Ehrlich, lieb und lässig: Die Sängerin Philine Sonny im Porträt

Wer dieses Jahr bereits auf Festivals wie Melt und Southside Festival gewesen ist, wird um Philine Sonny keinen Bogen gemacht haben können. Die Sängerin aus Unna hat in diesem Jahr ihre Debüt-EP veröffentlicht und war unter anderem Support von den Giant Rooks. Vor dem Auftritt beim Juicy Beats hat STROBO mit der Musikerin gesprochen.  

Ein Meer aus Lichtern strahlt Philine Sonny in der Essener Weststadthalle entgegen. Es ist ihr erstes Konzert auf einer so großen Bühne. Dass sie eigentlich nur Support ist, merkt man ihr kaum an. Mit kleineren Unterhaltungen zwischen den Songs peppt sie ihren Auftritt auf und wirkt nah und sympathisch. Ihre ehrliche Musik mit melancholischen Touch kommt bei der Audience gut an – das sieht man vor allem bei ihrem Song „Postcards for Mom and Her Friends”. Die Arme des Publikums bewegen sich im Takt, Handy-Taschenlampen strahlen und über die Anlage hört man nur noch ein leises „Oh Shut Up, ich kann so nicht weiterspielen. Ich spiel jetzt die Chords, bis ich mich wieder gefangen hab.” 

Ultra sympathisch, super sweet und ein moderate use of Anglizismen – so der erster Eindruck von der Sängerin. Mit weißem T-Shirt, goldenem Schmuck und einem großen Lächeln sitzt sie zwei Monate später beim Strobo-Interview. Bisher ist viel passiert. Im Hintergrund steht eine Gitarre, ein quietschgelbes Sofa, ein schwarzes Gemälde und an der Wand hängen Zettel mit Lyrics. Eine waschechte Musikerin. 

Philine Sonnys Debüt-EP „Lose Yourself”: Erwachsenwerden und Loslassen

Im Gespräch mit Philine wird bewusst: Die Sängerin ist relatable und ihre Songs genauso. Ihre Debüt-EP „Lose Yourself” mit sieben Tracks, die sie in diesem Jahr veröffentlicht hat, folgt zwar keinem konkreten Motiv, insgesamt beschäftigt sie sich aber mit dem Erwachsenwerden und den vielen Fragen, Gefühlen und Problemen, die damit einhergehen, so Philine.

Mit dem gleichnamigen Song erzählt sie, dass es gut ist, loszulassen, den Kopf auszuschalten und einfach mal zu machen. Sorgen und Ängste seien beides Kräfte, die sich auf viele Entscheidungen auswirken: „Ich mache halt viel aus Angst heraus und das ist genau das, was ich versuche zu vermeiden”, sagt sie.

Durch das Loslassen ist Philine gewachsen und auch in neuen, stressigen Situationen hat sie gelernt: du bist nicht allein. Sie erinnert sich an eine Zeit vor den ersten Gigs: „Ich stand da echt und dachte mir ‚Ich pack das nicht, ich hab keine Ahnung wie das funktionieren soll, wie ich das alleine machen soll‘, aber im Endeffekt bin ich nicht allein und kann mir Hilfe suchen.“ 

Philine Sonnys Weg zur Musik

Philine hat schon früh die ersten Berührungspunkte mit Musik, wenn auch über Umwege. Nachdem ihr kleiner Stiefbruder und ihr Vater Schlagzeugunterricht ausprobieren, ist auch sie irgendwann an der Reihe. Und das ist ein voller Erfolg. Ab da nimmt die Musikkarriere von Philine ihren Lauf. In der Schulzeit ist sie neben Bläserklasse, Big Band und Chor gut bedient.

Als dann auch noch ihr großer Bruder eine Konzertgitarre geschenkt bekommt, die er nie anrührt, greift Philine zu den Saiten. Sie bringt sich selbst Gitarre und später noch Klavier und Bass bei. Über die Schule bekommt sie Gesangsunterricht und auch Texte schreibt Philine schon im jungen Alter. Dass sie selbst Songs schreibt war nicht geplant, sondern kam einfach mit der Zeit dazu. Ihre ersten Texte schreibt Philine auf Deutsch, später wechselt sie doch zu Englisch, weil sie sich damit wohler fühlt. Selbst hört Philine nämlich viel englische Musik. 

Philine Sonny: Schreiben bis 4 Uhr morgens

Ob im Urlaub, in ihrem Zimmer oder bei Autofahrten, die Musikerin hält die Ideen am liebsten auf Papier, in ihrem schwarzen (und recht vollen) Notizbuch oder im Notfall in einer (bereits sehr langen) Notiz auf ihrem Handy fest. 

Geplante „Schreibsessions“ hat die Newcomerin nicht, Voraussetzung für das Texten seien gute Laune und viel Zeit. Trotzdem gibt es Momente, in denen Geistesblitze festgehalten werden müssen: „Es ist schon oft so gewesen eigentlich, dass ich eine Idee hatte und dann das Gefühl hatte, mich jetzt hinsetzen und das zu schreiben müssen – und dann saß ich bis 4 Uhr morgens wach.” Als Inspiration für Texte dient ihr eine Mischung aus Freunde, Familie, Alltagssituationen und eigene Erfahrungen. 

Newcomerin Philine Sonny war Support für Giant Rooks – und tritt jetzt beim Juicy Beats auf

Mit 20 Jahren ist Philine noch ziemlich jung, aber nicht unbekannt. Diesen Sommer ist die Newcomerin auf ziemlich vielen Festivals auf der Bühne, auch war sie Support von den Giant Rooks im Westfalenpark. Als nächstes steht für sie ein Auftritt auf dem Juicy Beats Festival bevor, im Dezember folgt ihre „After Golden Light“-Tour. Gebucht wurde sie schon, bevor sie jemals einen Live-Auftritt hatte: „Da dachte ich mir auch: Leute, es kann doch sein, dass ich live ultra scheiße bin”, erzählt sie lachend und fügt hinzu: „Deswegen war es für mich auch ein bisschen unverständlich, wieso das so passiert ist, aber ist natürlich voll schön.“ 

Für Philine sind die vielen Auftritte auch oft mit Stress und Selbstzweifel verbunden. Ihr Auftritt in Essen sei das einzige Mal gewesen, dass sie positive Emotionen ganz ohne Zweifel zulassen konnte, erzählt sie: „Bei anderen Konzerten dachte ich eher: Ja, die applaudieren, aber da hinten applaudiert einer nicht‘“, fügt sie mit einem leisen Lachen hinzu. 

Für die Zukunft wünscht sich die Sängerin, dass die Menschen im Publikum ihre Musik kennen und sich darauf freuen: „Mein Hauptjob ist es momentan noch, die Leute bei Gigs zu überzeugen, dass sie die Musik nicht scheiße finden, aber wenn man dann Headline-Shows spielt und dort Leute stehen, die hyped sind, ist das noch einmal ein ganz anderes Gefühl.“ 

Philine Sonny könnt ihr beim Juicy Beats sehen, wo sie am Samstag um 15 Uhr die Konzerthaus-Stage eröffnet.

Wenn ihr wissen wollt, wer aus dem Ruhrgebiet noch beim Juicy Beats auftritt, könnt ihr hier unsere Tipps für die Stages lesen, und hier für die Dancefloors.

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