Über das Gefühl der Freiheit: Regisseur Patrick Büchting im Interview

Das Filmfest in Lünen zeigt dieses Jahr neben einer Menge Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilmen auch die Romanverfilmung „Morgen irgendwo am Meer“ gezeigt. Der Regisseur ist der 25-jährige Patrick Büchting – Filmstudent in Darmstadt und an der FH in Dortmund. STROBO-Autorin Ilka redet mit ihm über seine Ideen nach der Schule und die Arbeit am ersten eigenen großen Film.

STROBO: Dieses Jahr ist dein Film „Morgen irgendwo am Meer“ erschienen, er dauert ungefähr 80 Minuten. Seit wann planst du diese 80 Minuten schon?

Patrick: Der Film ist ja eine Verfilmung des gleichnamigen Romans. Und den habe ich im Januar 2020 zum ersten Mal gelesen und ich konnte ihn nicht mehr aus der Hand legen. Im Frühjahr darauf ist dann die Idee zum Film entstanden, 2021 haben wir gedreht, 2022 geschnitten, 2023 dann das erste mal aufgeführt, 2024 wollen wir ins Kino. 

Patrick Büchting ist der Regisseur der Romanverfilmung „Morgen irgendwo am Meer“. Foto: David Peters.

STROBO:Inside: „Morgen irgendwo am Meer“

Die Romanverfilmung von Patrick Büchting begleitet vier junge Erwachsene in ihrem kleinen Mercedes bis zur „letzten Currywurst vor Amerika“ in Portugal. Doch eigentlich geht es hier weder um Currywurst noch den Roadtrip, sondern ständig auch ums Erwachsenwerden und der Frage, wie man nach der Schule leben will und wer man sein will. Finanziert werden konnte der Film unter anderem durch die Film- und Medienstiftung NRW und die FH Dortmund.

STROBO: Warum wolltest du genau diesen Roman verfilmen?

Patrick: Ich konnte beim Lesen nicht aufhören mit den Figuren mitzufiebern. Nach dem Abi einen Roadtrip machen, die Welt erkunden: Jede Figur hat irgendwas, worin man sich selbst wiederfinden kann. Ich wollte mit dem Film dieses Gefühl der Freiheit inszenieren und erzählen. Dieses Gefühl des Nichtwissens, wo soll man hin nach der Schule?

STROBO: Und wie war das bei dir? Wusstest du direkt, dass du was mit Film machen willst?

Patrick: Ich war mir relativ sicher. Und das liegt auch daran, dass ich in der zehnten Klasse in Vancouver im Ausland war. Dort an der Schule hatte ich sogar Film als Schulfach. Das hat mich natürlich sehr geprägt. Davor und danach habe ich auch immer wieder mit meinen Freunden Kurzfilme gedreht. Aber das war eben nur ein Hobby.

Patrick Büchting: „Es war mir wichtig, die Reise wirklich zu machen“

STROBO: Seit acht Jahre studierst du jetzt in Darmstadt und an der FH in Dortmund Film. „Morgen irgendwo am Meer“ ist dein erster großer Film. Wie konnte dich das Studium darauf vorbereitet? 

Patrick: Dass du im Studium mit ganz vielen Leuten zusammen bist, die auch Film auf einer professionelleren Ebene Film machen wollen, hat mir viel gebracht. Du hilfst vielen Leuten bei ihren Projekten und machst plötzlich ganz viel am Set in unterschiedlichsten Funktionen. Dieses Verständnis, was wer am Set macht, das ist etwas was mir das Studium gebracht hat. 

STROBO: Ihr habt für das Casting öffentlich aufgerufen, aber auch konkret Personen und Agenturen angefragt. 

Patrick: Ja genau, die meisten von den Hauptrollen haben wir gezielt angefragt. Ein paar Nebenrollen sind dabei, die sich initiativ beworben haben. Aber alle Rollen haben ein Casting durchlaufen. Die Hauptrollen sogar drei Runden. Das endgültige Cast ist super jung. Ein paar von ihnen waren während des Drehs sogar noch in der Schule. Das war während des Drehs war auf jeden Fall aufregend, auch für die Schauspieler*innen. Und das sollte auch so rüberkommen im Film. So einen Roadtrip zu verfilmen, der nach dem Abi stattfindet, wenn man grade selber Abitur macht oder kurz davor steht, ist halt genau passend. Und diese reale Aufregung so auf dem Dreh zu haben, war schon sehr spannend.

STROBO: Die Hauptfiguren Romy, Konrad, Nele und Julian fahren in ihrem kleinen Mercedes bis nach Portugal. Für den Dreh seid ihr mit der Crew auch wirklich den Roadtrip gefahren. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Patrick: Also es ist nicht alles so, wie es im Film scheint. Aber es stimmt, das Auto ist bis nach Spanien gekommen – nicht ganz Portugal. Es war mir wichtig, die Reise wirklich zu machen. Einfach weil der Film so die Message versprüht und zum Mut aufruft, nach der Schule den eigenen Weg zu gehen, das eigene Ding zu machen. Ich glaube dieses Gefühl überträgt sich so besser auf das Publikum, als wenn wir alles im Studio gedreht hätten. 

Behind the scenes: Für den Dreh ist die Filmcrew bis nach Spanien gefahren. Foto: Max Riemer.

Hürden und Preise

STROBO: Welche Herausforderungen hattet ihr während des Drehs? 

Patrick: Eine der Größten war das Ding durchzuziehen. Es gab häufig Leute, die gesagt haben, das ist absolut wahnsinnig. Und da einen kühlen Kopf zu bewahren und zu sagen, dass ist unsere Vision wir finden das in irgendeiner Form alle gut und deshalb bringen wir das jetzt zu Ende. Und dadurch habe ich auch gelernt, mich auf mein Team zu verlassen. Denn je größer die Filme werden, desto mehr wächst man auch aus sich heraus und muss auf andere Personen bauen. Das war eine sehr wichtige Erfahrung während des Drehs.

STROBO: Ihr habt mittlerweile Preise gewonnen auf dem Schlingel Festival in Chemnitz und auf dem Evolution Mallorca Filmfest. Nächstes Jahr seid ihr vielleicht im Kino. Hättest du erwartet, dass der Film so gut ankommt? 

Patrick: Ich bin absolut positiv überwältigt. Ich stehe hinter meinem Film und ich finde ihn gut. Und das ihn auch andere Leute gut finden, gibt mir einen mega Motivation und Confidence–Boost.

STROBO: Also kommt bald der zweiten Teil?

Patrick: Einen Roman würde ich sofort wieder verfilmen! Am liebsten von Adriana. Sie hat auch schon gesagt, dass es für sie inzwischen nicht mehr unvorstellbar ist, einen zweiten Teil zu schreiben. Aber mal gucken – jetzt muss der Film erstmal ins Kino kommen.

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