Theaterstück im Schauspielhaus Bochum: „Das neue Leben“ bringt uns um den Verstand

Mein Bild

Das Schauspielhaus Bochum inszeniert Dantes „ Die Göttliche Komödie” samt Pop-Songs à la Britney Spears und Herzschmerz. STROBO-Autor Lukas hat sich die Neufassung angeschaut und erzählt, warum sich ein Besuch lohnt.

„Die Göttliche Komödie“ aus dem 14. Jahrhundert von Dante Alighieri ist eine gern genutzte Referenz in der Popkultur. Serien, Bands oder Mangas zitieren Teile des Stücks oder setzen sich im Ganzen mit ihm auseinander. So auch „Das Neue Leben“ des Schauspielhaus Bochum. Es widmet sich der Erzählung in einer Neufassung mit einem guten und einem schlechten Ende. 

Das Hauptwerk ist in Sonettform geschrieben und will den:die Leser:in aus dem Elend ins Glück führen, sowie die Reise durch das Inferno und Purgatorio hin zum Paradiso nacherzählen. Außerdem wird in Kritiken hervorgehoben, dass das Werk die damaligen Verhältnisse anprangert. 

Die Geschichte der „Göttlichen Komödie“ ist zugleich die der geliebten Person. Als der Protagonist neun Jahre alt war, verliebte er sich unsterblich in ein Mädchen namens Beatrice, welche ihn neun Jahre später zum ersten Mal grüßte, woraufhin er sich in sein Kämmerchen einschloss, um Gedichte und Lieder über sie zu schreiben. 

Bahnbrechende Tanzeinlagen und Britney Spears

Seine Liebe droht aufzufallen und die Seuche der damaligen Zeit, zwingt ihn ins Exil. Als er wieder in seine Heimatstadt gelangt, dauert es nicht lange, bis ihn die neun Tage währende Krankheit ins Paradiso führt, wo er seine Liebe zum ersten Mal anzusprechen wagt. Dieses Gespräch nimmt in dem Stück unerwartete Wendungen und endet mit einer guten und einer schlechten Nachricht. 

 „Das Neue Leben“ ist eine anregende Mischung aus Alltagssprache in inneren und äußeren Monologen und sonettartigen Passagen. Es gibt bahnbrechende Tanzeinlagen und häufige Klavierbegleitung zu den Gesängen. Das automatische Klavier spielt immer wieder Popsongs á la Britney Spears oder Whitney Houston, die von den Schauspieler:innen gesanglich begleitet werden. 

Spielzeiten und Tickets

Vorstellungen: Fr.17.12., Sa.18.12., Fr.14.01., Sa.15.01.

Tickets gibt es hier.

Das Bühnenbild ist minimalistisch gehalten mit einer Tafel, auf der wichtige Punkte markiert werden wie das Inferno oder die gespielte Liebe zu einer anderen Dame. Es wird viel mit Lichteffekten gearbeitet, welche sich teilweise um die weißen Kreise auf dem Boden drehen, die wiederum an die neun Höllenkreise erinnern könnten. 

Das Schauspielhaus Bochum behandelt existenzielle Fragen

Die Kostüme sind am Anfang unaufwendig, aber passend. Doch im Laufe des Stücks führen sie mehrere Wandel durch, die es sich zu sehen lohnt. Das schlichte Bühnenbild ist, wenn man den Umgang und den Hintergrund der Geschichte betrachtet, ausgezeichnet gewählt. 

Mein Fazit? Es ist klar, dass „Die Göttliche Komödie“ zur sogenannten Weltliteratur gehört. Die Geschichte an sich begeistert Romantiker:innen, Grübler:innen und Philosophie-interessierte Menschen. Ohne zu viel zu verraten, wird am Ende entschieden, ob es eine Rückkehr aus dem Paradies und weg von der geliebten Beatrice geben wird, was einen selbst sehr zum Nachdenken anregt.

Das Stück wirft grundlegende Fragen der Menschheit auf, die wir uns alle wahrscheinlich schon mal gefragt haben. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum „Das Neue Leben“ eine starke Inszenierung ist. Die Schauspielerische Leistung von William Cooper, Anne Rietmeijer, Anna Drexler und Damian Rebgetz ist grandios. Sie spielen verschiedene Emotionen, geben sich in unterschiedlichen Momenten stark und trotzig, dann wieder klein und verletzlich, bis hin zu einem erregten Zustand. Sie spielen im Leben und im Tode oder ihm zumindest nahe. Gleichzeitig sind sich die gespielten Charaktere so eins, dass sie zu verschmelzen drohen. Dieser Wechsel macht diese Kunstform so faszinierend und in diesem Fall wirklich sehenswert. 

Unter anderem liegt das ganze wahrscheinlich an der fantastischen Besetzung der Rollen. Alle, bis hin zu Viviane De Muynck, werden ihren Rollen gerecht. Die inneren Monologe zwischen den Schauspieler:innen sind ein Genuss, weil sie nachvollziehbar sind für Menschen, die schon einmal Hals über Kopf verliebt waren. Alles in Allem gibt es eine klare Hingeh-Empfehlung! 

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: Theaterkollektiv Operation Memory beschäftigen sich mit dem Erinnern

Mein Bild
Keine weiteren Beiträge
Mein Bild