90 Minuten volle Power bei den Leoniden – Juicy Beats Park Sessions

Endlich wieder unkontrolliert rumhüpfen. Die Juicy Beats Park Sessions im Westfalenpark gehen weiter. Unsere Autorin Anastasia hat sich angeschaut, ob die Indie-Rock-Band Leoniden auch ohne Moshpits die Menge zum Feiern bringen kann.

Es ist zwei Uhr nachts. Ich verlasse die sich füllende Tanzfläche– komplett nüchtern und ein wenig enttäuscht. Ich wäre eigentlich noch gern etwas länger geblieben, doch meine Freund:innen sind müde und wollen gehen. Für einen kurzen Moment denke ich dran allein länger zu bleiben. Hinter mir fängt die Party erst richtig an. Ich zögere – und verlasse am Ende doch die Party mit ihnen zusammen.

An diesen Moment vor fast 17 Monaten denke ich ständig zurück. Ich glaube wir alle erinnern uns an unsere letzte Party, das letzte Konzert. Verschwitzt rumspringen und mitgrölen – bis man heiser ist und die letzte Bahn nach Hause nimmt.

Auch heute habe ich an diesen letzten Abend im Februar gedacht – und konnte ihn endlich mit einer positiven Erinnerung überschreiben.

Leoniden Konzert bei den Juicy Beats Park Sessions: Donkey Kid aus Berlin sind Vorband

Es ist 18.30, als sich die abgegrenzte Fläche im Westfalenpark füllt. Die Sonne scheint auf das Gelände und die ersten Menschen machen Fotos von sich vor der Bühne. Leoniden sind zu Gast bei den Juicy Beats Park Session. Das kann man eigentlich auch gar nicht übersehen, bei der Menge an Fans, die mit Leoniden Shirts auf ihren Plätzen sitzen.

Das Publikum ist durchmischt: von Knut und Christel, die mir erzählen, dass sie seit 1999 jedes Jahr auf das Juicy Beats Festival gehen – bis zu den Gruppen von jungen Mädels, die heute ihr achtes(!) Leoniden Konzert in diesem Jahr besuchen – ist alles dabei.

Während die Vorband Donkey Kid sich nach jedem Song nochmals namentlich vorstellt und der Sänger ein Lied über seinen Kater (das Haustier) anstimmt, schaue ich mir die Menge genauer an. Mit Maske und festem Sitzplatz ähnelt die Stimmung eher einer Seniorenrunde, die einen „Gymnastik im Sitzen“ Kurs belegt. Es wird mal mit der Schulter gewackelt oder zaghaft mit dem Kopf mitgewippt. Mehr hat das Publikum für die Berliner Indie-Gruppe leider nicht über.

Dabei passen die beiden Mitglieder mit Beatles-Haarschnitt sehr gut zu den Menschen in meiner näheren Umgebung – sie alle sehen so aus als wären sie zusammen mit mir in den letzten Tagen bei VinoKilo einkaufen gewesen.

Fairerweise verstehe ich die zaghafte Stimmung auch – für viele ist es das erste Konzerte nach 1,5 Jahren. Da will man so schnell wie es geht die bekannten Gesichter auf der Bühne sehen.

Leoniden zeigen energiegeladenes Konzert

Nach kurzer Umbaupause ist es aber so weit. Leoniden starten mit viel Energie durch – das Publikum und auch ich sind von der ersten Sekunde an auf den Beinen. Sänger Jakob gibt sich sehr viel Mühe, die Leute zum Tanzen zu animieren und die gute Laune auf der Bühne springt auf die Fans über. Für eine Band, die normalerweise von Moshpits lebt, schaffen sie es sehr gut die Stimmung bei dem Corona-konformen Konzert zu halten.

Ich muss oft an die Worte der 18-Jährigen Lili denken, mit der ich vor dem Konzert geredet habe: „Ich freue mich, weil die sich auf der Bühne so freuen.“ Und ganz ehrlich: Das beschreibt die Energie der Band perfekt. Es wir rumgealbert, Jakob vergisst vor lauter Freude, welcher Song als nächstes kommt und zwischendurch habe ich das Gefühl, dass die bei so viel Rumgehampelei auf der Bühne nicht noch gleichzeitig ihre Instrumente bedienen können – doch alles läuft perfekt.

Die Band spielt den perfekten Mix zwischen neuen Songs vom kommenden Album und Klassikern wie „1990“ und „Sisters“. Es ist angenehm warm, das Bier in der Hand ist kühl. Das hier könnte ich jeden Tag machen – denke ich.

Konzert bei den Juicy Beats Park Sessions: Nächstes Mal bitte mit Moshpit

Für mich waren die letzten Monate sehr hart – wie für bestimmt sehr viele Menschen. Trotz der Lockerungen konnte ich die Zweifel nie ganz zurücklassen. Ich fragte mich oft, ob die Konzerte und Cluböffnungen die richtige Entscheidung waren. Doch als Jakob „Firework“ von Katy Perry anstimmt und sich bei dem ganzen goldenen Bühnenfeuerwerk, das plötzlich anspringt, vor Lachen nicht auf den Text konzentrieren kann, merke ich wie sehr mir meine Sorgen in diesem Moment egal sind. Es mag kitschig klingen und das ist es bestimmt auch: Aber ich habe vergessen, wie schön es ist, kollektiv (auf Abstand) mit der Menge verschwitzt und angetrunken, rumzuspringen.

Also liebe Leoniden: Danke für das schöne Konzert und bis zum nächsten Mal – dann aber mit Moshpit.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Das Ruhrgebiet ist keine Provinz- Juicy Beats Park Sessions