Mit Bus und Bahn durch das Ruhrgebiet – Ein Reisebericht aus dem Nahverkehr

Dieser Beitrag wurde finanziert durch: Verkehrsbund Rhein-Ruhr

Die Verkehrsader im Ruhrgebiet schlechthin ist die A40, darauf folgt der Regionalexpress 1 und dann? STROBO-Autor Max behauptet von sich, er habe schon jede Ecke der Region gesehen. Nichtsdestotrotz hat er sich noch einmal auf den Weg gemacht – mit dem Bus und der Straßenbahn von Dortmund nach Essen. Ein Reisebericht durch das Herz des Ruhrgebiets.

Etwas verwirrt stehe ich vor dem Eingang der Haltestelle Westentor am Dortmunder U. Ich brauche noch ein Ticket. Also schnell VRR App herunterladen und anmelden. Das eezy-Ticket scheint mir die richtige Wahl zu sein. Würde ich solche Reisen öfter machen oder schlichtweg einfach mit dem VRR zur Arbeit fahren, wäre das YoungTicketPLUS für mich praktischer: Da hätte ich sogar ein Rad mitnehmen können. Oder in der Woche nach 19 Uhr, sowie an Wochenenden und Feiertagen ganztägig eine Person, die ich mag.

Mit 50% Akku und keinen Erwartungen kann es losgehen. Es ist ein sonnenreicher und fußballfreier Samstagnachmittag, an dem ich mit dem Nahverkehr eine kleine Reise unternehmen möchte: Von Dortmund nach Essen über Bochum und Gelsenkirchen – all das mit dem Nahverkehr. Mal abseits von Szenevierteln und Innenstädten, mal doch mittendrin will ich das Ruhrgebiet und seine Menschen durch die Fenster des ÖPNV erkunden und wahrnehmen. Die Route? Mit der Option auf S- und Regionalbahn verzichten zu wollen, zufällig zusammengestellt durch die VRR App.

Meine Route. Einmal durch das Ruhrgebiet.

Berghain und USB-Ladestation

Nachdem die Straßenbahn 44 den Tunnel verlassen hat, schlängelt sie sich ihren Weg Richtung Stadtgrenze. Zuerst beschäftigt mich das leerstehende imposante Verwaltungsgebäude Union am Ende der rheinischen Straße. Ich male mir ein zweites Berghain aus, während die Abstände zwischen den Haltestellen sehr lang werden. Wie hypnotisiert schaue ich aus dem Fenster, sodass ich fast meinen Umstieg verschlafen hätte.

Ich hatte es zu Beginn meiner Reise mit Hinblick auf mein Handy gehofft, aber nicht erwartet, dass Busse im Ruhrgebiet mit USB-Ladestationen ausgestattet sind. Positiv überrascht stecke ich in Dortmund Lütgendortmund beherzt das Ladekabel in die vorgesehenen Dosen der Bus-Wand, atme erleichtert durch und merke nur anhand des riesigen Opelgeländes, dass ich mich inzwischen in Bochum befinden muss.

Die Stadtgrenzen sind Formsache

Das Passieren von Stadtgrenzen scheint im Ruhrgebiet generell eher Formsache. Sie gehen nahtlos ineinander über. Allerdings gibt es ideologische Stadtgrenzen, die in Vereinsfarben, Bierauswahl oder den Namen der städtischen Verkehrsbetriebe sichtbar werden. Und selbst letztere wären mir mit dem YoungTicketPLUS auch eigentlich egal. Als Azubi hätte ich damit endlos durch das VRR-Gebiet fahren können. Als stiller Fahrgast am heutigen Tag merke ich sonst aber nichts von den besagten Grenzen.

Nur selten kann ich in die Ferne schauen, sodass ich zwischen all den architektonischen Ausflügen und Industriegeländen schon ein kleines Feld als schützenswerten Naturraum wahrnehme – zum Beispiel rund um die Mark 51, als die Straßenbahn mit Tempo Richtung Bochumer Innenstadt brettert.

