Bäumchen wechsel dich: Wo sind die FLINTA*?

Strobo-Redakteurin Anastasia frustiert das Line-Up bei „Bäumchen wechsel dich“. Statt ein diverses Line-Up zu organisieren, legen 22 Männer am kommenden Mittwoch in Dortmund auf. Ein Grund über fehlende Repräsentation von FLINTA* in der Branche zu sprechen.

Überall liegen Flyer mit Neon-Palmen und Flamingos herum, seit Woche wische ich entnervt die Instagram-Werbung weg. Das Partyfestival „Bäumchen Wechsel dich” findet nach drei Jahren wieder in Dortmund statt. Mit Shuttlebus kurven die „Partypeople” am Mittwoch durch Clubs und Bars in der Innenstadt. Die Internetseite verspricht: „ein buntes Bouquet aus DJ-Sets der verschiedensten Couleur.” Wer beim Bäumchen nicht auf seine Kosten kommt, muss entweder taub oder bereits im Jenseits sein.”

Wer sich unter dem ableistischen Vergleich nicht vorstellen kann, was die Feierwütigen erleben – hier eine kurze Zusammenfassung des Line-Ups:  

Das so „bunte” Bouqet des Abends besteht aus 22 Männern  –  und einer Frau. In acht von neun Clubs, die der Bus des Festivals ansteuert, legen also nur Männer auf. Ganz schön schwach.

Warum Diversität in Clubs von Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Und wie in allen Lebensbereichen sind auch hier FLINTA unterrepräsentiert. Das unterstreichen auch diverse Studien. Das feministischen Kollektiv Female:Pressure schaute sich zum Beispiel 99 Festivals für elektronische Musik in Deutschland von 2012 bis 2021 an. Das ernüchternde Ergebnis: Weibliche Acts waren mit unter 21% aller Teilnehmenden deutlich unterrepräsentiert. 66.8% der Acts waren männlich, 1.9% nicht-binär. Line-ups, wie das von „Bäumchen wechsel dich”, lassen mich angesichts dieser nachweisbaren Gender Gap frustriert zurück.

Vielfalt schließt Diversität mit ein

Und die Veranstalter:innen? Die werben auf der Website damit, „die besten DJs und Musiker der Region” zusammenzubringen. Auch auf Nachfrage bestätigt mir der Veranstalter, dass das Line-Up unter anderem in Absprache mit den Clubs organisiert wird. Ihr Fokus: „die lokale Szene in Form von Venues, Eventschaffenden und Künstlerinnen und Künstlern möglichst authentisch zu präsentieren und ihrer individuellen Vielfalt eine Bühne zu bieten.”

Zu dieser Vielfalt muss aber auch auch ein diverses Line-Up gehören. Selbst das Festival gibt auf Anfrage zu, dass intern Diversität nicht „mit der Vehemenz“ priorisiert werde, die ihr zustehen würde.

Trotzdem räumt der Veranstalter ein, dass es in der lokalen und regionalen Szene im Ruhrgebiet „ein starkes Ungleichgewicht bezüglich weiblicher, nicht-binärer und männlicher DJs“ gäbe.

Das soll aber keine Ausrede dafür sein, weniger FLINTA* zu unterstützen. Auch wenn der Veranstalter als weiteren Grund anführt, dass aufgrund der Corona-Pandemie weniger Zeit zur Organisation blieb, möchte ich zeigen, was auch in wenigen Minuten geht.

Fünf Minuten Recherche und reine Erinnerung an gute Abende in Clubs ergeben mehr Repräsentation als es „Bäumchen wechsel dich” geschafft hat.

Mein Line-Up

Juliet Sikora: Juliet ist Labelchefin von Kitbal Records. Eine Institution im Ruhrgebiet. Auch zwei der Djs (P.A.C.O. und Flo MRZDK)), die am Mittwoch im Junkyard auflegen, gehören zum Label. Juliet ist im Ruhrgebiet keine Unbekannte und legt zum Beispiel diesen Sommer beim Juicy Beats auf (zu dem Line-up kommt irgendwann auch noch was, versprochen).

Nele Charon: Die Bochumerin gehört zum Techno-Kollektiv Stadtkinder und hat STROBO sowohl im letzten Jahr bei der Future Sounds Party mit eigenem STROBO:Mix unterstützt.

Medea: Medea ist Resident im Essener Goethebunker und Teil von Dortmund Dance Divison. Egal ob Ruhrgebiet oder Berlin, Medea bringt Girlpower auf die Techno-Party.

Frau Beji: Da das „Bäumchen Wechsel Dich” nicht nur Techno anbieten will, habe auch ich mein musikalisches „Bouqet” erweitert. Frau Beji legt unter andere Afro-Tech und Amapiano auf. Wer keine Lust auf 0815-Stampferei hat, ist bei ihr mehr als richtig.

Sini LikkleLuv Dortmunder Großmarktschänke-Besucher:innen kennen sie von der „Nice-Up” Partyreihe. Egal ob Dancehall, HipHop oder R&B, Sine ist breit aufgestellt und wäre eine gute Ergänzung für das Festival.

Es bleibt zu hoffen, dass der Veranstalter nicht nur leere Versprechungen macht, sondern diese zukünftig auch in die Tat umsetzt. „Bäumchen wechsel dich” beendet die Mail mit dem Vorschlag eines exklusiven Events für weibliche Acts.

Keine schlechte Idee, auch wenn der musikalische Katzentisch nicht reicht. Also liebe Veranstaltende im Ruhrgebiet: Ladet doch einfach zu all euren Events mehr FLINTA* ein! Und an alle Menschen, die gern feiern gehen, achtet doch mal drauf, wer so auflegt. 

Bock auf mehr STROBO? Lest hier: „Ich war es überdrüssig, immer nur mit Männern zu kooperieren“ – DJ Mari van DUS im Interview

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