt Professor Daniel Hausig, Dozent für Licht und Intermedia an der HBK. Der Zeitslot der Ausstellung war begrenzt, die Aussicht, ob die Werke während der Pandemie gezeigt werden können, ungewiss. „Die jungen Künstler wollten sich nicht nur ins Digitale zurückziehen, sondern wollten es versuchen“, so Professor Hausig.

Die Studierenden haben die Ausstellung dabei eigenhändig kuratiert, geplant und aufgebaut, alles nach einem strengen Zeitplan. In einem digitalen Museumsplan wurde jedes Kunstwerk präzise platziert und die Bedürfnisse an Raum, Licht und Klang berücksichtigt. 

Die interaktive virtuelle Ausstellung.

„Eine Pandemie ist eine Chance für Innovation. Durch die Digitalisierung haben wir neue Werkzeuge und Kulturtechniken kennengelernt“, so Professor Hausig. Und auch John Jaspers ist froh, dass die Ausstellung realisiert wurde: „Daniel Hausig und ich haben irgendwann einfach beschlossen, dass wir die Ausstellung aufbauen würden. Die jungen Künstler hatten schon so lange an ihren Installationen gearbeitet, und ansonsten wäre alle Mühe umsonst gewesen.“ 

Doch wenn es nach ihm geht, ist dieser Ausflug ins Digitale nur ein Bonus: „Man muss Lichtkunst mit allen Sinnen erleben, man wird auch Teil davon“, erklärt er. „Das ist digital noch nicht so einfach. Aber ich hoffe, dass alle, die den Rundgang angeschaut haben, anschließend denken: das müssen wir im Echten sehen!“

Hier gibt’s den digitalen Museumsrundgang : Die Ausstellung Switch II & Der virtuelle Rundgang

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