Was mich dabei auf meiner Reise fasziniert, sind die Gegensätze, die sich in vielen Blicken aus den Bus- und Bahn-Fenstern immer wieder auftun. Sei es im Westen Dortmunds, in Gelsenkirchen oder in Essen-Kettwig: Immer wieder schnellen heruntergekommene Häuser an mir vorbei, immer wieder unbefestigte Flächen mit eingezäunten Elektro- und Autoschrott-Bergen, immer wieder leerstehende Ladenlokale und hier und da ragt ein alter Zechenturm hinter den Häuserdächern hervor. Auf der anderen Seite architektonische und urbane Aufbruchsstimmung: Aus der Zeche Zollverein, an der mein Weg mit der Essener Ruhrbahn entlangführt, ist nicht nur ein Weltkulturerbe entstanden, sondern ein kulturelles Zentrum mit Techno-Veranstaltungen oder der Ruhrtriennale. In den Haltestellen der Innenstädte füllen sich die Waggons mit allerhand verschiedenen Menschen, die sich auf den Weg in die Samstagnacht machen. Und an den Stadträndern betrachte ich von Kränen belagerte moderne Wohn- und Industriekomplexe in der Bauphase, wie zum Beispiel das größte Modulbauhaus Europas, an dem mich die Straßenbahn 302 vorbeiführt.

Für mehr Ausgewogenheit und Hoffnung in der medialen Berichterstattung

Es ist ein ständiges hin und her, welches am Gelsenkirchener Hauptbahnhof seinen Höhepunkt erreicht. Der Bahnhof jener Stadt, welche mittlerweile mehr durch die höchste Arbeitslosenquote Deutschlands als durch den Fußball bekannt ist. Meine Wartezeit am dortigen Busbahnhof veranlasst mich dazu, über die jüngst erschienene Y-Kollektiv-Doku nachzudenken. Sie wollte Gelsenkirchen „frei von Klischees von einer anderen Seite“ beleuchten, um dann eben wieder nur anhand eines jungen Mannes mit zwielichtiger Vergangenheit und jetzt solidem Leben, die Probleme der Stadt zu verdeutlichen. Natürlich gibt es dort nichts zu verklären, allerdings hätte das Ruhrgebiet, wie auch Gelsenkirchen, etwas mehr Ausgewogenheit und Hoffnung verdient – so wie ich es auf meiner Reise wahrnehme.

Bei der Einfahrt nach Essen führe ich meine kleine strichprobenartige Beobachtungsstudie zu Ende: Demnach liegen bei der Quantität der Imbissbuden italienische Pizzerien leicht vor türkischen Dönerimbissen, nur vereinzelt bekomme ich griechische Lokale zur Sicht, die jedoch noch vor deutsch-geführten Pommesbuden liegen. Über die Qualität der Speisen vermag ich keine Meinung zu äußern. Das können in Bezug auf den Döner Dönerkunde und in Bezug auf die Pommes-Currywurst der Imbissbudenfreund besser. Und dann erreiche ich ihn auch, den Essener Hauptbahnhof – pünktlich auf die Minute genau (echt jetzt!). Knapp 3 Stunden, 5 unterschiedliche Linien im VRR-Verbund bin ich schneller als gedacht am Ziel.

Nach der ruhigen Fahrt, bei der ich teilweise nur mit zwei weiteren Fahrgästen im Bus saß, bahne ich mir desillusioniert meinen Weg durch den Trubel eines Großstadtbahnhofs raus auf den Vorplatz.

Die Romantik einer Signalstörung

Menschen im Ruhrgebiet finden Schönheit da, wo manche gar nicht suchen, sagte mir Thorsten aus Bottrop einmal, der mit dem Marktviertelkiosk der Innenstadt neues Leben einhauchen möchte. Schönheit habe ich tatsächlich gefunden und so lächle ich etwas in mich hinein, als die S1 von Essen nach Dortmund einen ungeplanten 10-minütigen Halt aufgrund einer Signalstörung noch vor der ersten Station einlegt. Das gehört eben auch einfach dazu. Ich schaue das erste Mal für eine längere Zeit in die Ferne, dort wo sich allmählich die Sonne hinter den Halden, Zechentürmen, Hochhäusern und Industrie-Parks verabschiedet. Noch ist es ruhig in der S1: Eine Frau schläft mit dem Kopf an die Fensterscheibe lehnend, ein Lehrer korrigiert Klausuren und ich verkläre dann doch etwas das Ruhrgebiet. In ein paar Stunden wird die Kultstatus genießende S1 die Menschen aus ihrer Samstagnacht wieder nach Hause bringen.

Das YoungTicketPLUS ist die umweltfreundliche Alternative nicht nur für die Wege zum Job und Berufsschule, sondern auch für eure Freizeitgestaltung. Mehr Informationen findet ihr hier. Und fall es einmal aus dem VRR-Gebiet herausgehen soll, könnt ihr euch ganz einfach das NRWupgradeAzubi dazubuchen.

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