„Ich will zeigen: Da kommt noch mehr“: Sänger Babatell bei den STROBO:Sessions

Der Dortmunder Sänger und Produzent Babatell bringt Elemente des R’n’B, Soul, Hiphop, und Trap zusammen. Im Interview zu den STROBO:Sessions erzählt er, auf welches Genre er sich beschränken würde, wie wichtig ihm Soulmusik ist, und wieso er nur auf Englisch singen will.

STROBO: Babatell, in deiner Musik mischst du verschiedene Stile: Rap mit RnB, House-Elemente mit Trap. Wenn du dich in Zukunft auf einen Musikstil beschränken müsstest, welcher wäre das?

Babatell: Das ist schwierig. Für mich macht Musik gerade aus, dass ich mich so ausprobieren kann, wie ich möchte. Wenn ich mich auf eins beschränken müsste, wäre es aber Experimental. Die aktuellen Einflüsse, die ich aktuell höre, formen mein Soundbild nämlich gerade sehr. Dazu gehören gerade einige Künstler, die ihre Musik über die Jahre auch immer weitergeformt und verändert haben. Das möchte ich auch in Zukunft tun. Dieser Stil wird mich in den nächsten Jahren viel begleiten, auch wenn ich auch andere Stile ausprobieren will. Mein Song „Blow Your Back“ ist auch teilweise davon beeinflusst.

STROBO: Du baust regelmäßig Soul-Elemente in deine Musik ein. Curse hat mal gesagt: „Rap ist Soulmusik.“ Stimmst du dem zu?

Babatell: Rap ist in gewisser Hinsicht Soulmusik, weil die Intention hinter Rap nicht zwangsläufig immer imagegetrieben ist, aber meistens aus inneren Gefühlen und aus dem Herzen heraus gemacht wird. Das ist gerade bei Künstlern so, denen Musik mehr gibt als Status und Popularität. Deswegen ist Rap auch Soulmusik. Außerdem werden Soul-Elemente häufig im Rap eingebaut und Rap-Elemente im Soul. Die Genres leben teilweise voneinander.

STROBO:Inside – Babatell

Babatell (26) ist Produzent und Sänger aus Dortmund. Er ist in Hamm aufgewachsen. Mit „DARK MONTHS“ hat er 2021 seine Debüt-EP veröffentlicht. Musikalisch verbindet er Soul und R’n’B mit Elementen aus dem Hiphop und Trap.

STROBO: Welche Beziehung hast du zum Soul?

Babatell: Soulmusik ist mir sehr wichtig, gerade, weil ich in der Jugend durch den Musikgeschmack meiner Mutter sehr davon geprägt wurde. In meine Musik fließen auch immer Soulelemente ein: seien es die Tonarten oder Geschwindigkeiten.

STROBO: Da du den Einfluss aus deiner Kindheit erwähnst: In einem anderen STROBO-Interview hast du erzählt, dass deine Mutter in deiner Kindheit viel US-amerikanischen R’n‘B gehört hat. Gab es  Künstler:innen, die dein Interesse an Musik besonders geweckt haben?

Babatell: Das waren auf jeden Fall Marvyn Gaye, Aretha Franklin, Blackstreet und Michael Jackson. Retrospektiv kann ich sagen, dass diese Musik mich so sehr angesprochen hat, dass sie auf jeden Fall mein Interesse an Musik geweckt hat und mich sehr berührt hat.

STROBO: Du singst und rappst auch auf Englisch – als einen Grund dafür hast du einmal genannt, dass du darüber deinen Vibe besser herüberbringen könntest. Was gibt dir die englische Sprache in dem Zusammenhang, was dir die Deutsche nicht gibt?

Babatell: Die Musikrichtung, die mich sehr beeinflussen, kommen alle nicht aus Deutschland. Es gibt natürlich eine sehr lange und stabile HipHop-Kultur in Deutschland, trotzdem kommt die Kultur an sich aber aus den USA. Die Menschen gehen hier mit der Musik anders um als da, wo sie herkommt.

Deshalb möchte ich Musik in der Sprache machen, aus der meine Einflüsse herkommen. Das hat auch viel mit der Aussprache zu tun, mit den Lauten und Silben. Dazu kommt, dass dann nicht nur Menschen in Deutschland meine Texte verstehen sollen.

STROBO: Kelvyn Colt hat mehrfach erzählt, dass ihn die Labels in Deutschland zu Beginn nicht wollten, weil er auf Englisch rappen wollte. Er musste dann erst einmal in Großbritannien erfolgreich werden, um hier Fuß fassen zu können. Hast du wegen solchen Erzählungen schon einmal darüber nachgedacht, auch auf Deutsch zu texten?

Babatell: Die Geschichten von Künstlern wie Serious Klein oder auch eben von Kelvyn Colt sind für mich gerade eine Bestärkung. Die beiden haben gezeigt, dass es für dich als Künstler möglich sein kann, englischsprachige Musik zu machen, obwohl Labels behaupten, dass es nicht ginge. Wer ein Problem mit dem Akzent oder dem Mindset hat, sollte vielleicht einfach seine eigene Ansicht hinterfragen oder meine Musik ignorieren.

Die Labels schlafen noch, was das Thema betrifft. Aber das ist mir egal. Über das Internet hat man sehr viele Möglichkeiten, alles selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb bin ich sehr davon überzeugt, dass man nicht zwangsläufig kein Label haben muss, um in der Musik erfolgreich zu sein. Man muss nur gewillt sein, dann vielleicht zwei oder drei Jahre länger an der Karriere zu arbeiten.

STROBO: Bei den STROBO:Sessions performst du „While in Blue“ und „Blow Your Back“. Wieso hast du genau die Songs ausgewählt?

Babatell: Die Songs sind sehr unterschiedlich und ich möchte damit zeigen, dass ich mich in meiner Kunstform in verschiedenen Perspektiven und Genres darstellen möchte. „While in Blue“ und „Blow Your Back“ sind meine jüngsten Releases und mit „Blow Your Back“ zeige ich einen Stil, den ich vorher noch nicht in meiner Musik bedient habe. Damit will ich zeigen: Da kommt noch mehr. Ich habe zwar schon verschiedene Sachen gemacht, aber es wird nicht berechenbar, was in der Zukunft kommen wird.

STROBO: Du hast 2020 deine zweite EP mit „Dark Months“ veröffentlicht und zuletzt die Single „While in Blue“ – was erwartet uns in diesem Jahr?

Babatell: Ich will noch nicht zu viel sagen, aber ein Projekt wird auf jeden Fall rauskommen. Ich werde verschiedene Single rausbringen – sowohl von diesem Projekt als auch abseits davon.

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: „Amy Winhouse war meine Muse: Sängerin Beau bei den STROBO:Sessions.

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