Punkmusik, die auch Mütter spüren: Dortmunder Punkband Zymt im Porträt

Die Dortmunder Punkband Zymt hat jüngst ihr Debütalbum „Das Privileg der Misanthropie“ veröffentlicht. STROBO-Autor John hat drei der Bandmitglieder getroffen und mit ihnen über das Zusammenfinden als Band, das Kamener Kreuz und den DIY-Anspruch von Zymt geredet.

Drei von fünf Zymt-Mitgliedern sitzen entspannt in einem Hinterhofgarten einer Dortmunder Eisdiele. Maz, Chris und Jonas reden dabei, als würde es Zymt in der Konstellation schon ewig geben. Dabei waren sie am Anfang eigentlich nur zu zweit, wie Sänger Maz erklärt: „Alex und ich haben während der Corona-Zeit mit einem Computerprojekt gestartet und uns Sachen hin- und hergeschickt, die wir gut fanden. Als das mehr wurde, hatte uns Rosi von MyRuinRecords gefragt, ob wir da nicht eine LP draus machen wollen“, erzählt Maz. Schnell kam die Idee auf, aus dem Projekt eine Band zu machen – und so stießen die anderen drei dann in der Folgezeit nach und nach dazu: Achim und Jonas waren alte Bekannte und schnell in der Band.

Drummer Chris war für den Rest der Band zwar vorher ein Unbekannter, probte aber im Studionebenraum. Es wurde an die Tür geklopft, ein bisschen geredet und dann war auch er Teil der Band. Und obwohl das Debütalbum „Das Privileg der Misanthropie“ von Maz und Alex vor dem Einstieg der anderen Mitglieder geschrieben wurde, sind Chris und Jonas genau damit voll zufrieden: „Ich fand’s super, dass das Album schon vorher stand und ich genau wusste: Da geht die Reise hin und das finde ich saugeil.“ Jonas ergänzt: „Das hat die Prozesse eher beschleunigt als verlangsamt und hat gut gepasst.“

Zymt: Musik, die „vielleicht auch meine Mutter spürt“

Wer Zymt hört, sollte keine typische Deutschpunk-Band erwarten. „Textlich würde ich uns eher bei dadaistischen Bands aus den 80ern sehen, so Bands wie DAF oder schlagereske Bands“, erklärt Maz. „Nicht, dass wir keine Deutschpunk-Band sind, aber ich finde statt den typischen drei Punkthemen Polizei, Staat und Nazis spannender über Sachen zu schreiben, die vielleicht auch meine Mutter spürt.“

Musikalisch sieht das ähnlich aus, Zymt lassen sich nicht stumpf auf das Genre Punk begrenzen. „So gehen wir auch in den Proberaum. Wir haben letztens auch einen Countrysong geschrieben. Da wären wir dann auch am ehesten bei den Ärzten der 90er, die mit Le Frisur ein Album mit vielen verschiedenen Genres geschrieben haben“, führt Maz weiter aus.

STROBO:Inside – Zymt

Zymt sind Maz (Gesang), Alex Rakete (Gitarre), Jonas (Synthesizer), Achim (Bass) und Chris (Drums). Die Fünf waren unter anderen in den Bands Mann kackt sich in die Hose, Abriss, Willy Fog, Napoleon Dynamite und Sidetracked aktiv und schreiben mit „Privileg der Misanthropie“ ein neues Kapitel. Das Album ist nach einiger Verzögerung im Juli 2022 erschienen und präsentiert seinen knapp 20 Minuten Spielzeit ein Feuerwerk aus energetischer Wucht, Spielfreudigkeit und subtilen Texten.

Zymt aus Dortmund im Gespräch: Das „Privileg der Misanthropie“

Was der Titel des Albums, „Privileg der Misanthropie“, genau bedeutet, erklärt Jonas: „Misanthropie bedeutet für mich, dass sich die Leute gerne ihren eigenen Käfig bauen und dann auf die anderen Leute herabgucken. Und sich das rauszunehmen, ist ein Privileg.“

Das Album war schon im September fertiggestellt und bereit veröffentlicht zu werden – Probleme machten aber die Presswerke, weshalb das Album erst zehn Monate später releast werden konnte. Auffällig wird der spätere Veröffentlichungszeitpunkt an dem Song „Was kannst du für Armin Laschet tun?“, welcher dem damaligen CDU-Aspiranten auf das Bundeskanzleramt gewidmet ist.

Punkband Zymt aus Dortmund: „Man läuft nicht durch Dortmund und sagt: Ist richtig schön hier!“

Die Inspiration für die Lyrics holt Maz hauptsächlich aus dem Internet, denn „viele Texte entstehen aus Nachrichten, Memes, die ich angucke oder auch Bildern von meckernden Touris an Flughäfen. Im Zuge der Corona-Pandemie hatte ich auch ehrlich gesagt nicht viele Einflüsse neben Fernsehen und Computer, weil ich eben doch selten das Haus verlassen habe.“

In den Texten von „Privileg der Misanthropie“ echauffiert sich Maz aber auch über einige bekannte Orte des Ruhrgebiets, denn: „Das Kamener Kreuz und der Westenhellweg gehen mir schon auf die Nerven. Es gibt zwar schöne Orte im Pott, aber nicht die.“ Trotzdem will er das Ruhrgebiet aber auch nicht komplett abschreiben und sagt: „Ich würde jetzt niemandem den Ruhrpott empfehlen, wüsste aber auch nicht, was ich sonst empfehlen würde. Man kann nicht mit und nicht ohne.“

Die Dortmunder Punkband Zymt steht für DIY

Eine optische Besonderheit sind die Designs der Band, für welche Maz, der hauptberuflich Grafikdesigner ist und unter anderem Artworks für die Antilopen Gang und die Lochis erstellt hat, zuständig ist: „Da ich den Scheiß studiert hab, bin ich dafür verantwortlich. Auch weil ich ziemlich pedantisch bin und weiß, wie das am Ende auszusehen hab, habe ich das Cover mit unserem Fotografen Luke gebastelt.“

Zum Artwork von „Privileg der Misanthropie“ erklärt er: „Da man uns schwierig in eine Schublade stecken kann, finde ich es spannend ein Artwork, was alles und nichts heißt, zu gestalten und das Cover steht dem Drive der Platte auch ganz gut.“

Dass die Band und ihre Freund:innen alles um die Platte, allen voran Aufnahme und Mastering, Musikvideos, Cover und Vertrieb, gemacht haben, ist für Chris nur logisch: „Wir kommen ja auch alle aus dem DIY und dementsprechend sind wir dann auch die Menschen, die das selber machen können.“ Während Privileg der Misanthropie noch zu zweit geschrieben wurde, arbeitet die Band zu fünft organisch an einem Nachfolger.

„Songs schreiben passiert ja eh immer irgendwie automatisch“, sagt Chris, „Wir sind zwar auch eine Band aus Egos, aber niemand ist aufdringlich und alles kann, nichts muss.“ und Maz ergänzt: „Die zweite Platte wird gerade geschrieben und Konzerte kommen beizeiten.“

Bock auf mehr Strobo? Lest hier: 70 Minuten perfektes Chaos: Black Midi bei der Ruhrtriennale

Keine weiteren Beiträge
Mein Bild